Rücktritt vom Rücktritt : Widersprüche und keine Erklärung

Bürgeisterin Birgit Kaspar, Hoppenrade, tritt zurück und macht ihren Schritt rückgängig – aber warum? / Morgen Dorffest

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07. August 2015, 06:00 Uhr

In Hoppenrade brodelt es. Bürgermeisterin Birgit Kaspar hat hingeschmissen. Die Bürgermeisterin hat nicht hingeschmissen. Was ist da Sache?

Gegenüber der SVZ will Kaspar sich zu dem ganzen Vorgang nicht äußern. Bei wiederholten Anfragen, seit Anfang Juli das Gerücht von ihrem Rücktritt aufkam, verweist sie an ihren 2. (!) Stellvertreter, Klaus Axtmann. Sie selbst sagte damals der SVZ, sie sei nicht zurückgetreten. Auch Axtmann bestritt einen Rücktritt. Da sei jemand mit einer in der Gemeindevertretung „etwas locker hingeworfenen Bemerkung“ Frau Kaspars „hausieren gegangen“, hieß es nur.

Inzwischen tauchte eine E-Mail auf. Darin erklärt Birgit Kaspar den Gemeindevertretern: „Ich habe um die Entlassung aus dem ehrenamtlichen Beamtenverhältnis mit sofortiger Wirkung gebeten und habe Gründe dafür.“ Diese Entscheidung sei „gut bedacht“, führt Kaspar aus. Von der SVZ-Redaktion daraufhin angesprochen, verwies Kaspar auf das „Gespräch“ von Anfang Juli, in dem bereits alles gesagt sei. Konkrete Fragen beantwortet sie nicht: Warum ist das Vertrauensverhältnis in Hoppenrade gestört? Welche einschneidenden Entscheidungen sind zu treffen? Was ist der Streitpunkt in der Gemeindevertretung? War das Schreiben eher eine Drohung?

In der Amtsverwaltung Krakow am See entscheiden die dort vorliegenden Fakten. Nach Aussage der Leitenden Verwaltungsbeamtin habe kein Rücktrittsgesuch vorgelegen. Bekannt ist inzwischen, dass Kaspar wenige Tage nach ihrem Rücktrittsschreiben es sich anders überlegt haben muss. Der Rücktritt vom Rücktritt. Abgesehen davon, dass der Rücktritt ohnehin nicht eingereicht wurde, könne ein Bürgermeister nur per Entlassungsverfügung aus seinem Ehrenamt entlassen werden, stellt die Verwaltung klar. Zuvor habe man laut Landesbeamtengesetz zwei Wochen Zeit, seinen schriftlich eingereichten Rücktritt zurückzunehmen. Die Amtsverwaltung stellt also fest: Frau Kaspar ist nicht rechtswirksam ausgeschieden.

Doch die Fragen bleiben. Birgit Kaspar selbst schreibt in ihrer ominösen Mail, die der SVZ vorliegt, ihr sei „das grundsätzliche Vertrauen innerhalb dieser ehrenamtlichen Arbeitswelt Hoppenrade abhanden gekommen“. In der Gemeinde wären jetzt „sehr einschneidende und unbequeme Entscheidungen zu treffen“. War ihre Mail nur der Versuch eines Wachrüttelns?

In dieser Woche erneut mit diesen Fragen konfrontiert, hat Frau Kaspar zunächst keine Zeit, ist dann nicht erreichbar. Sie habe Urlaub, lässt ihr Mann mitteilen. Als die Bürgermeisterin gestern schließlich doch in der Redaktion zurückruft, dann nur, um mitzuteilen, dass sie sich nicht äußern werde. Wieder verweist sie auf ihren 2. Stellvertreter, der aber ist bis 17. August in Urlaub.


Holpern nach gutem Start der Gemeindevertretung


Hoppenrades 1. Stellvertretender Bürgermeister, Udo Grüning, gibt sich auffällig schmallippig. „Sie hat alles alleine entschieden“, sagt er, und meint den Rücktritt. Ihre Beweggründe seien nie richtig erörtert worden. Kaspars Stellvertreter erwartet und denkt, dass seine Chefin sich noch erklären werde.

Zur Erinnerung: Bis auf Gesa Groeneveld ist die komplette Gemeindevertretung vor gut einem Jahr erstmals für dieses Amt angetreten. Der langjährige Bürgermeister Dieter Maßmann hatte bei den finanziellen Sorgen der Gemeinde keinen Ausweg mehr gesehen und hätte eine Eingemeindung (wohl zu Krakow am See) favorisiert. Der in vielen Dingen engagierte Wolfgang Schulz war daraufhin Klinkenputzen gegangen und warb Kandidaten für die Wahllisten, damit die Gemeinde selbstständig bleiben kann. Speziell der Sportverein (SV) Hoppenrade erwies sich in dieser Phase als Zugpferd und bekam folgerichtig sieben der neun Sitze in der neuen Gemeindevertretung. Zwei Kandidaten der CDU vervollständigen das Gremium. Und dieses mache „seinen Job sehr gut“, wird aus der Verwaltung bestätigt.

Allerdings hat die SV-Fraktion in Maik Allendörfer vor einem halben Jahr bereits einen Mitstreiter verloren. Als Hauptgrund hat der Unternehmer Zeitmangel angegeben. Doch als Vorsitzender des Sozial- und Kulturausschusses habe er registrieren müssen, dass auch andere „immer keine Zeit“ gehabt hätten. Zudem decke sich die Art des Umgangs mit der langjährigen, zuverlässigen Gemeindearbeiterin, die bei der Einarbeitung der „Neuen“ eine große Stütze gewesen sei, nicht mit seinen Vorstellungen.

Offenbar entzündete sich bei der Vorbereitung des morgigen Dorffestes aufgestauter Frust. Nicht mehr der Kulturausschuss, sondern ein Festausschuss unter der Regie von Petra Zimmermann, Nachrückerin und jetzt Vorsitzende des Kulturausschusses, bereitet das Fest vor. Und auch hier muss auf eine bewährte Kraft verzichtet werden. Simona Holst, die sonst für das Catering sorgte, beendete ihr Engagement beim Dorffest. „Eine Zusammenarbeit ist mir durch verloren gegangenes Vertrauen und Unstimmigkeiten mit der Gemeindevertretung (nicht allen) und der Bürgermeisterin schlichtweg unmöglich“, schreibt sie.

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