Wildunfälle : „Wild kennt keine Verkehrszeichen“

Kommt es in der Region zu einem Wildunfall, wird Berufsjäger Stefan Möller alarmiert.
Foto:
Kommt es in der Region zu einem Wildunfall, wird Berufsjäger Stefan Möller alarmiert.

Jäger haben nach Verkehrsunfällen mit Rehen oder Wildschweinen die wohl undankbarste Aufgabe.

von
14. März 2016, 21:00 Uhr

Wildtiere und Straßen – diese Mischung führt immer wieder zu Unfällen. Meist bleibt es bei Sachschaden, wenn Rehe, Wildschweine oder auch Hasen und Füchse die Wege queren. Der Schreckmoment ist für die Tiere jedoch häufig ein Todesurteil. Die meisten Unfälle mit Wild ereigneten sich in der Region auf der B108 und B 103 bei Laage. „Mehr als 100 in den vergangenen drei Jahren“, erklärt Güstrows Polizeisprecher Gert Frahm. Weitere Schwerpunkte seien die Waldgebiete bei Bützow, Bernitt und Schwaan.

Doch was passiert mit den Wildtieren, die bei diesen Unfällen verletzt oder getötet werden? Berufsjäger Stefan Möller, Leiter der gleichnamigen Jagdschule in Schwaan, ist einer der Jagdausübungsberechtigten, die dann alarmiert werden. Für Möller heißt es dann: losfahren – egal ob mitten in der Nacht oder früh am Morgen.

Verletzte Tiere von Qualen erlösen

Ist das Wild tot, muss es entsorgt werden. Ein vielleicht 25 Kilogramm schweres Reh ist noch kein Problem, während ein Wildschwein, das schnell über 100 Kilogramm wiegt schon zur Herausforderung wird. Das Vorgehen ist aber immer gleich: Die Tiere werden im Wald vergraben. „So ein Stück (Fachausdruck der Jäger für Wildtiere, Anm. d. Redaktion) kann man sowieso nicht mehr verwenden“, fügt der 46-Jährige an. Die hygienerechtlichen Gesetze sind sehr streng. Mindestens 50 Zentimeter Erdreich müssen den Körper bedecken, kranke Tiere dürfen nicht vergraben werden.

Gefordert ist der Jäger vor allem, wenn ein Tier nach einem Zusammenstoß verletzt ist. Konnte zum Beispiel das verletzte Reh oder Wildschwein flüchten, „muss man eine Nachsuche mit einem ausgebildeten Jagdhund machen“, erklärt Möller. Findet dieser das Tier, erlöst es Stefan Möller von seinen Qualen. Dabei geht er so behutsam wie möglich vor. „Es soll den Knall gar nicht hören, das strebe ich an“, sagt er. Dass der ausführende Jäger sein Handwerk perfekt versteht, sei dabei unabdingbar. „Das geht mir auch nah“, sei er nach vielen Jahren als Berufsjäger immer wieder auch betroffen. „Ich lösche da ja auch ein Leben aus“, ist er sich bewusst. Das gelte auch für die Jagd selbst.

Der Mensch ist ein Todfeind

Nicht selten wird die Forderung laut, dass er die verletzten Tiere zum Tierarzt bringen solle. „Für die Tiere ist der Mensch ein Todfeind“, gibt Möller zu Bedenken. Jede Annäherung versetze sie in Todesangst. Und mit einem Gips kann ein Reh wohl kaum in den Wald zurückkehren. Wenn die Tiere so schwach sind, dass sie am Unfallort liegen bleiben, seien sie nicht lebensfähig. „Wenn ich es mit dem Hund nicht finde, kann ich davon ausgehen, dass es eine gute Chance hat zu überleben“, erklärt der Jäger.

„Was mich immer etwas betrübt, ist das Unverständnis vieler Menschen“, sagt der 46-Jährige. Beim Jagen gehe es nicht nur ums Töten. Naturschutz und Tierliebe spielten eine viel größere Rolle in seinem Alltag. „Wenn sich ein Rehwild in Todesqualen windet, ist es meine Pflicht, das zu beenden“, sagt er. Tiere in freier Wildbahn zu töten, sei aus seiner Sicht oftmals die bessere Alternative zur Tötung in Massentierhaltung. „Natürlich gibt es auch in der Jägerei schwarze Schafe, aber die gehören nicht in unsere Reihen“, sagt er entschieden.

Das Tempo ist entscheidend

Besonders aktiv ist Wild in den Paarungszeiten. Das heißt, von September bis Dezember und im Juli und August ist der Wildwechsel besonders stark. „Jetzt wird es ruhiger“, so der Jäger. Entwarnung bedeute das aber nicht. In Gebieten wo Schilder warnen, sollten Autofahrer den Fuß vom Gas nehmen. „Wild kennt keine Straßen und Verkehrszeichen“, so Stefan Möller.

 „Ratsam ist es, kein Ausweichmanöver zu fahren.“ Stattdessen könne Fernlicht helfen, die Tiere, deren Augen das Licht stark reflektieren, frühzeitig zu erkennen. Auch Hupen sei eine Möglichkeit, aber: „Man kann nie vorher wissen, wie das Tier reagiert.“

Seit einigen Jahren sorgen auch Wildwarnreflektoren am Straßenrand dafür, dass eine optische Barriere entsteht. „Das hat auch gute Erfolge gebracht“, berichtet Möller. Doch wie schnell der Gewöhnungseffekt diese womöglich bald wieder zunichte macht, müsse die Zukunft zeigen. Eine Dauerhafte Lösung sieht der Berufsjäger nicht, dazu seien die Tiere zu anpassungsfähig.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen