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Weihnachten international : Weihnachtsbräuche international

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Gefeiert wird in der ganzen christlichen Welt – aber zum Teil sehr verschieden

Im Laufe der Jahrhunderte haben sich in den christlichen Teilen der Welt überall unterschiedliche Weihnachtsbräuche entwickelt. Jede Kultur feiert auf ihre eigene Art und Weise und nicht jeder bekommt an Heiligabend Geschenke. Denn überall gibt es andere Traditionen, doch wie ist es mit den Menschen mit internationalem Hintergrund die schon eine Weile in Deutschland leben. Wir hörten uns dazu einmal um.


Armenien – das prunkvolle Fest


Das Weihnachtsfest (armenisch: Surp Dznunt) ist das fröhliche und beliebte Fest der armenischen Kirche und des Volkes und wird prunkvoll gefeiert. Die Armenisch-Apostolische Kirche hat am Vortag der zwei wichtigen Herrenfeste, vor Weihnachten und vor Ostern, spezielle vorfestliche Gottesdienste. Die Abendgottesdienste vor diesen zwei Festen bezeichnet man als Dschrakaluytz. Dies bedeutet so viel wie „die Lampen mit Öl füllen“. Es ein Brauch an diesem Abend, eine Öllampe brennen zu lassen, die Jesus Christus symbolisiert.

Der eine Dschrakaluytz im Jahr ist immer am 5. Januar, da die Armenier Weihnachten am 6. Januar feiern. An diesem Tag findet nach Sonnenuntergang die abendliche heilige Messe statt. Angela Khachatryan und ihre Familie, die schon viele Jahre in Deutschland lebt, hat ihren Weihnachtsbrauch etwas verändert. „Wir haben uns den deutschen Bräuchen angepasst und feiern am 24. Dezember. Dies ist uns jedoch nicht so wichtig wie Silvester, denn da kommt die ganze Familie zusammen und es gibt ein großes Fest mit allen Tanten und Onkels und vielen anderen Familienmitgliedern.“ Wichtig ist Angela dabei vor allem die Familie, dazu gehören das gemeinsame Zubereiten von Mahlzeiten, das anschließende Essen, und zum Abschluss wird ausgelassen getanzt.


Thailiand: Weihnachten zur Prüfung?


Weihnachten eine Prüfung in der Schule schreiben? So etwas wäre in Deutschland unvorstellbar. Doch dem Thailänder Thiti Thitinunsomboon ist genau dies im vergangenen Winter widerfahren. „Da ich an einer buddhistischen Schule und nicht an einer katholischen Schule lerne, habe ich über die Weihnachtsfeiertage keine Ferien. Und letztes Jahr musste ich dann auch noch genau am 24. Dezember eine Prüfung schreiben“, berichtet der 17-jährige Thiti. Er ist ein Austauschschüler aus Thailand und besucht derzeit das John-Brinckman-Gymnasium in Güstrow.

Auch in Thailand ist Weihnachten ein Fest der Familie. „In manchen Jahren gehe ich mit meinen Eltern und mit meiner älteren Schwester shoppen oder wir gehen auf ein Konzert. Das ist gleich neben dem Einkaufszentrum“, erzählt der 17-Jährige. Am Abend bekommen alle ihre Geschenke. Jedoch werden diese nicht vom Weihnachtsmann überreicht, denn bei Thiti zuhause gibt es keinen Weihnachtsmann oder ähnliches. „Unser Wohnzimmer ist weihnachtlich dekoriert und wir haben einen Plastik-Weihnachtsbaum“, erzählt Thiti. Dieses Jahr wird er die Feiertage in Deutschland verbringen und unsere Bräuche und Traditionen kennen lernen. Aber eins, das weiß er schon, wird in Deutschland genauso, wie er es aus Thailand kennt: Das große Essen mit der Familie darf nicht fehlen!


