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Anlagen entstehen auf nicht geernteten Feldern : Windkraft macht Weizen platt

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Die Energiewende macht es möglich. Wie Pilze schießen derzeit Windkraftanlagen aus der Erde. So auch im "Eignungsgebiet Kuhs" in der Region der Ortschaft Bredentin. Friedrich Beltz beobachtet das Baugeschehen aufmerksam.

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erstellt am 26.Jul.2013 | 03:37 Uhr

Bredentin | Die Energiewende macht es möglich. Wie Pilze schießen derzeit Windkraftanlagen in neu ausgewiesenen so genannten Eignungsräumen aus der Erde. So auch im "Eignungsgebiet Kuhs" in der Region der zur Gemeinde Sarmstorf gehörenden Ortschaft Bredentin. Dort errichtet die Ingenium Windpower Consulting GmbH als Betreiber fünf neue Windkraftanlagen.

Friedrich Beltz, ein ehemaliger Landwirt aus Siemitz, beobachtet das Baugeschehen aufmerksam. Er weiß um die Bedeutung der Energiewende. Aber er stört sich daran, dass die Bauarbeiten begonnen haben, obwohl die Felder noch nicht geerntet wurden. "Da werden in gut stehenden Weizen-, Gerste- oder Rapsfelder Gräben gezogen, breite Schneisen geschlagen und großzügige Baustellen für die Anlagen eingerichtet. Hätte man nicht die paar Wochen warten können, bis die Ernte eingebracht ist?", fragt der 80-Jährige. Vor allem vor dem Hintergrund steigender Getreide- und Brotpreise und von Hungersnot, die in großen Teilen der Erde herrscht, kann der ehemalige Landwirt dieses Vorgehen nicht nachvollziehen. "Wir haben früher um jeden Quadratmeter gekämpft, haben mit den Pferden um jeden Mast herumgepflügt und unzugängliche Stellen mit der Sense gemäht", erinnert er sich.

Christian Pentzlin, Landwirt aus Weitendorf, der die Flächen um Bredentin gepachtet hat, zuckt mit den Achseln. Die Betreiberfirma habe den Baubeginn nicht weiter nach hinten verschieben wollen. Er habe für die ruinierten Flächen eine Entschädigung erhalten, aber natürlich hätte er das Getreide lieber geerntet. Man habe auch lange diskutiert, aber schließlich habe er keine Chance gehabt, sagt Pentzlin. "Unsere über alles geliebte Mutti" - gemeint ist die Kanzlerin - drücke bei der Energiewende nun mal aufs Tempo, erklärt Christian Pentzlin.

Volles Verständnis für die Kritik von Friedrich Beltz äußert Hans-Jürgen Meier, Leiter des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umweltschutz Mittleres Mecklenburg (Stalu). Seine Behörde ist für das Genehmigungsverfahren nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (BimSchG) zuständig. "Mir tut es in der Seele weh, wenn ich die Schneisen und Bauplätze inmitten der erntereifen Felder sehe. Nur haben wir keine gesetzlichen Möglichkeiten, dem Investor die Bauzeit für die Anlage vorzuschreiben", bedauert er. Das sei anders bei Vorhaben, in denen zum Beispiel Brutzeiten zu beachten seien. Er könne nur an die Betreiber appellieren. Aber das sei schwer, wenn jeder Tag Verzögerung bei der Fertigstellung den Verlust von barem Geld bedeute, so Meier.

Mit Zwängen im Bauablauf erklärt Hartmut Brösamle, Geschäftsführer der mbb Bredentin GmbH & Co.KG, den Beginn der Arbeiten. "Wir versuchen nach Möglichkeit unsere Anlagen auf geernteten Feldern zu bauen. Leider ist das nicht in jedem Fall möglich. Die wpd-AG errichtet über 100 Windkraftanlagen im Jahr. Da müssen die Belange von Bauunternehmen, Anlagenherstellern, Zulieferfirmen und der Betreiberfirma unter einen Hut gebracht werden", erklärt er. Für einen Kran der für den Anlagenbau erforderlichen Größe fielen beispielsweise pro Tag Kosten im unteren fünfstelligen Bereich an. Insgesamt bezifferte Brösamle das Vorhaben auf eine Investitionssumme von zirka 24 Millionen Euro.

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