Tag der offenen Töpferei : Wie ein Besuch bei Freunden

Ulrike und Sven Beseler nahmen sich am Tag der offenen Töpferei viel Zeit für ihre Gäste in Hinzenhagen

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09. März 2014, 23:00 Uhr

Die zarte Frühlingssonne tanzt über die kahlen Äste und lädt doch schon zum Verweilen im Freien ein. Vor der Töpferei in Hinzenhagen sitzt Keramiker Sven Beseler am großen Tisch und plaudert mit Roswitha und Peter Hall aus Groß Wokern übers Töpfern, Gott und die Welt. Der Tag der offenen Töpferei führte auch Birgit und Herrmann Rogge aus Krakow am See nach Hinzenhagen. Sie gesellen sich zum Trio am Tisch und sind schon ins Gespräch verstrickt. „Es ist so schön unkompliziert bei Beselers. Man sitzt hier bei Kaffee und Kuchen und fühlt sich wie bei Freunden“, erklärt Roswitha Hall.

„Wir sind gern Gastgeber“, betont Ulrike Beseler. Deshalb finde sie es viel schöner, wenn die Leute in ihre Werkstatt kommen. Die Waren auf Märkten anzubieten, sei eine andere Sache. Dort könne man stets nur einen Querschnitt zeigen. „Hier aber können wir alles zeigen“, fügt sie hinzu. Deshalb seien der Tag der offenen Töpferei und Kunst: offen zu Pfingsten zwei ganz wichtige Termine für das Geschwisterpaar. Und besonders dieses März-Wochenende sei aus existenzieller Sicht bedeutsam. Andererseits brauche sie ein emotionales Echo. „Man sitzt hier sonst allein und arbeitet. Jetzt möchte man eine Resonanz haben“, erklärt Ulrike Beseler. Deshalb habe man die Werkstatt und sich selbst ein bisschen herausgeputzt. „Wir arbeiten heute nicht, sondern nehmen uns die Zeit für die Gäste“, sagt die Keramikerin, die einst Tierärztin werden wollte und eine Ausbildung als Melkerin absolvierte. Aber das sei eher Horror gewesen, erinnert sie sich. Es musste für sie etwas anderes geben. Als sie sich auf dem Töpferhof Römhild in Thüringen vorstellte, habe sie sofort gewusst, das sie das Richtige für sich gefunden hat. „Man fühlt sich schon ein bisschen privilegiert, wenn man das machen kann, was einem liegt und auch noch davon leben kann“, gesteht sie. Die Arbeit sei aber nicht nur Spaß, sondern auch Kampf. Nicht alles, was man im Kopf hat, ließe sich gestalterisch und technisch so einfach umsetzen. Besonders froh ist sie, dass ihr Bruder Sven nach einem schlimmen Unfall wieder an der Töpferscheibe sitzen kann, auch wenn er mit manchem Handicap fertig werden muss. Während sein Part in erster Linie die Gebrauchskeramik ist, tendiert Ulrike Beseler mehr hin zu Skulpturen und Plastiken. Ganz wichtig ist ihr außerdem weniger die Keramik an sich, sondern deren Bemalung. In einen großen Teller mit Mohnblumen hat sich z.B. Peter Hall verguckt. Etwas Schönes mit nach Hause nehmen zu können, das kröne einen Ausflugstag bei frühlingshaftem Sonnenschein.

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