Energiewende : Windpark in Linstow vom Tisch

Der Streit um künftige Windparks geht weiter.
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Der Streit um künftige Windparks geht weiter.

Planungsverband streicht Zahl möglicher Eignungsgebiete zusammen. Kuriosum dabei: Gebiet Zietlitz/Groß Bäbelin soll größer werden

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07. November 2015, 07:30 Uhr

In Linstow freut man sich. Ein mögliches Eignungsgebiet für Windkraftanlagen ist vom Tisch. In Zietlitz und Groß Bäbelin ist man dagegen entsetzt. Das dort vorgesehene Gebiet soll noch vergrößert werden. Die Mitglieder des Planungsverbandes Region Rostock feilten in dieser Woche wieder einmal an der Fortschreibung des regionalen Raumentwicklungsprogrammes, Kapitel 6.5 – Energie einschließlich Windenergie. Von zunächst 17 möglichen Windkrafteignungsgebieten sind jetzt zwölf übrig geblieben. Aus der Region Güstrow weiter im Rennen: Hoppenrade. Streichungen gibt es dagegen auch im Raum Bützow/Satow.

Zwischen dem 1. und 2. Beteiligungsverfahren waren rund 300 Stellungnahmen beim Planungsverband eingegangen. Heftigen Widerstand gab es u.a. gegen eine Ausweisung weiterer Windenergie-Gebiete zwischen Bützow und Satow. Hier hatte sich schon im Frühjahr abgezeichnet, dass neue Standorte kaum eine Chance hätten. Jetzt wurden sie von der Liste gestrichen.

Auch gegen Eignungsbegiete im Krakower Raum waren schon auf der Verbandsversammlung im März erhebliche Vorbehalte geäußert worden. „Auf der einen Seite der Autobahn der Ferienpark in Linstow, auf der anderen Seite ein Windpark – das passt nicht“, erklärt Matthias Plehn, Regionalplaner beim Planungsverband. „Die Freude ist groß. Wir haben lange gekämpft. Dieses Stück vis-a-vis des Ferienparkes war aus unserer Sicht nicht verhandelbar“, sagt Volker Wünsche, Sprecher des Van-der-Valk-Resorts Linstow und lobt eine „von Vernunft getragene Entscheidung des Planungsverbandes

Entsetzen in Zietlitz

Andreas Libor ist dagegen bestürzt. Das Plangebiet Zietlitz/Groß Bäbelin soll in die Fläche des Kiestagebaus hinein erweitert werden, so beschloss es die Verbandsversammlung. „Ich bin sehr, sehr enttäuscht und verärgert“, betont der Ansprechpartner der Interessengemeinschaft gegen den Bau von Windkraftanlagen in der Region. Man habe immer gegen beide möglichen Eignungsflächen gekämpft. „Wir wollten, dass die Krakower Seenlandschaft nicht durch Windkraftanlagen kaputt gemacht wird“, sagt Libor und fügt hinzu: „Jetzt haut man uns noch richtig was oben drauf.“ Er sei ratlos und sieht die Menschen in Zietlitz und Groß Bäbelin und auch seine kleine Pension in Zietlitz als Bauernopfer. „Macht und Geld regiert die Welt“, denkt Libor.

Bürgermeister Wilfried Baldermann spricht von „keiner ganz glücklichen Lösung“ und hält eine Beurteilung gegenwärtig für schwierig. Der Bürgermeister der Gemeinde Dobbin-Linstow denkt, dass man die Streichung der Nr. 105 (Linstow) in der Nachbargemeinde Hohen Wangelin nicht einfach hinnehmen wird. Und auch er vermutet einen Kuhhandel. „Etwas mehr Offenheit und Ehrlichkeit seitens des Van-der-Valk-Resorts hätte nicht geschadet“, formuliert Baldermann.

Fahler Beigeschmack von Kuhhandel

Von Tauschhandel will Regionalplaner Plehn nicht reden. Im nördlichen Bereich (Zietlitz/Groß Bäbelin) sei der Widerstand nicht so groß gewesen. „Jeder mag seine Meinung haben. Wir sehen das nicht so“, betont auch Van-der-Valk-Sprecher Wünsche auf SVZ-Nachfrage, muss aber einräumen, dass rund ein Drittel des möglichen Eignungsgebietes bei Zietlitz und Groß Bäbelin im Eigentum von Van der Valk ist. Grundstücke seien schon vor längerer Zeit, als hier ein Freizeitpark geplant war, gekauft worden. Dieses Vorhaben sei nun wohl passee. Dass es nun ein Windeignungsgebiet werden kann, habe man nicht ahnen können, so Wünsche. Nach jetzigem Stand der Dinge könnte Van der Valk doppelt profitieren.

Für die in der Planung verbleibenden zwölf Eignungsgebiete einschließlich Hoppenrade kündigt Regionalplaner Plehn weitere Untersuchungen im nächsten Jahr an. Dabei gehe es insbesondere um Belange des Artenschutzes. Bevor vielleicht Ende 2017 eine Entscheidung fallen kann, gibt es eine weitere Auslegung mit der Möglichkeit der Stellungnahme dazu, kündigt Plehn an.

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