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Selbstversuch : Wenn der Hund zum „Psychologen“ muss

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Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Volontärin Viviane Offenwanger wagt den Selbstversuch und besucht mit ihrem japanischen Spitz „Yuki“ eine Hundeflüsterin

svz.de von
erstellt am 13.Mai.2015 | 12:00 Uhr

Hunde sind bekanntlich die besten Freunde des Menschen. Mein betser Freund hört auf den Namen „Yuki“ und ist ein japanischer Spitz. Er ist ein sehr fröhlicher Zeitgenosse, oft ziemlich aufgedreht vor Freude. Ein Problem, das Yuki und ich auch nach drei Jahren nicht so richtig in den Griff bekommen haben, ist das ordentliche Gehen an der Leine. Darum schalten wir jetzt einen Profi ein.

Wir besuchen die Zerninerin Edda Thalis. Seit 30 Jahren unterstützt sie Hunde und ihre Halter beim Kennen- und Verstehenlernen. Die 50-Jährige bezeichnet sich aber nicht gerne als Hundetrainerin oder Tierpsychologin, weil „diese Begriffe den Hunden nicht gerecht werden.“ Jedes Tier habe seine ganz eigene Persönlichkeit, und es gäbe nicht den einen richtigen Erziehungsweg. Schemas und Lehrbuchbeispiele gelten nur für einen Bruchteil der Fälle. Stattdessen setzt Edda Thalis auf lange Erfahrung im Umgang mit Hunden. „Das hat schon als kleines Kind angefangen“, erinnert sie sich. Stundenlang habe sie die Tiere beobachtet und erkennen können, wie sie kommunizieren und miteinander umgehen. „Hunde zeigen so untereinander Wege auf, wie auch der Mensch mit ihnen verständlich und hundgerecht kommunizieren kann.“ Denn das sei eines der Grundprobleme, meint die gebürtige Schwerinerin.


Der erste Fauxpas schon gleich zum Start


Auf dem Zerniner Hundeplatz angekommen, leiste ich mir gleich zu Beginn den ersten Fauxpas. Als ich die Autotür öffne, springt Yuki sofort aufgeregt heraus und dreht Kreise an der Leine. Immerhin waren wir von zu Hause eine gute Stunde unterwegs. Ich kann nicht anders und streichle ihn. „Jetzt wird der Hund für sein Fehlverhalten noch belohnt!?“, ruft Frau Thalis und lacht.

Zunächst nimmt sich die Zerninerin Zeit, um den Hund und mich kennenzulernen. Ganz genau beobachtet sie, wie Yuki sich bewegt und ob er dabei auch auf mich achtet. Ihr Fazit: „Der Hund ist ziemlich eigenständig und der Meinung, er hätte alles selbst im Griff.“ Diese Haltung wirkt sich natürlich auch auf sein Verhalten mir gegenüber aus.

Die Expertin merkt sofort, dass mein Hündchen nicht – wovon ich immer ausgegangen bin – einfach ein Dickkopf ist, sondern sehr sensibel. „Er ist schnell mit der Situation um ihn herum überfordert, kennt aber nur die Flucht nach vorne“, erklärt Edda Thalis. Darum zieht er also immer an der Leine wie ein Schlittenhund? Ja, lautet das Fazit der 50-Jährigen. „Hunde spüren die Kommandos eher, als dass sie Kommandos verstehen“, erklärt sie. Die innere Einstellung des Halters ist hier bestimmend. Also liegt der Fehler – wie so oft – nicht beim Tier, sondern beim Halter. Den Grund dafür sieht die Expertin darin, dass Hunde viel Sicherung brauchen. „Sie haben ein ganz anderes Verhaltensrepertoire als der Mensch. Darum überfordert sie unsere Welt bzw. unsere Kommunikation mit ihnen schnell.“ Beispielsweise stelle für den besten Freund des Menschen auch schon der reine Blickkontakt eine Form der Kommunikation dar.


Klarheit und Ruhe geben dem Tier Sicherheit


Es ist ein befremdliches Gefühl zu sehen, wie gut das eigene Haustier sich von einer fremden Person führen lässt. Besser als von dir selbst! Fühlt sich ein wenig an, wie betrogen zu werden. Edda Thalis: „Es bedarf nicht vieler Kommandos. Klarheit im Denken und Handeln, Ausstrahlung, Körpersprache, Mimik und Gestik sowie mitunter auch situationsbezogenes Erklären reichen oftmals aus, um mit Hunden zu kooperieren, verschiedenste Situationen zu meistern und Sicherheit zu geben.“

Dann soll ich es mal versuchen. Immer wieder ermahnt mich die Expertin, ich würde keine klare Haltung ausstrahlen. Edda Thalis gehe es nicht um das reine Dressieren des Tieres und darum, dass es „funktioniert“, sondern um Vertrauen und die Bindung. Eine Methode, die natürlich keine sofortigen Ergebnisse liefert und viel Zeit und Geduld benötigt. Doch es lohnt sich! „Am schönsten ist es für mich zu sehen, wenn die Besitzer sich auf ihren Hund einlassen und der Hund dann signalisiert: ,Endlich verstehst du mich!’“, erklärt die 50-Jährige. Die häufigsten Fehler seien vor allem unangemessener Druck an der Leine, fehlende Sicherheit dem Tier gegenüber, und dass die Besitzer zu schnell zu viel von ihrem Hund erwarten.

Unser nächster Spaziergang alleine war erst einmal eine Odyssee. So richtig wahr haben wollte der Kleine nicht, dass Frauchen sich jetzt nicht mehr nur hinterherziehen lässt. Zugegeben, ich war öfter kurz davor, einfach mit ihm mitzumarschieren. Zum Glück aber habe ich durchgehalten. Am Ende haben wir sogar ein paar Meter ohne Ziehen an der Leine geschafft. Wahrscheinlich wäre dabei unter den strengen Augen der Expertin noch viel Verbesserungsbedarf, aber es ist ein Anfang. Auch habe ich das Gefühl, meinen Kleinen jetzt besser zu verstehen.

 

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