Güstrow : Weiter Irrfahrt für Radler

Das Niemandsland für Radler ist u.a. durch dieses Schild aufgehoben. An der Qualität, wie man hier durch Güstrow radelt, ändert sich aber nichts.hans-jürgen kowalzik
Das Niemandsland für Radler ist u.a. durch dieses Schild aufgehoben. An der Qualität, wie man hier durch Güstrow radelt, ändert sich aber nichts.hans-jürgen kowalzik

Die Stadt Güstrow gibt den Gehweg für Radler in der Liebnitzstraße frei. Der Radweg daneben ist dafür ungeeignet. Daher absolvieren Radler weiter eine Irrfahrt. Es wird keinen Ausbau bis 2015 geben.

von
21. September 2012, 10:05 Uhr

Güstrow | Radfahrer in Güstrow, die von Süd nach Nord oder umgekehrt wollen, sind auf einer Irrfahrt, weil Radwege oder Nicht-Radwege an der Liebnitzstraße eine Katastrophe sind. Das wird seit Jahren in unserer Zeitung kritisiert. Dafür stehen Namen wie Peter Burmeister, Erhard Pöhl, Bernd Peters und Heidi Reimann.

Daran ändert auch eine Nachricht aus dem Rathaus nichts. Die informiert, dass "der westliche Gehweg entlang der Liebnitzstraße zwischen der Plauer Straße und der Einmündung Bleicher straße von Radfahrern genutzt werden darf". In beide Richtungen, Schilder regeln das. Wichtig dabei: Fußgänger haben Vorrang. Um weiter in Richtung Distelberg zu kommen, müssen Radler an der Ampelkreuzung Bleicherstraße die Straßenseite wechseln.

Aber noch einmal: Es geht um das Radfahren auf einem Gehweg, nicht auf dem Radweg daneben! Der ist nämlich keiner, weil er die Bedingungen nicht erfüllt. Demnach ist er nicht ausgeschildert, quasi für Radfahrer Niemandsland, Fahren daher auf eigene Gefahr. Über den Radweg kann die Stadt nicht entscheiden, denn er gehört dem Land. Die Liebnitzstraße ist eine Landesstraße.

Daher geht die Irrfahrt weiter. Denn selbst Arne Schuldt - fleißig radelnder Bürgermeister - gibt zu, dass diese Regelung nicht zufrieden stellend ist. Schuldt: "Das Thema wird seit Jahren diskutiert. Mal gab es Ausschilderungen, dann wieder keine. Die Situation war unsicher. Wann die Radwege, deren Ausbau schon 2008 im Gespräch war, gemacht werden sollen, ist mir nicht bekannt."

Verantwortlich dafür ist das Straßenbauamt Güstrow. Das erklärt seit Jahren, dass für den Ausbau kein Geld da sei. Ronald Normann, amtierender Amtsleiter, bestätigte das gestern auf SVZ-Nachfrage: "Wir haben bis 2015 einen durchfinanzierten Haushalt für die Planungen. Die Liebnitzstraße ist nicht dabei." Hintergrund sei, so Normann, dass das Straßenbauamt nicht nur für Güstrow verantwortlich sei, sondern ein großes Territorium abzudecken habe.

Den Radler in Güstrow, der mit der unzulänglichen Situation hier klar kommen muss, interessiert das jedoch weniger. Er muss die Irrfahrt in Kauf nehmen. Und so "funktioniert" sie: Ab Einmündung Bachstraße fährt man auf einem Gehweg, der eine Zumutung ist. Aber es sei trotzdem ein "klares Angebot", formuliert Schuldt, weil man nun offiziell fahren dürfe. Weil der Gehweg weiterhin nicht der beste ist, musste die Stadt sicher gehen, bei einem eventuellen Unfall kein Problem zu bekommt. "Wir haben das mit dem kommunalen Schadensausgleich geklärt", so Schuldt.

Aber weiter mit der Irrfahrt: An der Einmündung Bleicherstraße muss rechts auf die Brücke gewechselt werden. Dort gilt "zwingend" per Straßenverkehrsordnung und Schild ein Geh- und Radweg. An der Prahmstraße endet der Radweg, um nach der Einmündung Neukruger wieder anzufangen…

Damit nicht genug: Die Irrfahrt wird sogar noch weiter fortgesetzt, gerade von der Verkehrsunfallkommision bestätigt. Die stellte fest: Der Radweg von der Niklotstraße zur Haselstraße ist stadtauswärts rechts zu nutzen. Auf dem Gehweg von der Lidl-Ausfahrt zur Bredentiner Straße stadtauswärts ist das Radfahren nicht erlaubt (wir berichteten).

Änderung ist mit dem Ausbau der Rostocker Chaussee im nächsten Jahr in Sicht. Wenn ausgebaut werde, sagt ein verhaltend reagierender Bürgermeister Schuldt. Normann bestätigt, dass der Ausbau realisiert wird, wenn die Stadt den sehr hohen Eigenanteil aufbringt. Das riecht danach, als ob die Irrfahrt der Radler von Nord nach Süd und Süd nach Nord noch einige Jahre weitergeht.

Darum geht's im MEDIENPROJEKT von SVZ und NNN

Etwa 65.000 Schüler und Lehrer allein in unserem Verbreitungsgebiet erhalten in einem gemeinsamen Projekt der Zeitungsverlage und des MV-Bildungsministeriums bis zum Jahresende kostenlosen Zugang zu den Newsportalen. Fragen Sie an den Einrichtungen ihrer Kinder nach den Bedingungen und Login-Daten, die Sie auch in der Familie nutzen können.
Was bewegt die Schüler ab Klasse 5 bis hinauf in die Gymnasien und Berufsschulen unseres Landes? Was passiert in ihrem Umfeld, in Deutschland und der Welt? Wie können seriöse Nachrichten von Fake News unterschieden werden?
Die Schweriner Volkszeitung und die Norddeutschen Neuesten Nachrichten bieten den Schülern die aktuellsten Berichte, liefern in einem speziellen Dossierbereich "Diskussionsstoff" für den Unterricht und möchten mit ihnen in Austausch kommen.
 
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen