Fest für Tiere : Weihnachten auf dem Tierschutzhof

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Alle Tiere erhalten am heutigen Heiligen Abend eine Extraportion zu fressen / Nadine Gronek und „ihre“ Welpen-Sage aus Klein Sien

Auch für die über 200 Tiere, die auf dem Tierschutzhof von Nadine Gronek in Klein Sien leben, wird es Weihnachten geben. Im Vorfeld hatte die Betreiberin der Tierhilfe Norddeutschland auf ihrer Webseite zu Spenden aufgerufen, um ihren Schützlingen ein schönes Fest zu bereiten. Tatsächlich gingen Futter-, Sach- und Geldspenden ein und auch einige neue Tierpatenschaften konnten bereits abgeschlossen werden.

„Bei uns ist es Tradition, dass alle Tiere am Heilig Abend eine Extraportion bekommen“, sagt die 35-Jährige. So wird es für jeden Hund neben Leckerlis auch eine Bockwurst geben, die Meerschweinchen können sich über Paprika und Cracker freuen, die Hasen über Möhren, Vögel über Äpfel und Körner, die zwölf Pferde, die auf dem Hof leben, bekommen eine Mischung aus erwärmtem Müsli, Äpfeln und Möhren und die Lamas seien ganz wild auf Bananen, sagt Gronek. Dazu werden an den Ställen und Volieren Beleuchtungsketten angebracht und in der Behausung der Schweinchen werden Rotlichtlampen für kuschelige Gemütlichkeit sorgen. „Auch die Tiere sollen merken, dass wir mit Weihnachten ein besonderes Fest feiern“, verspricht Nadine Gronek, die die Tiere mit ihrem Lebenspartner Marcel Gürnth betreuen wird. Dazu helfen über Weihnachten Azubi Sebastian Musz und über Silvester Sebastian Fehring, der auf dem Hof ein freiwilliges ökologisches Jahr leistet. An Neujahr stellt sich Nadine Gronek ohnehin auf Betrieb ein. „Meist müssen wir uns dann um Fundhunde kümmern, die sich vor der Knallerei erschrocken haben und davongelaufen sind“, sagt sie.

Immer um die Weihnachtszeit wird die 35-Jährige an eine Sage erinnert, die sie über Klein Sien fand. Danach lebte in dem Ort eine Witwe, als plötzlich über den Groß Tessiner See wildes Jagdgetümmel schallte. Als die Frau vor die Tür trat, fand sie einen frierenden und hungrigen schwarzen Welpen vor. Sie nahm ihn auf, ernährte und pflegte ihn, obwohl es ihr oft schwer fiel, genug Essen heranzuschaffen. Nach einem Jahr tobte um die Weihnachtszeit wieder das Jagdgeschehen am Groß Tessiner See. Plötzlich kam ein Herr, nahm den Hund mit und warf der Frau einen Beutel, gefüllt mit purem Gold, durchs Fenster. „Das ist dafür, dass Du meinen Hund ein ganzes Jahr versorgt hast“, schrie er dazu und wurde nicht mehr gesehen.

Als Nadine Gronek die Sage zum ersten Mal las, sie lebte damals bereits einige Jahre in Klein Sien, bekam sie eine Gänsehaut. Waren es doch ebenfalls zwei schwarze Welpen, die ihren Lebensweg entscheidend beeinflusst hatten. Der erste sprang ihr nachts auf einer einsamen Landstraße bei Hagenow vors Auto. Die gelernte Tierpflegerin arbeitete damals als Versicherungsvertreterin, weil sie in ihrem Beruf keine Anstellung gefunden hatte. „Der Welpe war mein erster Hund, den ich vermittelt habe. Und ich fasste den Entschluss, mich mit meiner Ausbildung selbstständig zu machen“, erinnert sie sich.

Als sie den verfallenen Hof in Klein Sien gefunden hatte, winselte es in einer der ersten Nächte vor ihrem Anwesen. Sie schaute nach und wieder war es ein schwarzer Welpe. Der Hund wurde so der erste Bewohner des Hofes. „Nur der Mann mit dem Beutel mit purem Gold ist noch nicht vorbeigekommen“, schmunzelt Nadine Gronek und fügt ernst hinzu: „Mit viel Geld, vielleicht durch einen Lottogewinn, würde ich alles genau so weitermachen. Es hätte aber einen Vorteil: Ich könnte nachts besser schlafen, weil ich mir nicht immer Gedanken machen müsste, woher Geld für Futter und Tierarztrechnungen kommt.“

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