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Freiwillige Feuerwehr Krakow am See : Wehrführer kritisiert Stadtpolitik

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Immer weniger Geld für Feuerwehr Krakow am See und damit für Schutz der Bürger. Mehr Wertschätzung für wichtiges Ehrenamt gefordert.

von
erstellt am 19.Feb.2017 | 21:00 Uhr

Volles Haus bei der Freiwilligen Feuerwehr Krakow am See, der wichtigsten und größten Wehr im Süden des Landkreises. Und Wehrführer Remo Schmecht sparte bei der Jahreshauptversammlung vor den mehr als 90 Kameraden nicht mit Kritik an der Stadtpolitik. Sein Vorwurf: Bei notwendigen Anschaffungen für die Wehr werde gespart und gestrichen. „So standen im Haushaltsjahr 2016 und 2017 je 15 000 Euro weniger für den Schutz der Bürger zur Verfügung“, kritisierte er. Der Austausch zwischen Stadtvertretung, Finanzausschuss und Wehrleitung habe sich als „nicht konstruktiv“ erwiesen. „Dies ist keine Anerkennung und Wertschätzung für das Engagement der Ehrenamtler von den politischen Entscheidern“, sagte Schmecht.

Investitionsstau endlich auflösen

Bei den Haushaltsverhandlungen sei es zu Diskussionen gekommen, „die unter Ehrenamtlern nicht geführt werden sollten“, zeigte sich der Wehrführer, seit 2011 im Amt, erbost. Er forderte, „jetzt endlich damit anzufangen, den Investitionsstau aufzulösen“. Denn: „Unser Fuhrpark ist veraltet, technisch und moralisch verschlissen, und muss in den nächsten Jahren umfassend erneuert werden.“ Unmittelbar am dringendsten sei die Anschaffung eines neuen Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeuges 20. Kostenpunkt: rund 400 000 Euro. Positiv bewertet Schmecht, dass die Stadtvertreter in ihrer mittelfristigen Haushaltsplanung für das Jahr 2018 die Beschaffung dieses Einsatzfahrzeuges bereits geplant hätten. „Es muss in den nächsten Jahren aber noch mehr kommen“, sagte der Wehrführer. „Ich wünsche mir für die Zukunft von unseren Kommunalpolitikern, dass sie geschlossen hinter ihrer Gemeindefeuerwehr Krakow am See stehen.“

Weiterhin brauche die Krakower Wehr einen hauptamtlichen Gerätewart. Die vergangenen 18 Jahre habe Kamerad Holger Röhlke diese anspruchsvolle Aufgabe rein ehrenamtlich geleistet. „Der anhaltende Bedarf, den eine Feuerwehr bei der Gerätewartung zu bewältigen hat, ist so hoch, dass eine ehrenamtliche Bewältigung kaum noch möglich ist. Außerdem wird diese in den kommenden Jahren noch weiter steigen“, ist Schmecht überzeugt. Röhlke bekam bei der Jahreshauptversammlung für seine Arbeit die höchste Auszeichnung des Landesfeuerwehrverbandes MV: die Ehrennadel in Gold.

Zahlreiche Auszeichnungen und Beförderungen konnten Landesbrandmeister Hannes Möller, Krakows Bürgermeister Wolfgang Geistert und Remo Schmecht wieder vornehmen. Besonders stolz machte den Wehrführer, dass sein Vater, Werner Schmecht, von 1991 bis 1999 Wehrführer, das Ehrenzeichen am Bande für 50 Jahre Mitgliedschaft in der Freiwilligen Feuerwehr Krakow am See bekam. Gleichzeitig wurde der 67-Jährige zum Hauptlöschmeister ernannt und wechselt jetzt in die Ehrenabteilung der Wehr.

Atypisch: kein Mitgliederrückgang

Schmecht freute sich zudem über 15 Auf- und Übernahmen von neuen Kameraden. „Wir haben keine Personalprobleme und seit 2015 einen guten Zulauf“, so der Wehrführer. Aktuell gibt es 58 aktive Einsatzkräfte. Es sei eine „atypische Entwicklung, dass wir nicht mit einem Mitgliederrückgang oder der Tageseinsatzbereitschaft zu kämpfen haben“.

Die Anzahl der Einsätze ist 2016 gegenüber dem Vorjahr gesunken. „Die Intensität der Einsätze war aber sehr hoch“, sagte Schmecht. Die Gesamteinsatzdauer habe sich um 51 Prozent von 1278 Stunden im Vorjahr auf 1926 erhöht. „Besonders im ersten Halbjahr wurde die Einsatzabteilung durch das Einsatzgeschehen stark belastet.“ Der Wehrführer hob hier besonders die Brandkatastrophe in Charlottenthal hervor. Am 11. April 2016 zerstörte ein Großfeuer das Schloss. Insgesamt meisterte die Feuerwehr Krakow am See im vergangenen Jahr 56 Einsätze.

In drei Wochen steht das nächste wichtige Ereignis für die Krakower Wehr an: die Wahl des Wehrführers. Am 10. März wird ab 19 Uhr im Feuerwehrgerätehaus turnusmäßig der komplette Vorstand neu gewählt. Noch bis zum 24. Februar können Wahlvorschläge eingereicht werden. Wehrführer Remo Schmecht tritt wieder an. „Ich bin bereit, weiter zu machen“, sagt er.  

 

 

 

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