SVZ-Sommertour : Wenn aus Abwasser Wasser wird

Durch die Cyclazur-Technologie hält die Kläranlage die gesetzlichen Überwachungswerte ein. Olaf Behn zeigt Erhard Krüger (r.) und Manfred Voss einen Becher mit geklärtem Abwasser, das in hoher Qualität dem natürlichen Wasserkreislauf zugeführt wird. Zu 98 Prozent sind in dem Wasser Kohlenstoffe, zu 87 Prozent Stickstoff und zu 95 Prozent Phosphor entzogen.
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Durch die Cyclazur-Technologie hält die Kläranlage die gesetzlichen Überwachungswerte ein. Olaf Behn zeigt Erhard Krüger (r.) und Manfred Voss einen Becher mit geklärtem Abwasser, das in hoher Qualität dem natürlichen Wasserkreislauf zugeführt wird. Zu 98 Prozent sind in dem Wasser Kohlenstoffe, zu 87 Prozent Stickstoff und zu 95 Prozent Phosphor entzogen. Fotos: hans-jürgen kowalzik

Letzte SVZ-Sommertour führte die Leser in die Kläranlage Güstrow-Parum – hier werden täglich 6,5 bis acht Millionen Liter gereinigt.

svz.de von
01. September 2017, 20:45 Uhr

„Mich hat der technische Ablauf beeindruckt, wie aus Abwasser geklärtes Wasser wird und dem natürlichen Wasserkreislauf zugeführt wird“, resümierte der Güstrower Ludwig Millies die letzte SVZ-Sommertour in diesem Jahr. Sie führte die Leser in die Kläranlage Güstrow-Parum. Wie das funktioniert, erfuhren die Leser von Olaf Behn, Meister bei der Eurawasser Mecklenburg GmbH. Er ist für 41 Kläranlagen in der Region Güstrow/Bützow verantwortlich. Er stellte den Ablauf so überzeugend dar, dass Ludwig Millies sehr gut nachvollziehen kann, dass das Abwasser optimal gereinigt wird.

Manfred Voss wurde bei der Tour an die Zeit vor 20 Jahren erinnert, als er in Bielefeld mit einem Lkw Klärschlamm transportierte. Er fand die Besichtigung aufschlussreich und war ebenfalls erstaunt, mit welch technischem Aufwand Abwasser geklärt wird. Olaf Behn: „Das lassen wir uns auch etwas kosten. 2000/2001 wurde die Anlage für 7,4 Millionen Euro auf den modernsten Stand gebracht.“ Manfred Voss meinte daraufhin: „Da kann ich sogar Verständnis für den nicht gerade niedrigen Abwasserpreis aufbringen.“

Erhard Krügers Fazit ging in die gleiche Richtung. Er stellte zufrieden fest, dass „das von uns produzierte Abwasser ordnungsgemäß, problemlos und in guter Qualität wieder genutzt wird“. Den Klärschlamm, der in der Landwirtschaft verwendet wird, schloss er ausdrücklich in seine Einschätzung ein.

Die Zahlen, die das belegen, nannte Olaf Behn. So werden in dieser Kläranlage täglich zwischen 6,5 und acht Millionen Liter Abwasser gereinigt. Sie kommen aus Güstrow und 15 Gemeinden, in denen 50 000 Menschen leben, sowie aus Betrieben. Das Abwasser befindet sich zweieinhalb Tage in dem Anlagen-Zyklus, ehe es sauber in die Nebel fließt. Die Abwässer durchlaufen die Siebrechenanlage, den Sand- und Fettfang, die Sandwäsche, bei viel Regen das Pufferbecken, die Cyclazur-Anlage und die Schlammentwässerung. Die Cyclazur-Becken sind das Herzstück der Kläranlage. Es gibt drei Anlagen dieser Art in Deutschland. Vorteile sind der geringe Platzbedarf und der Verzicht auf Nachklärbecken. Behn: „Und die Anlage ist sehr belastbar bei Abwasserstößen. Das erlebten wir am 30. Juni. Durch den Regen fielen an dem Tag 22 570 Kubikmeter Abwasser an. Das war fast das Vierfache wie an trockenen Tagen. Im Regenjahr 2011 waren es an einem Tag mal rund 22 000 Kubikmeter. Aber mit dieser Technik schafften wir das.“ Ob es in nächster Zeit neue Technik geben wird, wollten die Leser wissen. Behn: „Es gibt ja z.B. Mikroplastik, das sind Nano-Partikel, die wir mit der gegenwärtigen Technik nicht aus dem Abwasser entfernen können. Da müsste in Technologien wie Filtration investiert werden. Aktuell ist aber noch nichts geplant.“

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