zur Navigation springen

Wie eine offene Wunde: Quo vadis, Klosterhof?

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

SVZ-Serie „Baulücken in Güstrows Altstadt“ / Heute: der Klosterhof

Die nördliche Altstadt Güstrows zeigt sich trotz der sichtbaren Sanierungsfortschritte in fast allen Gebieten immer noch als sehr problematisch, was die notwendigen zukünftige Bebauung betrifft. Wie eine offene Wunde mit teils ungeordneten Freiflächen und ruinösen Bauten in nur kurzer Entfernung vom Güstrower Zentrum ist dafür der Klosterhof ein Beispiel. Durch das neue AWG-Wohnprojekt „Sonnenhof‘ im östlichen Teil der Armesünderstraße sind die Gegensätze noch größer geworden.

In früherer Zeit war die nördliche Altstadt zwischen Mühlentor und Schnoientor immer unattraktives Bauareal, da es sehr tief liegt und es damit einen nassen Untergrund gab. Und doch war schon in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erste Besiedlung nachweisbar. Vertriebene Juden aus dem Brandenburgischen bauten dort die erste Synagoge in Güstrow, die aber schon bei dem ersten Judenpogrom durch Fürst Johann 1330 abgerissen wurde. Alle Güstrower Juden endeten auf dem Scheiterhaufen.

Zur weiteren Chronologie: Auf dem Klosterhof baute der Fürst in Abstimmung mit dem Domkapitel eine Heiligblutkapelle oder Fronleichnamkapelle, um über die zu erwarteten Pilger fiir sich und den Dom eine lukrative Einnahmequelle zu erschließen. 1509 entstand mit Erlaubnis des Papstes Julius II. ein Franziskanerkloster, das aber durch die beginnende Reformation schon um 1550 wieder verschwand Danach wurden die noch vorhandenen Gebäude als Klosterschule und Absteigequartier für Gäste des Herzogs genutzt. 1599 wurden die Hauptgebäude des Klosters mit der Klosterkirche zerstört, es blieben nur einige Wirtschaftsgebäude, die vom Herzog als Kornspeicher genutzt oder als Druckerei für die Klosterschüler und als Brauerei vermietet wurden.

Im 17. Jahrhundert entstanden wohl die ersten einfachen Wohnhäuser auf dem ehemaligen Klostergelände und der Herzog baute einen Amtssitz. 1860 wurde anstelle des alten Amtssitzes ein neues Amtshaus gebaut, das jetzige Finanzamt. 1879 übernahm die Stadt das Areal. Da erst tauchte die Bezeichnung Klosterhof auf.

1957 wurde ein Bauernmarkt errichtet, dessen ruinöse graue Bauten heute noch das Bild des Klosterhofs prägen.

Von der ehemals dichten Bebauung stehen heute noch die Nummern 1 (Finanzamt), Nummer 4 (saniert) und 5 (unsaniert).

Wie könnte die Zukunft des Klosterhofs aber wohl einmal aussehen? Das wird eine stadtgeschichtlich lohnende Aufgabe.



zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen