Motorrad-Werkstätten : Wintereinbruch juckt Biker nicht

In der Werkstatt von Wolfgang Schröder hängt über dem Tresen der Spruch „Vier Räder bewegen deinen Körper, zwei Räder deine Seele“. Hier arbeitet er an einer „Beta“, eine italienische Motorradmarke, vor allem für den Trial- und Endurosport.
In der Werkstatt von Wolfgang Schröder hängt über dem Tresen der Spruch „Vier Räder bewegen deinen Körper, zwei Räder deine Seele“. Hier arbeitet er an einer „Beta“, eine italienische Motorradmarke, vor allem für den Trial- und Endurosport.

Motorrad-Werkstätten in der Region für 2018 wirtschaftlich gut aufgestellt - Reparaturen und Verkäufe als Standbeine.

von
27. Februar 2018, 05:00 Uhr

„Nix is‘ mit dem verflixten siebenten Jahr. Das erste Mal treiben mich im Winter keine existenziellen Nöte“, schnauft Wolfgang Schröder von der Motorradtechnik Kritzkow durch. Der Kritzkower sieht daher positiv in die neue Biker-Saison. „Zwar hat der Winter noch einmal zugeschlagen, aber das juckt Biker nicht und hat daher nichts zu bedeuten. Wer sein Motorrad fit machen muss, hat längst einen Termin bei mir“, erklärt Schröder. Besonders kann er da auf seinen Kundenstamm bauen, den er sich in den sieben Jahren Schritt für Schritt geschaffen hat.


Erstes Mal bei Mailänder Messe

Außerdem weiß er sich bei Reparaturen im wahrsten Sinne des Wortes im Rennen, denn das ist der Hauptverdienst. Eine richtige Entscheidung traf er im vergangenen Jahr als er sich eine zweite Reparaturbühne leistete. Schröder: „Inzwischen könnte ich fast schon eine dritte gebrauchen.“ Auch 2018 werde es mit seiner Werkstatt wieder einen Tick aufwärts gehen, ist sich der Allein-Schrauber, der durch die Arbeit immer dazu lernt, sicher. Erstmals entschied sich Wolfgang Schröder für diese Saison aber auch über den Tellerrand zu schauen. Er besuchte nicht nur wie alle zwei Jahre die Messe in Köln, sondern er fuhr im November nach Mailand. Verträge mit Herstellern, die nach seiner Meinung nur behindern, hat er nicht mehr. Als Händler tritt er bei den Marken Beta sowie bei Benelli und Kreidler auf. „Ansonsten bin ich für alle Typen und Marken offen“, betont er.

Motorradgarage bietet Fahrtraining

Ebenfalls einen gut gefüllten Auftragskalender hat Frank Wiechmann von der Motorradgarage Tarnow, in der er seit einigen Jahren aber auch Autos repariert. „Das hält sich vom Umfang her die Waage“, gibt Wiechmann Auskunft. Der hat für den Pkw-Bereich auf eine Neuerung des Gesetzgebers bei der Hauptuntersuchung reagiert und einen Lichteinstellplatz eingerichtet. „Das halten nicht alle vor“, erklärt der Dreetzer. Er und seine Frau Claudia bezeichnen die wirtschaftliche Lage für 2018 als gut. „Wir starten langsam, aber sicher durch“, sagen beide. Beim Motorradkauf gebe es vor allem für Rennmaschinen einige Anfragen, so Claudia Wiechmann.

Noch mehr vermitteln möchten beide gern Renn- und Fahrtraining. „Wir verdienen daran nichts, uns geht es aber um mehr Sicherheit bei den Bikern, vor allem bei Neueinsteigern. Denn wenn du einen Hobel von 200 PS unterm Hintern hast, beherrscht du den doch nicht gleich“, sagt Frank Wiechmann. Dieses Training findet fast an jedem Wochenende statt. Drei- bis viermal im Jahr begleiten die Wiechmanns Interessenten. Es geht nach Oschersleben, auf den Sachsenring oder nach Most in Tschechien. Für Fahranfänger eignet sich besonders die Strecke in Groß Dölln bei Templin.


Kuhs liefert bis nach Australien

Auch wenn es im Herbst und Winter etwas ruhiger ist, die Bikefarm MV Kuhs hat das ganze Jahr über zu tun, denn sie agiert seit 2003 im Internet mit einem Online-Laden und damit weltweit. Oft melden sich z.B. Kunden aus Australien. Aber auch die USA und seit einiger Zeit besonders Lettland und Estland sind vertreten. Das liegt auch an der Homepage, die in Englisch gestaltet ist. In Deutschland kommen die Bestellungen bis aus dem tiefsten Süden. Die Kuhser Firma von Andrea Lisch, die es seit 15 Jahren gibt, hat sich vor allem auf Heckhöherlegungen und Hecktieferlegungen spezialisiert. Die ersten Fahrwerksumbauten erfolgten 1992 an Kawasakis. Weiter sind Edelstahlzubehör, höhere, verstellbare Spoiler, Kettenschutze, Lenker in allen Varianten, Kühlerverkleidungen, verstellbare Kennzeichen-Halter sowie Sturz-Pads, den dezent angebauten Sturzbügeln mit einem großen Effekt, im Sortiment. „Alles, was das Bike attraktiver macht und ihm die persönliche Note des Bikers gibt, bieten wir an“, erläutern die Kuhser, die auf deutsche und schweizerische Wertarbeit fokussiert sind. „Wir sind 2018 gleichbleibend stabil aufgestellt“, schätzen Andrea und Thomas Lisch ein.

Bikershop: stabile Schrauber-Truppe

Mit einer stabilen Schrauber-Truppe, einem seit 28 Jahren gewachsenen Kundenstamm sowie neuen und etablierten Fahrzeugen und Marken wie die Roller von Kymco, Quads, KTM und wieder auf dem Vormarsch befindlichen Japanern punktet der Güstrower Bikershop von Birgit und Diethelm „Otto“ Triemer. „Dabei geht es oft auch familiär zu, denn schließlich wird ein Bike ja oft so wie eine Verlobte behandelt“, erzählt Birgit Triemer schmunzelnd.

Der Bikershop verzeichnet einen Trend zu mehr Straßenmotorrädern, aber auch Enduro-Modelle werden weiter viel nachgefragt. „Otto“ Triemer: „Daraus ergibt sich für 2018 eine gute wirtschaftliche Situation. Allerdings muss man immer etwas zurücklegen, denn wir erleben eine Sinuskurve. Die zeigt uns in einem Sechs-Jahres-Zyklus, dass es mal besser und mal schlechter geht.“

Bei Benzingesprächen, einem Imbiss und einem Schluck laden die Triemers am 14. April zur Saisoneröffnung in einem im Winter neu gemalerten Bikershop ein. Hingucker wird dabei ein 900-ccm-Retro-Bike von Kawasaki sein, auch ein Trend bei den Kunden, dem die Hersteller nachkommen.



zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen