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Suchtberatung : Wenn das Handy zur Sucht wird…

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Sucht- und Drogenberatung Güstrow stellt immer mehr Fälle von Medienabhängigkeit fest / Vor allem junge Leute betroffen

von
erstellt am 11.Apr.2014 | 06:00 Uhr

Permanent mit seinem Smart Phone in Kontakt mit anderen sein oder in Online-Spielen der Realität entfliehen – die Abhängigkeit von neuen Medien ist auf dem Vormarsch. Vor allem junge Leute sind gefährdet, stellt Katrin Moritz, Leiterin der Sucht- und Drogenberatung der Diakonie Güstrow, verstärkt fest. Immer mehr solcher Fälle von pathologischer Spielsucht im Internet und Medienabhängigkeit tauchen in jüngster Vergangenheit in ihrer Beratungsstelle in der Eisenbahnstraße auf. „Ein neues Phänomen. Als ich vor zehn Jahren angefangen habe, gab es das noch gar nicht“, sagt die 41-Jährige.

Handysucht sei mittlerweile weit verbreitet. „Wenn man sich mehrere Stunden am Tag mit seinem Handy beschäftigt, wenn es einem so wichtig wird, dass man Familie, Freunde und die Arbeit vernachlässigt und wenn man gereizt reagiert, wenn man von anderen darauf angesprochen wird – das ist Abhängigkeit“, erläutert Katrin Moritz. Diese Menschen hätten das Gefühl ständig in Kontakt mit anderen sein müssen, um nichts zu verpassen. Online-Spiele, ebenfalls auf Smart Phones verfügbar, hätten zudem ein hohes Suchtpotenzial. „Man erlebt tolle Abenteuer, kann jemand anderes sein, als in der grauen Realität. Das kann zur Sucht werden“, sagt die Suchtberaterin.

Auf zahlreichen Präventionsveranstaltungen in Schulen thematisiert die Suchtberatung Güstrow dieses Problem immer wieder. „Die heute 14-Jährigen sind diejenigen, die später von uns Hilfe brauchen. Wir wollen bei der Prävention auch verstärkt mit den Eltern zusammenarbeiten“, sagt Katrin Moritz.

Suchtberatung und -prävention ist das Arbeitsfeld der Güstrower Beratungsstelle. 528 Klienten betreute Moritz mit ihrem fünfköpfigen Team im vergangenen Jahr, es gab 3200 Beratungsgespräche. Hauptdroge ist mit 70 Prozent weiterhin der Alkohol. „Das war aber schon einmal mehr. Andere Drogen sind auf dem Vormarsch“, hat Katrin Moritz festgestellt. Das sei speziell Cannabis. Bemerkenswert sei der Anstieg der so genannten Polytoxikomanie, der Mehrfachabhängigkeit von verschiedenen Suchtstoffen gleichzeitig. „Auch ein Phänomen bei eher jungen Leuten“, sagt sie. Man nehme beispielsweise Kokain, um sich aufzuputschen, und rauche dann Cannabis, um wieder runterzukommen, so die Suchtberaterin, die auch stellvertretende Sprecherin des kürzlich im Landkreis gegründeten Arbeitskreises Sucht ist.

1994 wurde die Sucht- und Drogenberatung des damaligen Kirchenkreises Güstrow gegründet. Dieses Ereignis jährt sich dieses Jahr zum 20. Mal. „Im Herbst wollen wir dieses Jubiläum mit Kooperationspartnern und Klienten feiern. Die Planungen für die Feier laufen noch“, sagt Katrin Moritz.

 

 

 

 

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