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Güstrower Anzeiger

14. Dezember 2017 | 14:22 Uhr

Linstow : Windpark statt Ferienpark!?

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Linstow: Van-der-Valk-Gruppe protestiert gegen zwei Eignungsgebiete nahe dem Resort / Planungsverband berät am 5. Mai über Vorschläge

svz.de von
erstellt am 25.Apr.2014 | 06:00 Uhr

Urlauber schauen auf Windräder und werden permanent durch die Geräusche der Rotorblätter belästigt. Im Laufe der Zeit schwinden die Gästezahlen, weil der Windpark ein sehr großer Wettbewerbsnachteil ist. Am Ende dieses Szenarios steht die Insolvenz, mit dem Verlust von rund 600 Arbeitsplätzen. Vorbei wäre es mit der Erfolgsgeschichte eines der größten Ferienanlagen im Binnenland von Mecklenburg-Vorpommern: dem Van-der-Valk-Feriendorf Linstow.

„Wir können nicht verstehen, dass Politiker, die dieses Resort einmal befördert haben, jetzt mit einem Windpark dafür sorgen, dass das Feriendorf wieder kaputt gemacht wird. Das ist ein Schildbürgerstreich“, sagt Geschäftsführer Vincent van der Valk. Und immer wieder stellt er die Frage nach dem Warum und der Intention, ein touristisches Aushängeschild des Landes so in die Bredouille zu bringen. Zumal das Feriendorf genau aus diesem Grund 2008 aus der Planung herausgenommen wurde

Dem Protest, dass der Windpark bei Linstow und Groß Bäbelin zu den neuen 16 neuen Eignungsgebieten im fortgeschriebenen Raumentwicklungsprogramm für die Region Rostock gehören soll, hat sich die Interessengemeinschaft „Gegen Windkraft in unserer Region“ (wir berichteten) angeschlossen. „Eine Petition mit 300 Unterschriften haben wir an den Planungsverband, der das zu verantworten hat, abgeschickt, sagt Sprecher Andreas Libor. Unterstützung erhält der Ferienpark Linstow auch von der Gemeinde Dobbin-Linstow, vom Amt Krakow am See sowie vom Gaststätten- und Hotelverband. Die enorme touristische Bedeutung der Ferienanlage würde stark eingeschränkt, heißt es in der Dehoga-Stellungnahme. Der Landesjagdverband verweist auf den Kranich-Rastplatz, der sich dort befindet. Van der Valk ergänzt: „Bei uns suchen sogar Adler ihr Futter und der Rot-Milan ist hier zu Hause.“ Auch die Industrie- und Handelskammer fordert den Verzicht dieser beiden Eignungsgebiete. Negativen Einfluss durch die 20 geplanten „Windmühlen“ erwarten ebenfalls mehrere Touristikanbieter. Unter den Mitgliedern des Planungsverbandes gibt es ebenfalls Kritiker. Teterows Bürgermeister Reinhard Dettmann: „Ich hätte mir gewünscht, dass Linstow von vornherein nicht ausgewählt worden wäre, weil es ein besonderer Tourismusschwerpunkt im Binnenland ist.“ Dettmann vertraut jetzt darauf, dass in der zweiten Runde alle Anregungen und Hinweise dazu führen, dass die Flächen bei Linstow gestrichen werden.

Der regionale Planungsverband räumt in der Diskussion, die seit Januar 2013 läuft, „eine starke Konfliktlage“ im Fall Linstow ein. Katja Klein, Mitarbeiterin in der Geschäftsstelle, betont sogar, dass es „überhaupt keine konfliktfreien Flächen“ gebe. Trotzdem seien die Eignungsorte Linstow und Groß Bäbelin nicht für die Streichliste vorgesehen, so Klein. Als ein Grund wird aufgeführt, dass die Eignungsgebiete „am Rand eines im Regionalplan festgelegten Tourismusschwerpunktes“ liegen. Dass sich der Windpark gut in die Landschaft einfügen werde, wird mit der Autobahn A19, dem Kiesabbau bei Zietlitz und Bäbelin sowie dem Industriegebiet Hohen Wangelin begründet. Außerdem würden damit in dem Dreieck Güstrow-Krakow am See-Teterow erstmals Windanlagen gebaut werden, erklärt Klein.

Der Protest zum Erhalt der Ferienanlage, die einen jährlichen Umsatz von 20 Millionen Euro und 450 000 Übernachtungen hat, kommt allerdings nicht von ungefähr. Am 5. Mai tagt der regionale Planungsverband und beendet das erste Beteilungsverfahren. Von 16 Gebietsvorschlägen sollen fünf gestrichen werden. Gründe sind Belange der Flugsicherheit, des Artenschutzes sowie in einem Fall die zu große Nähe zu einer Ortschaft.

Vincent van der Valk versteht die Welt nicht, dass das Feriendorf nicht dazu gehört. Da beruhigt ihn auch überhaupt nicht, dass Katja Klein auf das beginnende zweite Verfahren hinweist und sagt, dass „noch vieles offen und möglich sei“, auch für Linstow. Ein kleiner Erfolg dürfte allerdings sein, wie unsere Zeitung erfahren hat, dass die Auslegungsfrist für den zweiten Entwurf über den Juli und August bis zum 31. Oktober verlängert werden soll.


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