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Zweisprachigkeit : Willkommen im Sprachenwirrwarr

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Viele Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund wachsen zweisprachig auf – für die Betroffenen oftmals ein Spagat

Jeder weiß wie schwer es ist, eine neue Sprache zu erlernen. Besonders schwer ist es jedoch für Kinder und Jugendliche, die einen Migrationshintergrund haben und somit zweisprachig aufwachsen – zu Hause wird weiter die Muttersprache gesprochen, während sie in der Schule und mit Freunden deutsch sprechen. Aber Zweisprachigkeit bringt auch Vorteile.

Die Familie der 18-jährigen Thuy Trang Luong kommt aus Nordvietnam, aus einem Dorf nahe der Hauptstadt Hanoi. Die Güstrower Schülerin selbst ist jedoch in Deutschland geboren und aufgewachsen. Thuy erzählt: „Vietnamesisch rede ich nur zu Hause, unter Bekannten oder bei einem Familienbesuch. Meine Aussprache ist gut, jedoch am Wortschatz fehlt es etwas, so dass ich nur einen Smalltalk führen kann. Auch das Lesen und Schreiben fällt mir schwer, da ich in Deutschland lebe. Wenn ich in der Schule mithalten will, ist für mich die deutsche Sprache erstmal wichtiger“, erzählt sie. Thuy sieht nur Vorteile darin, mehrere Sprachen zu beherrschen: „Ich kann mit mehr Menschen kommunizieren und bin nicht immer nur auf Englisch oder Deutsch angewiesen. Außerdem hat Zweisprachigkeit auch Vorteile für die Zukunft, wenn ich mich irgendwo bewerbe“, ist sie sich sicher.

Auch Paula Abramik aus Güstrow kennt sich mit dem Thema bestens aus. Sie und ihre Familie kommen ursprünglich aus Polen. Paula berichtet von ihren Anfängen: „Ich bin 2003, kurz bevor ich eingeschult wurde, nach Deutschland gekommen. Anfangs war es nicht leicht. Die deutsche Sprache habe ich dann in der Grundschule durch Zuhören, Nachahmen und Reden gelernt.“ Im Gegensatz zu Thuy beherrscht Paula ihre Sprache Polnisch perfekt. „Da wir alle zwei Monate nach Polen fahren und ich zu Hause jeden Tag polnisch rede, klappt das mit der Sprache sehr gut. Trotzdem sehe ich als meine Hauptsprache Deutsch, da ich hier zur Schule gehe“, sagt Paula. Sie sieht viele Vorteile im Bilingualismus. Zum einen findet sie, dass sie viel offener mit neuen Menschen und Traditionen umgeht und sie empfindet das Erlernen von neuen Sprachen als viel leichter.

Ebenfalls zum Kreis der zweisprachig Aufwachsenden in Güstrow gehört die Armenierin Meri Avetisyan. Die 16-jährige Gymnasiastin aus Güstrow berichtet: „Meine Mutter und ich sind vor vielen Jahren nach Russland ausgewandert und kamen dann vor sieben Jahren nach Deutschland. Somit war Deutsch nicht meine erste neue Sprache, die ich erlernen musste.“ Ihr hat beim Deutschlernen vor allem das Fernsehen geholfen, da sie dort immer Kindersendungen gesehen hat und nebenbei in die Grundschule ging. „Ich kann armenisch besser verstehen als sprechen, da ich nie die armenische Grammatik gelernt habe. Und Russisch habe ich dadurch, dass ich es nicht mehr anwende und brauche, verlernt“, erzählt sie.

Meri sieht einige Vorteile darin, mit zwei Sprachen aufzuwachsen. „Zum einen sehe ich meine Muttersprache als eine Art Geheimsprache an und finde es ganz witzig wenn mich hier nicht jeder versteht. Außerdem ist es sehr praktisch, da ich vielen Flüchtlingen bzw. Einwanderern aus meinem Land helfen kann beim Übersetzen“, sagt Meri. Jedoch findet sie es schade, dass sie ihre Muttersprache immer mehr verlernt, da sie hier meistens nur Deutsch redet.  


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