Weihnachten auf polnisch


Die 16-jährige Magdalena Kattner wohnt ihn Güstrow. Jedoch kommt eine Hälfte ihrer Familie, ihre Mutter, aus Schlesien in Polen. Bei den alljährlichen Weihnachtstraditionen wirken deswegen eine Menge polnische Rituale mit. „Weil in Polen sehr viele Menschen katholisch sind, meine Mutter, Schwester und ich auch, gehen wir natürlich immer an Heiligabend in die Kirche“, sagt Magdalena. Allerdings gehen sie gegen 18 Uhr in die Kirche und nicht, wie in Polen üblich, um Mitternacht. Die 16-Jährige bemerkte aber, dass der größte Unterschied zwischen Deutschland und Polen das Essen am heiligen Abend sei. „So lange ich mich erinnern kann, gibt es Heiligabend immer das Gleiche zu essen. Als Vorspeise ist das traditionell eine Karpfensuppe. Als Hauptgang gibt es Kartoffelsalat und polnische Würstchen, wie auch in vielen rein deutschen Haushalten.“ Magdalena erklärt, dass man in Polen zum heiligen Abend eigentlich gar kein Fleisch essen darf, sondern nur Fisch. „Ich bin echt froh, dass wir doch Fleisch essen, dank des deutschen Einflusses meines Vaters“, sagt sie lachend. „Zum Nachtisch macht meine Mutter immer eine polnische Fruchtsuppe namens Moczka. In die Suppe kommen Mandeln, Rosinen, Weintrauben, Kirschen und vieles mehr. Meine polnische Oma macht zusätzlich noch eine Art Mohnkuchen namens Makówki.“ Magdalena erklärt, dass der Mohn für Reichtum und Wohlergehen im neuen Jahr sorgen soll, denn zur Weihnachtszeit sorgt man für alles Gute im darauf folgenden Jahr. „

Ein paar weitere Traditionen, die man in Polen ausübt, um ein gutes nächstes Jahr zu haben, sind zum Beispiel, dass man unter jeden Teller etwas Geld legt um für Wohlstand zu sorgen, oder in der Tischmitte liegen Salz, ein Brötchen und eine Zwiebel“, erzählt die Güstrowerin weiter. Auch das Salz stehe für Wohlstand, weil Salz früher bekanntlich ein sehr teures Gewürz war, und das Brötchen und die Zwiebel stehen dafür, dass man im nächsten Jahr genügend Essen hat.

„Eine schöne weihnachtliche Tradition ist bei uns, dass wir immer ein leeres Gedeck mit aufdecken im Gedenken an all die Leute, die Weihnachten alleine verbringen müssen“, berichtet Magdalena Kattner.


Muslimische Welt kennt kein Weihnachten


Hassan und Omar, zwei junge Männer, die aus ihrem Heimatland Syrien und ihrer gemeinsamen Heimatstadt in der Nähe von Deir ez-Zor geflohen sind, leben seit kurzem in Deutschland. Sie kennen Weihnachten nur aus Erzählungen, denn für sie gibt es dieses Fest nicht. Sie sind Muslime und zelebrieren stattdessen den Ramadan. Doch auch bei ihrem wichtigsten Fest spielt die Familie eine wichtige Rolle.

Es ist der Fastenmonat, der ihnen aus dem Koran, ihrer Heiligen Schrift, herabgesandt wurde. Im islamischen Kalender ist das immer der neunte Monat. Weil sich die islamische Zeitrechnung allein nach dem Mondjahr richtet, sind die Jahre um zehn bis elf Tage kürzer als das Sonnenjahr. Deshalb findet das Fasten im Monat Ramadan in Bezug auf den bei uns bekannten Kalender also immer zu einer anderen Zeit statt. Dieses Jahr war Ramadan vom 18. Juni bis 16. Juli, nächstes Jahr wird er vom 6. Juni bis 4. Juli sein, wobei sich das immer auch mal um einen Tag verschieben kann. 2017 wäre demnach vom 27. Mai bis zum 24. Juni Ramadan.

Eins ist jedoch immer gleich: In der Zeit des Fastens wird viel gebetet. In diesem Fastenmonat dürfen Muslime vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang nichts essen, sondern erst wenn es wieder dunkel wird, sagt Omar. 29 Tage lang müssen alle, außer Schwangere, Kranke und kleine Kinder, dem Folge leisten.

Doch nach dieser Zeit, wenn sie auch tagsüber wieder essen dürfen, wird ein Fest mit der ganzen Familie und gutem Essen gefeiert. Dieses Fest des Fastenbrechens ist das zweitwichtigste der Muslime. Und nicht nur in Deutschland ist die Pflege des Familienverbundes zu besonderen Festen eine Tradition. Hassan erzählt, dass bei diesem Fest die Gemeinschaft sehr wichtig ist, so werden nicht nur Familie, sondern auch Freunde und Nachbarn eingeladen, dieses Fest gemeinsam zu feiern.

 

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