zur Navigation springen

Min Lütt Dörp : „Wer hier wohnt, will Ruhe haben“

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

SVZ-Serie „Min lütt Dörp“: In Bornkrug in der Gemeinde Dobbin-Linstow leben keine 20 Menschen

von
erstellt am 30.Dez.2014 | 23:00 Uhr

„Wer hier wohnt, will Ruhe haben“, sagt Heiko Böhmert (43). Er selbst ist in Bornkrug aufgewachsen, war zehn Jahre fort und kehrte mit der Familie zurück. Nein, das Ende der Welt sei es nicht. In drei Minuten erreiche man die Autobahn. „Aber hier wohnen keine 20 Menschen“, erzählt Christa Böhmert (62), die ihr ganzes Leben in dem kleinen Dorf der Gemeinde Dobbin-Linstow verbrachte und gern noch einige Jahre hinzufügen möchte.

Sie, die inzwischen verwitwet ist, sieht es als Glücksfall, das der Sohn zurückkehrte und gleich nebenan ein Haus baute. Über eine Außenbereichssatzung sei diese Möglichkeit in Bornkrug geschaffen worden, erzählt die 62-Jährige, die bei ihrer Großmutter großgeworden war. „Bornkrug war ein Forstarbeiterdorf“, erinnert sie sich. Jeder, der dort lebte, hatte mit der Forst zu tun. Auch ihr Mann arbeitete im Wald. Daneben betrieb man ein bisschen Landwirtschaft. Im Dorf habe es keinen Konsum und keine Gaststätte gegeben. Zum Einkaufen war man nach Linstow gefahren. „Und in unserem Haus gab es das einzige Telefon“, erinnert sich Christa Böhmer. Jeder durfte hier telefonieren, wusste, wo der Haustürschlüssel lag. „Wenn wir von der Arbeit nach Hause kamen und 20 Pfennige auf dem Tisch lagen, wussten wir, dass jemand telefoniert hatte“, erzählt die 62-Jährige und fügt hinzu, dass man einander sehr vertraut habe.


Bornkurg profitierte von Gemeindefusion


Die alte Poststation sei zu DDR-Zeiten bewohnt gewesen. Erst in den 1990er-Jahren sei sie wieder zur Gaststätte umgebaut worden. „Ich fühle mich hier wohl“, sagt Christa Böhmert. „Bornkrug ist Heimat“, fügt ihr Sohn hinzu. Natürlich müsse man mobil sein. In Krakow am See aber könne man alles Notwendige erledigen. „Wir haben hier von der Fusion der Gemeinden Linstow und Dobbin profitiert“, sagt der 43-Jährige, der zehn Jahre lang in der Gemeindevertretung arbeitete. 2007 sei die Straße gebaut worden. Weil man sich bautechnisch im Außenbereich befinde, hätten die Anlieger nicht zubezahlen müssen. Und der Straßenbauer hatte eine Zeit lang seine Arbeitsstelle direkt vor der Tür, berichtet er. „Eine ansehnliche Straße macht ein Dorf gleich schöner“, meint Christa Böhmert.


Mit schnellem Internet ist die Welt in Ordnung


Wenn, wie gerade erst wieder im Dezember geschehen, am Forsthaus Weihnachtsbäume verkauft werden, sei das schon der Höhepunkt im Dorf, erzählt Heiko Böhmert. Er vermisse ein bisschen den Zusammenhalt, das Gemeinsame. Für ein Dorffest reiche es schon lange nicht mehr. „Man kommt nach Hause und macht die Tür hinter sich zu“, erklärt er. Aber das sei wohl überall so.

Nur am Wochenende sind Caroline (21) und Benjamin (27) Langkau zu Hause. Ende der 1990er-Jahre waren sie mit den Eltern von Gutow nach Bornkrug gekommen. „Hier hat man Platz und viel, viel Freiraum“, formuliert Benjamin Langkau einen großen Vorteil des Lebens auf dem Lande. Er und seine Schwester würden durch ihr Studium das Leben in der Stadt kennen und den Freiraum in Bornkrug umso mehr genießen. „Wir joggen sehr gern, ich fahre auch Motorrad“, erzählt der 27-Jährige weiter. Dafür seien die Bedingungen auf dem Lande viel besser. Zwei Hunde – Belgische Schäferhunde – würden auch zum Haushalt gehören. Vater Andreas Langkau sei Landesvorsitzender des Gebrauchthundesportvereins und habe auch einen Trainerschein. „In der Stadt wären die Hunde nicht gut aufgehoben“, denkt Benjamin Langkau.

Während sich Caroline Langkau an eine eher beschwerliche Schulzeit – mit dem Schulbus in eineinhalb Stunden nach Güstrow – erinnert, sehen die jungen Leute die Welt mit Führerschein und schnellem Internet in Bornkrug heute in Ordnung. „Das ist wichtig für uns“, betont Benjamin Langkau, der in diesem Jahr mit seinem Wirtschaftsinformatik-Studium in Rostock fertig wurde und nun in Hamburg Arbeit gefunden hat. Derzeit genieße er den Urlaub zu Hause und in der Natur.


Postverwaltung mit Station


Eine günstige Lage an der Landstraße zwischen Dobbertin und Hohen Wangelin mag der Grund dafür gewesen sein, dass das kleine Dorf Bornkrug einst entstand. So jedenfalls ist es auf einer großen Tafel im Dorf zu lesen. Hier erfährt der geneigte Besucher auch, dass das Bornkrughaus 1806 abbrannte. Es soll wieder aufgebaut worden sein. 1829 ist eine Postverwaltung mit Station erwähnt. Noch heute gibt es die Gaststätte „Alte Poststation“ mit Fremdenzimmern. Still ist es hier im Winter. Im Sommer sieht es schon anders aus, führt doch der Fernradweg von Berlin nach Kopenhagen auch an Bornkrug vorbei. Vermutet wird, dass es sich bei der „Alten Poststation“ allerdings nicht um das wieder aufgebaute Bornkrughaus handeln soll.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen