Ehemalige Zuckerfabrik Güstrow : Wiedersehen Trumpf des Abends

Wolfgang Mikautsch, Henry Jonas, Kampagnemitarbeiter, und Harry Grubert (v.l.), ehemaliger Rohrschlosser, spielten zusammen die erste von drei Runden nach dem Seeger-System und den Altenburger Skatregeln. Klaus Hoffmann kiebitzt.
Wolfgang Mikautsch, Henry Jonas, Kampagnemitarbeiter, und Harry Grubert (v.l.), ehemaliger Rohrschlosser, spielten zusammen die erste von drei Runden nach dem Seeger-System und den Altenburger Skatregeln. Klaus Hoffmann kiebitzt.

Ehemalige Güstrower Zuckerwerker trafen sich Sonnabend zum Skat und Würfeln

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10. März 2015, 06:00 Uhr

Sonnabendabend im Hotel „Am Tierpark“ in Güstrow oder auch im Steak House, passender aber war diesmal der alte Name: „Zuckerhut“. Denn im Saal im 2. Geschoss spielten ehemalige Mitarbeiter der Güstrower Zuckerfabrik „Nordkristall“ Skat. Übrigens in dem Raum, in dem zu DDR-Zuckerfabrik-Zeiten so manche Brigadefeier stattfand.


Zusammenkunft mit Ex-Kollegen


41 Männer mischten die Karten. Die Würfelrunde war kleiner, weil die meisten Frauen, die dort teilnehmen wollten, letztlich doch nur erzählen wollten. Wie auch Klaus Hoffmann, ehemaliger Produktionsleiter. Sie wollten einfach nur mit den Ex-Kollegen mal wieder zusammen sein. Schließlich ist die Zeit längst vorbei, dass man sich jeden Tag sah. Denn an der Geschichte kam der Abend natürlich nicht vorbei: Im Jahr 2008 schloss die Zuckerfabrik aus heute dubiosen Weltmarkt- und EU-Gründen und wurde danach dem Erdboden gleich gemacht. Aber das Thema wurde letztlich in den Skat gedrückt – um im Bild des Abends zu bleiben.

Alfred Scheel, von 1980 bis zum bitteren Ende 2008 Schlosser im Zuckerhaus, ist der Macher dieser Skat- und Würfelrunde. 1990 fand die erste statt, jedes Jahr folgte eine weitere. Ab 2009 mit neuer Bedeutung. Alfred Scheel: „Mein Ziel war es mit der Fortsetzung des Skat- und Würfelabends, dass wir uns als Kollegen nicht aus den Augen verlieren.“ Das hat Scheel erreicht, denn die Teilnahme war wieder sehr groß. 62 kamen. Das Wiedersehen ist für ihn deshalb immer der Trumpf des Abends. „Es ist schön, Kollegen wiederzusehen und mit ihnen über alte Zeiten zu reden oder zu erfahren, was sie jetzt machen“, erklärte Norbert Schulz, ehemaliger Kfz-Schlosser. Für Hans-Dieter Wendel, ehemaliger Schlosser, ist das wie ein Betriebstreffen, „das natürlich auch Spaß machen soll“, ergänzt Alfred Scheel.

Dass Scheels Rezept aufgeht, zeigte am Sonnabend auch, dass nicht nur die Ehemaligen aus Güstrow, sondern ebenfalls einige aus Uelzen und Klein Wanzleben kamen, wo sie nach dem Aus des Güstrower Betriebes weiter arbeiten konnten. Zu ihnen gehört Wolfgang Mikautsch. Er arbeitet jetzt in der Zuckerfabrik in Klein Wanzleben als Anlagenfahrer. Musste dafür seinen Heimatort verlassen, weil das Hin- und Herfahren auf die Dauer nicht funktioniert. „Wenn ich Zeit habe, komme ich, auch zu unseren Herrentagsfeiern im Bootshaus“, erzählte er in der ersten Spielpause. Die hätte ihn verdrießen können, denn er hatte sein erstes Spiel – ein Pik ohne Vieren – mit 59 Augen verloren. Wolfgang Mikautsch nahm es mit der Gelassenheit eines Freizeitspielers, der in erster Linie die Freude über die Zusammenkunft sah.

Einen Sieger gab es Sonnabendabend in Güstrow natürlich trotzdem. Den Skat gewann Stefan Kammin mit 2364 Punkten vor Norman Klemm (2009) und dem Organisatoren Alfred Scheel (1971). Wie immer musste keiner mit leeren Händen nach Hause gehen. Denn bei diesem Spieleabend ist es Usus, dass jeder einen Preis bekommt. Als das letzte Blatt auf den Tisch fiel, stand auch schon wieder fest: Im nächsten Jahr sieht man sich wieder.
 


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