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Streit um Brücke : Wem gehört Hansabad-Brücke?

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Stadt Güstrow ließ Brücke errichten, die auf ein privates Grundstück führt / Antrag auf Umsetzung in Richtung Hansenstraße 1

von
erstellt am 28.Jul.2015 | 06:00 Uhr

Ein Zaun macht unmissverständlich klar: Bis hier und keinen Schritt weiter. Die Brücke führt über den Wallgraben in Güstrow, eine Überführung aber stellt sie schon seit Jahren nicht mehr dar. Die Gaststätte „Hansabad“ gibt es nicht mehr. Die neuen Eigentümer brauchen die Brücke nicht wirklich. Der Bürgermeister ist von der Stadtvertretung beauftragt, eine neue Nutzung für das Viadukt zu finden. Nur ein paar Meter weiter in Höhe der Hansenstraße 1 könnte die Brücke wieder ihre Bestimmung erlangen. Und doch passiert nichts. Die alles entscheidende Frage: Wem gehört die Brücke?

„Wir haben ein Grundstück mit Brücke gekauft“, betont Brigitte Brandt und fügt hinzu: „Die Stadt sagt, dass ihr die Brücke gehören würde.“ Seit 2012 gehe der Streit. Alles sei in der Schwebe, meint sie. Die Mutter des neuen Eigentümers hat recherchiert, Bilder aus den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts gefunden. Schon damals gab es eine Brücke. Diese soll 1945 von den Russen, die am Wall ihr Quartier einrichteten, abgerissen worden sein. Erst nach der Wende sei der Wunsch nach einer Überführung über den Wallgraben wieder laut geworden. Im Zuge der Umgestaltung der Wallanlagen ließ die Stadt eine Brücke hinüber zum „Hansabad“ errichten. Alles Material habe sie einem Anwalt übergeben. „Wir kümmern uns gern um den Erhalt der Brücke, auch wenn wir sie nicht benötigen“, sagt Brigitte Brandt. Doch bis die Eigentumsfrage nicht geklärt sei, passiere gar nichts.

Bürgermeister Arne Schuldt verweist auf SVZ-Nachfrage auf einen Beschluss der Stadtvertretung, für die Brücke innerhalb der Stadt eine neue sinnvolle Verwendung zu finden und darauf, dass die neuen Eigentümer einer Wegnahme der Brücke nicht zugestimmt hätten. „Wir können nicht einfach auf ein Privatgrundstück gehen und eine Brücke abbauen“, betont Schuldt und räumt ein, dass gegebenenfalls vertragliche Vereinbarungen geschlossen worden seien, mit denen man „nicht für alle Eventualitäten gewappnet“ sei. Es sei abzuwarten, wie die Auseinandersetzung ausgehe. Schuldt bestätigt, dass der Stadt ein Antrag auf Umsetzung der Brücke vorliege.

Stefan Thoß saniert seit geraumer Zeit die Villa in der Hansenstraße 1. Dort ist kürzlich auch das Restaurant und Café „Verve“ im Untergeschoss eingezogen. „Ein Zugang von den Wallanlagen zum Verve wäre ideal“, sagt Thoss. Am äußersten Ende des Grundstückes, dort, wo der Höhenunterschied noch nicht so groß ist, sollte es möglich sein, die Überführung zu installieren. Mit einer Arztpraxis, dem Restaurant und der Beratungsstelle Pro Familia, die dort jüngst eingezogen ist, sei die Hansenstraße ein öffentliches Gebäude, das eine öffentliche Brücke rechtfertige. „Für uns wäre die Überführung über den Wallgraben enorm wichtig“, betont auch Verve-Chefin Conny Niemann. Erspare sie doch den Weg in die Hansenstraße und würde Spaziergänger in den Wallanlagen geradezu einladen. Derzeit sei man noch ein bisschen abgeschnitten. Die Terrasse und der Haupteingang zum Restaurant müssen noch fertig gestellt werden.

Hartmut Reimann würde eine Umsetzung in Richtung Hansenstraße 1 befürworten, obwohl der damalige Beschluss der Stadtvertretung eine andere Zielrichtung gehabt habe. „Wir dachten an die Grabenstraße“, berichtet der SPD-Fraktionsvorsitzende, der mit seiner Nachfrage das Thema Brücke jetzt wieder in den Blick der Öffentlichkeit rückte. Die Brücke zwischen Rosengarten und Grabenstraße erschien zunächst so marode, dass sie nicht saniert werden könne. Dies geschehe nun aber (SVZ berichtete). Der Beschluss der Stadtvertretung, eine neue Verwendung für die Hansabad-Brücke zu finden, stehe. „Anscheinend gehört die Brücke keinem richtig. Das muss jetzt geklärt werden“, sagt Reimann und ist wie alle anderen gespannt auf das Ergebnis. 

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