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Güstrower Anzeiger

18. Dezember 2017 | 04:22 Uhr

Güstrow : Wenn der Graben verkrautet …

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

… ist der Wasser- und Bodenverband Nebel gefragt – Verbandsgebiet von 92 000 Hektar.

Wenn der Güstrower Inselseekanal nicht gekrautet ist – geschah aber vor einigen Tagen –, der Mühlbach kaum noch Wasser führt oder so mancher Graben nicht gemäht ist, dann hat der Wasser- und Bodenverband Nebel Güstrow ein Problem oder er ist gefragt, es zu lösen. Ulf Schade, seit diesem Jahr Geschäftsführer: „Wir kennen die Kritik, dass wir daran immer schuld sein sollen und nichts unternehmen. Aber das ist nicht so. Wir erfüllen unsere Aufgabe Stück für Stück, so gut wir es können.“

Und das erledigt der Verband seit 25 Jahren. Der 5. November 1992 war der Gründungstag. Auch in der neuen, vereinten Republik sollten und mussten künstliche und natürliche Gewässer 2. Ordnung – offene Gräben und verrohrte Abschnitte – vor allem auf Acker- und Grünland unterhalten werden. Das ist die grundsätzliche Aufgabe. In der DDR übernahmen das Meliorationsbetriebe und landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften.


Gewässer unterhalten und investieren


Christian Neumann, ehrenamtlicher Verbandsvorsteher seit 2011: „Nach der Wende gab es bis 1992 eine Übergangszeit. Ich erinnere mich gut daran, dass besonders die Grünen frohlockten, dass die ,Vergewaltigung der Natur‘ an diesen Gewässern endlich aufhört.“ Aber das sei ein großer Irrtum gewesen, Gewässerunterhaltung, die natürlich die Natur schützen soll, werde gebraucht, unterstreicht der Peetscher.

Der erste Geschäftsführer des Verbandes war Jürgen Nawrocki. „Ich erhielt vom Landrat den Auftrag, die Gründung vorzubereiten“, erinnert er sich. Danach habe man schnell zum Tagesgeschäft übergehen müssen. Das sei bis heute die Unterhaltung der Gewässer und Rohrleitungen, so Nawrocki, der bis zu seiner Rente vor fünf Jahren die Geschäfte führte und von Edgar Held bis zu dessen Rente abgelöst wurde. Die wichtigsten Aufgaben des Verbandes sind die Räumung der Gewässer und Rohre, die Holzung, die zeitlich durch Naturschutzaspekte eingeschränkt ist, und die Reparaturen. Dafür hat der Verband mit fünf Unternehmen Verträge. Neumann: „Wir brauchen aber keinen zweimal preußisch gescheitelten Graben, sondern eine maßvolle Pflege ein- bis zweimal im Jahr nach Bedarf, die in den Gewässern und Rohrleitungen für einen schadlosen und ordnungsgemäßen Abfluss sorgt.“ Das Zeitfenster beträgt durch Ernte und Wiederbestellung aber nur drei bis vier Wochen. Wenn jedoch wie kürzlich im Schöpfwerk Wattmannshagen beide Pumpen ausfallen, werde kurzfristig reagiert und repariert, berichtet Ulf Schade.

Das Salz in der Suppe seien aber die Investitionen, so Jürgen Nawrocki. Der denkt besonders gern an die Expo 2000 zurück. Der Verband hatte für den Außenstandort Güstrow die Vorflut des Sumpfsees zurückgebaut und dadurch die Kosten im als Denkmal wieder hergerichteten Sumpfsee-Schöpfwerk reduziert. 25 Investitionen wurden in dem Vierteljahrhundert insgesamt umgesetzt. Nawrocki: „Dazu wurden immer Fördermittel eingeworben, denn ohne die wären die Projekte nicht möglich gewesen.“

Das trifft auch für die nächsten Jahre zu. Ulf Schade nennt vier Investitionsprojekte, die teilweise bis 2021 realisiert werden. Sie betreffen den Augraben und das Zehlendorfer Moor, die Sanierung und das Anheben des Wasserstandes im Upahler See, Arbeiten am Stadtgraben in Güstrow mit dem Ziel die Durchgängigkeit des Wasserlaufs von der Nebel bis zum Sumpfsee zu gestalten, und das Anheben des Wasserstandes im Hirschbruch bei Hohen Wangelin. Das alles geschieht aber nicht nach Gutdünken, sondern nach klaren Regeln und Prioritäten. Ulf Schade: „Wir haben die europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) umzusetzen und das ökologische Potenzial auszuschöpfen. U.a. geht es um die Durchgängigkeit der Gewässer für Fische und andere Tierchen und letztlich um die Natürlichkeit der Gewässer. Sie müssen erhalten oder wieder hergestellt werden.“






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