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Güstrower Anzeiger

22. November 2017 | 19:45 Uhr

Schloss Güstrow : Wehmut und Leere im Schloss

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Einen neuen Besucherrekord aufgestellt: Die Cranach-Ausstellung hat Güstrow verlassen.

svz.de von
erstellt am 17.Okt.2017 | 21:00 Uhr

Sie müssten darin geübt sein, verschafft ihnen doch das Geschäft mit der Vergangenheit, der stete Blick zurück, den Lohn und das Brot. Dieses Mal aber, am Ende des einjährigen Projektes, ist Wehmut ein Wort, das in diesen Tagen wie die warme Oktobersonne die Räume des Güstrower Schlosses durchflutet. Seit letztem Freitag sind die Cranach-Bilder nicht mehr im Haus, vorbei die beiden Ausstellungen über die Wittenberger Malerdynastie mit ihren Malereien aus dem Leben des Reformationsvaters Martin Luther. Doch neben der Wehmut steht die Freude: Die Ausstellung war eine der erfolgreichsten aller zeiten auf Schloss Güstrow.

Die Berliner Firma sei nett und professionell gewesen, sagt Museumspädagogin Monika Lehmann, als sie am vergangenen Freitag da war, um einen Teil der Exponate abzuholen. Jetzt hört man statt anregender Gespräche über die Exponate nur noch das Klacken von Lehmanns Absätzen auf dem weitläufigen Parkett.

Rund 9300 Besucher zählten die beiden Ausstellungen „Cranachs Luther!“ und die interaktive Begleitschau„Pop Up Cranach“, die von Mai an eigentlich nur bis zum 24. September gehen sollten. Sie wurden wegen des großen Andrangs um zwei Wochen verlängert. Insgesamt also 142 Tage Cranach und Luther in Güstrow. Das macht einen Schnitt von 65 Besuchern pro Tag. Ein neuer Rekord.

Schlossleiterin Regina Erbentraut lehnt an einer Wand, die weißen Handschuhe zum Schutz der Gemälde hat sie gerade ausgezogen. Die nächste Ausstellung, die im Dezember beginnt, muss vorbereitet werden. „So schnell“, sagte sie, „wird es so etwas wie Cranach nicht mehr hier geben. Es hat alles hervorragend funktioniert.“

Es sei ein Pfund gewesen, die beiden Cranach-Brüder erstmals mit all ihren Bildern ausstellen zu können, diese berühmten Künstler der Renaissance, geradezu dafür geschaffen, hier im Güstrower Schloss, diesem berühmten Bauwerk der Renaissance. Ein Lächeln ziert Erbentrauts Gesicht, als sie zurückdenkt an die vielen Schulklassen, die hier waren. Aus Rostock, Schwerin, sogar aus Friedland, erzählt sie. Selten seien sie unter zwei Stunden geblieben, viel zu viel gab es zu entdecken: Gemälde, Handzeichnungen, Druckgrafiken, die laut Museumspädagogin Lehmann die Fantasie der Schüler so ankurbelte, dass sie anfingen, in ihnen Tolkien mit seinen Geschichten vom Herr der Ringe zu sehen. Lehmann erzählt: Seit elf Jahren arbeitet sie im Schloss, aber noch nie wäre ein Projekt so erfolgreich gewesen. Vor einem Jahr, im Oktober 2016, hatte sie begonnen, die Ideen für Cranach und Luther zu entwickeln. Ausstellungen, davon ist sie überzeugt, müssten heute jede Altersgruppe ansprechen und interaktiv sein. Sie erinnert sich an eine Szene mit einem älteren Ehepaar in der Schau „Pop Up Cranach!“: Der Mann griff zu einem extra eingerichteten Telefon und am anderen Ende meldete sich jemand mit dem Namen Martin Luther. Er rief zu seiner Frau: „Ich habe den Luther am Telefon!“ Am anderen Ende hatte er ein Schauspieler aus Potsdam gehört, der für die Ausstellung extra einen Text eingesprochen hatte.

Zum Schluss zeigt Monika Lehmann das Gästebuch, in das sich die Besucher eintragen konnten. Menschen aus Norwegen, Amerika, Dänemark, sogar Australien haben sich darin verewigt. Über den Erfolg von Cranach und Luther in Güstrow sagt Lehmann, „waren wir selber überrascht“.

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