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Gerichtsbericht : Wegen 3,20 Euro aus dem Fenster gestoßen – Angeklagte gestehen

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Gerichtsbericht: zwei Güstrower wegen versuchten Totschlags in zwei Fällen angeklagt / Saufgelage in Abrissgebäude der ehemaligen Kleiderwerke hatte schlimmes Ende

Die 3. Große Strafkammer des Landgerichtes Rostock eröffnete gestern die Hauptverhandlung gegen die beiden Güstrower Maik R. (29) und Sven G. (23) wegen versuchten Totschlags in zwei Fällen. Sie werden beschuldigt, am 14. August 2013 Christian H. (34) und Frank U. (45) geschlagen und getreten und anschießend aus einem Fenster in der 2. Etage eines Abrissgebäudes der ehemaligen Güstrower Kleiderwerke gestoßen zu haben. Die Opfer erlitten schwere Verletzungen.

Der Prozess war noch keine Stunde im Gange, als es auf Bitten der Verteidiger zu einer Übereinkunft aller Gerichtsbeteiligten mit dem Ziel der Verfahrensbeschleunigung kam, der auch die beiden Angeklagten zustimmten. Es wurde festgelegt, dass bei einem umfassenden und glaubwürdigen Geständnis, die Angeklagten mit einer Freiheitsstrafe nicht weniger als siebeneinhalb und nicht mehr als neun Jahre rechnen könnten. Dieses Angebot ließen sich Maik R. und Sven G. nicht entgehen. Anderenfalls hätten ihnen Haftstrafen von zehn bis zu 15 Jahren gedroht.

Sie seien zu sechst gewesen, die sich abends im Abrisshaus trafen. Es wurde kräftig getrunken. Streit entstand, als der leere Bierkasten verschwunden war. Für das Leergut gäbe es immerhin 3,20 Euro Pfand. Als Täter wurden Frank U. und Christian H. ausgemacht. Nun begannen die beiden Angeklagten massiv zunächst auf Christian H. einzuschlagen und zu treten. „Ich fackelte nicht lange und trat immer wieder zu“, berichtete Sven G. gestern. „Mir war auch klar, dass er draufgehen könnte.“. Auch Maik R. gestand: „Wir traten noch zu, als beide Männer schon am Boden lagen.“ Er gab zudem zu, von Christian H. eine Uhr gefordert und ihn mit einer Metallschiene auf den Kopf geschlagen zu haben.

Wer auf die Idee kam, die beiden in die zweite Etage zu verfrachten und aus dem Fenster zu stoßen, konnten sie nicht mehr sagen. „Sie waren beide in einem schrecklichen Zustand und bluteten stark“, sagte Maik R. Christian H. sei noch ansprechbar gewesen und wehrte sich. Er hätte versuchte, sich am Fensterbrett festzuhalten. Das nutzte ihm nichts. Die Angeklagten stießen ihn fast fünf Meter in die Tiefe. Frank U. war durch die vielen Schläge und Tritte zu keiner Gegenwehr mehr fähig. Mit einem kurzen Ruck beförderten sie ihn aus dem Fenster. „Sie bewegten sich nicht mehr, als ich ihnen hinterher sah“, sagte Sven G.

Gestern wurden auch die beiden Opfer in den Zeugenstand gerufen. Frank U. musste nach der Tat auf die Intensivstation. Christian H. hatte neben einer Lungenverletzung auch eine Blutung im Gehirn. Die Angeklagten baten ihre Opfer um Entschuldigung, die angenommen wurde. Der Prozess wird am 18. Februar fortgesetzt.

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