SVZ-Sommertour : Windrad aufs Dach gestiegen

Ein Gurt war beim Aufstieg zwingend, auch für Hannes Seefluth. Der 17-Jährige war vom Ausblick begeistert.
Ein Gurt war beim Aufstieg zwingend, auch für Hannes Seefluth. Der 17-Jährige war vom Ausblick begeistert.

20 SVZ-Leser genossen aus 80 Metern Höhe exklusiv einen herrlichen Blick in die mecklenburgische Landschaft.

svz.de von
06. August 2016, 08:15 Uhr

Gestern um 12.19 Uhr fuhr Johann Georg Jaeger das Windrad E 70/4 nahe Augustenruh im Windpark Groß Schwiesow/Mistorf hoch. Die 70 steht für den Rotordurchmesser in Metern. Die Flügel setzte er extra für die 20 SVZ-Leser, die in unserer Sommertour exklusiv einem Windrad aufs Dach steigen durften, in Gang.

 

Acht Motoren drehten das 78 Tonnen schwere Maschinenhaus und die Leser in den Wind. Das war beeindruckend, denn bei 16 Umdrehungen in der Minute pfeifen die Rotorblätter mit mehr als 200 Stundenkilometern durch die Luft. Dafür musste sich Jaeger allerdings das Okay der Zentrale in Bremen holen, weil das Windrad stand. „Wir haben Wind unter drei Meter pro Sekunde. Da schalten die Räder automatisch ab. Erst ab fünf bis sechs Meter lohnt sich das, ab acht bis zehn Meter Wind kommt bei der Stromproduktion Freude auf“, erklärte er.

„Leistungspferd der Energiewende“

Damit beantwortete er gleich eine Frage des Güstrowers Willi Holst. Weitere stellten die Leser nach einem Schweiß treibenden und mit Gurten gut gesicherten Aufstieg über eine Leiter mit 220 Stufen in 80 Metern Nabenhöhe. Zur Abkühlung und für den herrlichen Ausblick öffnete Jaeger das Dach.

Allerdings kann man in dieser Ecke des Landkreises weder vom Lüssower Kirchturm noch von den Windrädern die Ostsee sehen. Woran das liegt? Matthias Ortmann wusste es: Die Krümmung der Erde verwehrt einem diesen Blick.

Weiter erfuhren die Leser von Johann Georg Jaeger, dass E 70/4 eines der ersten Windräder im Windpark Groß Schwiesow/Mistorf war. Es kostete 1,6 Millionen Euro. Bei den neuen, größeren müssen 3,6 Millionen Euro investiert werden. Gebaut wurde E 70/4 von einem Fonds. Jaeger berichtete, dass die Kredite inzwischen getilgt sind. Per Gesetz gibt es 21 Jahre eine Vergütung für Windenergie. Die Pachtverträge über die Grundstücke laufen 30 Jahre. Jaeger bestätigte, dass Windräder oft stehen bzw. kein Strom in die Netze eingespeist wird, weil das Aufkommen zu hoch ist. 200 Millionen Kilowattstunden gehen auf diese Weise „verloren“, was aber nur drei Prozent der gesamten Stromproduktion ausmache, so Jaeger. Teilweise werde der Ausfall bezahlt.

Der Park Groß Schwiesow/Mistorf produziert 3,6 Millionen Kilowattstunden im Jahr. Ein Haushalt verbraucht im Durchschnitt 3000. Dieser Park könnte somit 1200 Haushalte im Jahr mit Strom versorgen.

Den Windkraft-Kritikern, die Lärmbelästigung, Schlagschatten sowie Naturschutz- und Tourismusprobleme in die Waagschale werfen, antwortet Jaeger, Energiepolitischer Sprecher der Grünen im Landtag, dass die Windkraft mit 75 Prozent Anteil an alternativen Energien „das Leistungspferd der Energiewende“ ist. So produziere MV 3006 Megawatt Strom durch Windkraft, 6000 bis 7000 sollen es werden, so der Experte.

Jaeger ist mit dem Park in besonderer Weise verbunden. Er entwickelte das Projekt. 2002 im Frühjahr stand das erste Rad. Damals waren SVZ-Leser die ersten Besucher auf einem Windrad. „Inzwischen haben wir 1800 Besucher hoch gelotst“, erzählte Jaeger. 14 „Windmühlen“ stehen in dem Windpark. Drei neue sind gerade fertig. Ein Windrad folgt noch 2017/18, dann ist der Park endgültig gefüllt.

Das wäre wieder eine Gelegenheit für ein neues Windrad-Erlebnis. Unsere Leser Wolfgang Becker, Güstrow, Gunter Meier, Groß Schwiesow, Hannes Seefluth, Güstrow, Annika und Conny Mommertz, Simmerath/Eifel, Barbara und Lutz Gröschel, Badendiek, Rainer Mertins, Laage, und Reinhard Eiserle, Güstrow, wären wieder dabei.

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