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Güstrower Anzeiger

20. November 2017 | 01:38 Uhr

Zugfahrt : Wer sucht, kann finden und reisen

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Zugfahrten von Krakow am See nach Meyenburg wenig genutzt / Keine Werbung, keine Hinweise, Bahnsteig versteckt

„Unser Luftkurort hat wieder eine Zug-Anbindung“. Was Wolfgang Geistert mit optimistischem Grundton beginnt, lässt ihn sogleich in leichte Depression fallen, wenn er Näheres erläutert. Zwei Zugpaare, so wisse er, verkehren jeden Sonnabend nach Meyenburg über Plau am See. Doch: „Leider wird das fast gar nicht genutzt.“ Der Bürgermeister machte selbst die Probe aufs Exempel und fuhr mit dieser alten neuen Möglichkeit die Strecke einmal mit. Ernüchternd: Genau drei Personen hatten es ihm gleich gemacht an jenem schönen Sommersonnabend.

Um 11.55 Uhr fährt der Zug aus Krakow am See los. Nach rund einer Stunde ist Meyenburg erreicht, der Ausgangsort für die Hinfahrt des Zuges nach Krakow (ab 10.18 Uhr). Station unterwegs ist, vom Luftkurort aus startend, Karow als Ausgangsort zu einem Ausflug in den Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide. Dann Plau-Quetzin, wo der Bauernhof Reichelt zur Rast einlädt. Natürlich Plau am See mit diversen Sehenswürdigkeiten; ein Rundbus fährt hier z.B. zur Sommerrodelbahn, hält am Agroneum Alt Schwerin oder am Bärenwald. Schließlich Halt in Silbermühle. Von Meyenburg aus kann man auch nach Pritzwalk weiterfahren. Die Rückfahrt ab Meyenburg startet nach Krakow am See um 16.18 Uhr, und um 17.55 Uhr geht es erneut retour. Diese seit dem 31. Mai angebotenen Zugfahrten stehen noch bis zum 28. September im Fahrplan der Eisenbahngesellschaft Potsdam (EPG), die die Strecke betreibt.

Nun, ein wenig hausgemacht ist die gegen null tendierende Auslastung der Strecke – jedenfalls wenn der Krakower Bürgermeister unterwegs ist – bei der EGP wohl auch. Und vielleicht auch von den Krakowern. Denn kommt der Wanderer nach Krakow am See, muss er sich schon sehr aufmerksam umschauen, soll er rein zufällig die Abfahrtsstelle des Triebwagens entdecken. Am Bahnhofsgebäude von vorne oder dem Platz davor – nichts, was auf besagten Zugverkehr hinweist. Jedenfalls nichts, was ins Auge fallen würde. Hinter dem Bahnhofshaus, also an den Gleisen, hängt ein A4-Blatt unter dem Motto „Samstags hat das Auto frei!“ Extra dafür wurden zwei Pfähle in den Grund gerammt, auf dass sie die Mitteilung tragen. Schön, na ja relativ, doch Näheres erfährt man hier nicht. Nicht die Abfahrtszeit, und auch nicht, dass man seinen Blick, von den Gleisen abgewandt, ganz weit nach rechts lenken, über die Straße gehen und hinter dem Versteck eines (noch aktiven???) Bistros schauen muss – daaa! ist eine kleine Rampe errichtet (sieht aus wie zum bequemeren Besteigen eines Zuges), – dort findet sich auch ein etwas größerer Anschlag mit für Fahrwillige wichtige Daten. Wer sucht, der findet also auch. Nur müsste er vorher schon wissen, was überhaupt er sucht, und sich eisern an den Gleisen stehend einreden: „Es muss hier doch irgendwo sein…!“

So ähnlich findet man auch im weltweiten Netz, wenn man da sucht und weiß, was man eigentlich sucht. Findigkeit ist da gefragt, sehr gute Augen und besser noch auch ein erstklassiger Bildschirm und ein gerüttelt Maß, nun ja, Interpretationsfähigkeit. Wer sucht, findet auch hier. Na also: Gute Fahrt!


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