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Güstrower Anzeiger

11. Dezember 2017 | 14:34 Uhr

Will das Bad keine Stammgäste mehr?

vom

svz.de von
erstellt am 10.Okt.2012 | 07:14 Uhr

Güstrow | Was in der Oase seit dem 1. September gilt, hängt mit der wirtschaftlichen Situation des Bades zusammen. Zugespitzt formuliert sagte Edgar Föniger, Geschäftsführer der Stadtwerke und der Freizeit- und Immobiliengesellschaft (FIG), die die Oase betreibt: "Güstrow kann sich die Oase gar nicht leisten." Ein schlechter Ausgangspunkt für die Diskussion und für die Fragen.

Zur Rutsche: Sie kann nicht ersetzt werden, weil das 600 000 Euro kosten würde. Das Geld hat die Oase nicht. Die Aussage ist nicht neu. Ein Äquivalent könnte die angestrebte Erweiterung des Bades - dazu muss aber die Stadtvertretung ihr Ja geben - sein. Geplant seien u.a. ein Multifunktionsbecken, so Föniger, eventuell mit Sprungturm und einer Innenrutsche. Föniger: "Wir müssen und wollen die Wasserfläche vergrößern." Das Becken biete dann Platz für mehr Präventionskurse und die Schwimmer könnten mehr für sich sein. Damit wäre die Kritik von Heike Hering vom Tisch. Die stört, dass das Schwimmbecken häufig keinen Platz zum Schwimmen bietet, auch kürzlich während der Ferien durch den Aqua Track.

Das Babyschwimmen findet nicht statt, weil die Wassertemperaturen für wenige Stunden nicht so hoch gefahren werden können. Der Grund sind auch hier die Kosten. Mit dem neuen Becken könnte Abhilfe geschaffen werden.

Bei den Öffnungszeiten wurde die Verkürzung von 11 bis 21 Uhr unisono kritisiert. Das Beispiel liefert die Familie Eschenburg. Beide sind Ärzte. "Sie nehmen vielen arbeitenden Güs trowern und Anwohnern des Umlandes die Möglichkeit, nach einem anstrengenden Arbeitstag zwei Stunden in der Sauna zu entspannen", heißt es in einem Brief an die Oase. Sie vermuten - das bestätigten weitere Stammgäste -, dass sie nicht die einzigen sind, die nicht vor 19 Uhr Feierabend haben. Mit den Eschenburgs hat die Oase Stammkunden verloren, die 756 Euro nur für Eintritt (mit Rabattkarte, keine Goldkarte) gern ausgegeben sowie teilweise zusätzlich Massagen und gastronomische Angebote genutzt haben. Henning Eschenburg warnt: "Mit der abendlichen Einschränkung der Öffnungszeiten büßt die Oase Besucher ein und verliert weiter an Bedeutung", noch mehr Geldsorgen eingeschlossen. Lisa Junghans sieht das genauso für die morgendlich fehlende Stunde.

Betriebsleiter Frank Schlatz erklärte, dass es eine Tatsache sei, dass ab 21 Uhr die Wirtschaftlichkeit mit den Gästen (Sauna und Therme) "in einem nicht zu vertretenden Maße gering" ist. "Jetzt sind das für uns zwei Stunden Betriebskosten weniger." Aber wir haben dafür in der Woche nachmittags personell Zeit für einen Kinderklub. Schlatz gibt jedoch zu: "Wir haben am 1. September einen Cut bei Preisen und Öffnungszeiten gesetzt. Darauf bauen wir aber auch wieder auf." Er nannte Möglichkeiten, etwas zu verändern: einen XL-Tag von 6.30 bis 22 Uhr bzw. "regelmäßige Saunaevents bis 24 Uhr".

Thema Goldkarte. Hier gibt es eine klare Aussage des Geschäftsführers: Die Goldkarte ist gestrichen, weil sie nicht wirtschaftlich ist. Denn ein Goldkartenbesitzer nimmt für 500 Euro im Jahr durchschnittlich Leistungen von 4000 Euro in Anspruch. Föniger: "Das ist zu anderen Gästen eine Ungleichbehandlung." Für die Stammgäste - es gibt 41 Goldkarteninhaber - eine Milchmädchenrechnung, denn wenn sie gar nicht mehr kommen, gibt es gar kein Geld. Ingo Krampe sagte dazu: "Meine Frau und ich zahlen im Jahr 2400 Euro und wir bringen noch weitere Gäste mit."

Hans-Joachim Zent, von Beginn an und damit seit zwölf Jahren Stammgast, auch aus therapeutischen Zwecken, hat bereits einen "Mittelweg" vorgeschlagen. Sein Fazit nach Gesprächen mit der Betriebsleitung: "Sie wollen mich nicht." Familie Golatowski zieht für sich ebenfalls diesen Schluss.

Hoffnung machte Jens-Hagen Schwadt. Der Aufsichtsratsvorsitzende der Stadtwerke sprach bei dem Thema von einem "lösbaren Problem" auf Vertragsbasis.

Nächstes Thema: die hohen Preise bei Massagen und im Bistro. Frank Schlatz hielt dagegen, dass bei Massagen Umsätze gestiegen sind. Vorher seien die Preise "wettbewerbsverzerrend" gewesen. Im Bistro verwies Föniger auf gestiegene Einkaufspreise.

Alwin Höchemer, Laage, hielt ihm entgegen, dass das erklärt, aber nicht der "kleinen" Mitarbeiterin überlassen werden sollte. Höchemer beklagte auch, dass die Atmosphäre nicht mehr so "kuschelig" ist.

Karsten Wilfert, Lalendorf, fehlt der Spaß bei den Mitarbeitern. Da habe es früher unter der alten Leitung mehr Ideen gegeben. Er habe das Gefühl als ob die "Knute" herrsche und sich die Mitarbeiter nicht entfalten können. Die Arbeitsleistung sei dagegen in Ordnung, wurde gelobt.

Geschäftsführer Föniger betonte mehrfach, dass die Oase erhalten bleiben soll und ihm die Besucher wichtig seien. Aber ihn treiben auch andere Probleme: 1 bis 1,2 Millionen Euro jedes Jahr zum Ausgleich des Defizits z.B. Und: Für die Zukunft der Oase benötigt er vier Millionen Euro. Vor allem demnächst für die Sanierung der Technik. Nach zwölf Jahren ist einiges zu tun. Da sei nämlich ein Bad gebaut, so Föniger, aber nicht an die nachhaltige Förderung für das Erneuern der technischen Systeme gedacht worden. Das hätten die Stadtwerke jetzt im wahrsten Sinne des Wortes auszubaden.

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