Dorfmuseum Lohmen : Wie ein „Gang durch die Kindheit“

Heinz Koch  vor der Tafel 1 der Sonderausstellung. Sie informiert über die Dorfhandwerker. Fotos: Regina Mai
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Heinz Koch vor der Tafel 1 der Sonderausstellung. Sie informiert über die Dorfhandwerker.

Dorfmuseum in Lohmen spiegelt das Leben auf dem Lande wider / Sonderausstellung „Von der Dorfschmiede zur ökologischen Energiegewinnung“

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08. August 2015, 06:04 Uhr

Als 2003 das Dorfmuseum im alten Speicher in Lohmen eröffnete, hielt sich die Zahl der Ausstellungsstücke noch sehr in Grenzen. „Wenn ihr ein Museum haben wollt, muss jeder zu Hause gucken, was er wirklich noch benötigt und was er hergeben könnte. So habe ich es gesagt und es hat geklappt“, erzählt Heinz Koch, Vorsitzender des Kulturvereins Lohmen „Herz Mecklenburg“. Inzwischen reicht die Kraft auch jährlich für eine Sonderausstellung. In diesem Jahr ist es eine kleine Präsentation, sagt Koch bescheiden. Sie widmet sich dem Dorfhandwerk.

„Handwerk und Industrie stehen diesmal beim Tag des offenen Denkmals im Mittelpunkt. Das gab den Anstoß, sich einmal dem Handwerk und seiner Geschichte im Ort zu widmen“, erklärt Koch und ist sogleich in seinem Element. Man könne wohl davon ausgehen, dass Lohmen mal an einer Handelsstraße gelegen habe. Schmied und Stellmacher, Schneider, Schuster und Weber – all das habe es in Lohmen gegeben. Für die Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg seien vier Schenken, drei Leinenweber usw. nachgewiesen, berichtet Koch. Später gab es Schmieden in Altenhagen und Gerdshagen, nicht aber in Lohmen. Dort sei erst im 19. Jahrhundert wieder die Rede davon. All das und viel mehr ist auf Tafel 1 der Sonderausstellung „Von der Dorfschmiede zur ökologischen Energiegewinnung“ zu sehen und zu lesen. Eine zweite Tafel beschäftigt sich mit der Mechanisierung in der Landwirtschaft. „Der Schmied wird zum Schlosser. Es kommen die Maschinen-Ausleihstationen …“, berichtet der Vereinsvorsitzende weiter. Die Energiewirtschaft wird auf einer dritten Tafel ins Rampenlicht gerückt. „Schon in den 1920er-Jahren hat es in Mecklenburg erste Versuche mit Windkraftanlagen gegeben“, erzählt Koch und will nicht alles verraten. Besuchen können sich dienstags bis sonnabends von 15 bis 17 Uhr das Dorfmuseum mit Sonderausstellung ansehen.

Postkarten zeigen Veränderungen im Dorf
Gerade hat das Museum wieder altes Handwerkszeug bekommen, darunter eine Schafschere. „Da muss ich mir erst einmal anschauen, wie die funktioniert“, sagt Koch und ist im nächsten Moment schon vor Tafeln mit alten Postkarten von Lohmen. Auf einer Karte von 1906 sieht man Kühe auf einer Wiese am See. „Heute ist hier alles zugewachsen“, macht Koch aufmerksam. Mit den Postkarten, aber auch anderen Exponaten könne man das Bewusstsein für die Veränderung im Dorf besonders anschaulich stärken.

Entwicklungen über Jahrzehnte aufzeigen
Anders als in einem Museum üblich, hat man in Lohmen erst einmal Ausstellungsstücke gesammelt und dann die Ausstellung konzipiert. „Eigentlich hat man erst ein Konzept und sammelt dann“, weiß Koch. Die Ausstellung unterm Dach des Speichers reflektiert das Leben im vergangenen Jahrhundert: wohnen, arbeiten, essen. Koch erinnert sich an zwei Haushaltsauflösungen, die dem Museum ganz besonders zugute kamen. Mehr und mehr könne man sich auf einzelne Segmente konzentrieren und deren Entwicklung in den vergangenen Jahrzehnte aufzeigen. Koch nennt als Beispiele Radiotechnik und Bohrer (vom einfachen Handbohrer bis zum technisch ausgefeilten Gerät). Immer wieder interessant sind seiner Ansicht nach auch Gerätschaften Marke Eigenbau. „Die Leute konnten früher nicht in den Baumarkt gehen und einkaufen. Man musste sich oft selbst etwas einfallen lassen“, erklärt Koch.

Erst vor wenigen Tagen besuchte die „Teestunde“ aus Lohmen das Dorfmuseum. Für ältere Menschen, so sei zum Ausdruck gebracht worden, sei das Dorfmuseum wie ein „Gang durch die Kindheit“. Jüngeren Besuchern müsse man viel erklären. Kinder, so lässt Koch nebenbei wissen, dürfen auch vieles anfassen, wenn es dann auch wieder an seinen Platz kommt. Und so habe das Dorfmuseum für jeden etwas zu bieten. 

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