Opferschutz : Weißer Ring steht Opfern zur Seite

Anne Kaiser übergab gestern dem scheidenden Leiter der Außenstelle Güstrow des Weißen Ringes , Rolf Matschinsky (l.), und dem neuen, Erik Balcerkiewicz, eine kleine Aufmerksamkeit.
Anne Kaiser übergab gestern dem scheidenden Leiter der Außenstelle Güstrow des Weißen Ringes , Rolf Matschinsky (l.), und dem neuen, Erik Balcerkiewicz, eine kleine Aufmerksamkeit.

Außenstelle Güstrow des Weißen Ringes leitet jetzt Erik Balcerkievicz / Rolf Matschinsky weiter als Opferberater tätig

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21. Januar 2016, 06:00 Uhr

Wechsel an der Spitze des Weißen Ringes: Rolf Matschinsky (67) übergab gestern die Leitung der Außenstelle Güstrow an Erik Balcerkiewicz (37). Deshalb wird Matschinsky sich nicht etwa aus der Opferhilfe zurückziehen. „Ich räume den Regiestuhl und gehe nach hinten an die Technik“, formuliert er.

Seit 33 Jahren ist Matschinsky in der Opferschutzorganisation – ein gemeinnütziger Verein – tätig, seit 2002 leitete er die 1998 gegründete Außenstelle Güstrow des Weißen Ringes. Zuvor hatte der aus Schleswig-Holstein stammende Polizeibeamte schon andere Außenstellen geleitet. Mit der Belastung, die das Amt des Diekhofer Bürgermeisters mit sich bringe, und der Digitalisierung, die auch um den Weißen Ring keinen Bogen mache, überlasse er die Leitung gern einem Jüngeren, erklärt der 67-Jährige. Der ist froh, „die alten Hasen noch an seiner Seite“ zu haben. Balcerkiewicz ist Kriminalhauptkommissar, arbeitet in Bützow und wohnt in der Nähe von Ribnitz-Damgarten. Seit eineinhalb Jahren ist er Mitglied in der Opferschutzorganisation, hat inzwischen viel gelernt, weiß aber, dass es für ihn als Kriminalhauptkommissar Grenzen gibt. Ist er dienstlich an einem Fall dran, kann er nicht gleichzeitig als Opferberater tätig sein. Für Anne (65) und Hubert Kaiser (63) aus Roggow, beide sind seit vielen Jahren für den Weißen Ring tätig, ist das kein Problem. Beide helfen, wo sie können und ließen es sich gestern nicht nehmen, beim offiziellen Leitungswechsel dabei zu sein. Balcerkiewicz würde sich über mehr ehrenamtliche Mitstreiter wie das Ehepaar aus Roggow freuen.

Durchschnittlich, so berichtet Matschinsky, habe man sieben bis zehn Opferfälle, bei denen der Verein auch materielle Hilfe leiste. Das gehe von der rechtlichen Beratung bis zu ganz konkreten Hilfe in Notsituationen. 80 bis 85 Fälle sieht Matschinsky in der Kategorie von Gesprächen zwischen Tür und Angel. „Ein Problem wird geschildert und wir schauen, was zu tun ist“, erklärt Matschinsky. Nur manchmal käme es danach auch zum persönlichen Kontakt. Es gebe viele Fälle, wo das Opfer einfach jemanden brauche, der einmal aufmerksam zuhöre. Insgesamt gehe es darum, den Weg vorzubereiten, den derjenige dann selbst gehen müsse. Kriminalitätsopfer seien oftmals traumatisiert, hätten große seelische Probleme oder seien verängstigt. Ihnen versuche man zu helfen, indem man sie zum Rechtsanwalt begleite, psychotherapeutische und andere Hilfen suche. „Wir sind inzwischen gut vernetzt“, betont Anne Kaiser. In erster Linie seien es Opfer von Gewalt- und Sexualstraftaten, die den Weg zum Weißen Ring finden. In so einer Situation sei es sehr schwierig für die Opfer im Umfeld Hilfe zu finden. „Das Leid nach einer Vergewaltigung will sich niemand anhören“, nennt Matschinsky ein Beispiel. An der Stelle setze die Hilfe des Weißen Ringes an. 

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