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Altstadtsanierung Güstrow : Wer rettet das „Judenhaus“?

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Domstraße 14: Stadt seit kurzem Eigentümer / Sicherungsarbeiten stehen bevor / Mit Nachbarhaus zum Verkauf ausgeschrieben

von
erstellt am 15.Mai.2015 | 06:00 Uhr

Rettung für das Eckhaus Domstraße 14 in Sicht! Offen ist nur, wer es retten soll bzw. will. Seit kurzem steht das historische Gebäude an der markanten Stelle, ein Einzeldenkmal, zum Verkauf.

Doch zunächst geht die Stadt mit der Sicherung der hofseitigen Fassade in eine Vorleistung. Einstimmig gab der Hauptausschuss dafür Städtebaufördermittel in Höhe von 57    500 Euro frei, so brauchte die Stadt aus ihrem Kernhaushalt nur noch geschätzt 1100 Euro zu entnehmen. Zwar sei das Gebäude, für das in der Vergangenheit bereits mehrfach Sicherungsmaßnahmen erforderlich waren, zur Straßenseite hin standfest. Doch wird laut einem Gutachten die Hoffassade und die Grenzwand zum Nachbargrundstück als instabil eingeschätzt. Weil es hier Publikumsverkehr gibt – der Cafégarten der Domstraße 15 – ist die Stadt kurzfristig in der Pflicht.

Seit acht Jahren rang die Stadt darum, die Eigentumsfrage für das verwahrloste und dringend sanierungsbedürftige Gebäude zu klären. Großes Hindernis für die Sanierung war die Zersplitterung der Erbengemeinschaft, darunter jüdische Familien, die in Übersee auf mehrere Kontinente verteilt leben und keinen Bezug mehr zu Güstrow haben. Doch in aller Regel bedeuten Eigentümer, die sich über dessen Zukunft uneins sind, für ein historisches Haus unweigerlich fortschreitenden Niedergang. Und spätestens seit die Stadt die Infrastruktur der Domstraße grundlegend erneuert hat, wurde der Eckbau an der Kerstingstraße mit dem exponierten Blick von hier aus auf die alte Domschule zum Ärgernis für die Güstrower. Stadtführer, von Gästen natürlich auf das Haus angesprochen, hatten ihre liebe Mühe, „politisch korrekt“ die Umstände für diesen städtebaulichen Missstand zu erklären.

Nach langwierigen, teils zähen Verhandlungen ist es nun der Stadt gelungen, selbst Eigentümer des Hauses zu werden. Prinzip der Barlachstadt ist es bisher gewesen, für ein heruntergewirtschaftetes Gebäude in der Altstadt zunächst einen Käufer zu finden, der sich weiter und konstruktiv kümmert. So soll es auch in diesem Fall geschehen. Besonderheit hier ist, dass der Käufer zusammen mit dem „Judenhaus“ die benachbarte Kerstingstraße 4 erwerben muss bzw. darf. Anders wird es auch kaum möglich sein, die Bausubstanz nach historischen Gesichtspunkten zu erhalten. Beide Fachwerkhäuser hängen in der Form zusammen, dass die aus dem 17. Jahrhundert stammende Domstraße 14 eine Zufahrt auf den Hof hat, die wiederum von der Kerstingstraße 4, entstanden zum Ende des 18. Jahrhunderts, überbaut ist.

Nach über zwei Jahrzehnten Leerstands und Verwahrlosung gibt es jetzt also Hoffnung für eine touristisch attraktive Güstrower Hausecke.  

 

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