Schuldnerberatung Güstrow : Wege aus der Schuldenfalle

Seit 22 Jahren in Güstrow als Schuldnerberaterin tätig: Simone Obermann.
Seit 22 Jahren in Güstrow als Schuldnerberaterin tätig: Simone Obermann.

Schuldnerberatung des DRK Güstrow: vergangenes Jahr allein 69 neue Klienten mit einer Schuldensumme von 1,4 Millionen Euro

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11. Januar 2016, 12:42 Uhr

Güstrower in der Schuldenfalle. Hier kommt die Schuldnerberatung des DRKGüstrow ins Spiel. Das kostenlose Beratungsangebot unterstützt bei finanziellen, rechtlichen und hauswirtschaftlichen Problemen und zeigt Wege aus dem Teufelskreis der Schulden auf. 142 Klienten betreuen Schuldnerberaterin Simone Obermann und ihr Kollege Frank Dolata zurzeit in ihrer Beratungsstelle im Haus der Familie in der Güstrower Südstadt. „Die Anzahl der Schuldner wird zwar nicht unbedingt größer, aber definitiv auch nicht kleiner“, sagt Simone Obermann, die seit 22 Jahren als Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberaterin in Güstrow arbeitet. Allein im vergangenen Jahr kamen 69 neue Klienten hinzu. Zusammen haben sie eine Überschuldungssumme von knapp 1,4 Millionen Euro. Ein Haufen Arbeit für das kleine Team der Schuldnerberatung.



Es fehlt finanzielle Allgemeinbildung


Dabei lässt es Simone Obermann zudem emotional nicht kalt, dass auch 52 Kinder von der Überschuldung der Eltern betroffen sind. Mehr als die Hälfte ihrer zahlungsunfähigen Klienten ist arbeitslos. Viele von ihnen hätten in ihrer Erziehung den richtigen Umgang mit Geld einfach nicht gelernt. „Ihnen fehlt die finanzielle Allgemeinbildung“, wie Simone Obermann es nennt. ‚Aber bei mir sind sie gut aufgehoben“, wirbt die Schuldnerberaterin dafür, die Hemmschwelle zu überwinden und professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. „Das ist der richtige Schritt. Gemeinsam können wir die finanziellen Probleme in den Griff bekommen und Einsparpotenziale erarbeiten“, sagt sie. So konnten im vergangenen Jahr die Schulden von 17 Klienten komplett abgebaut werden. Nicht einfach bei einer Durchschnittsüberschuldung von 20 142 Euro pro Person.

1124 Beratungen haben Simone Obermann und ihr Kollege 2015 durchgeführt, einschließlich 193 Kurzberatungen. Hauptgrund der Überschuldung sei immer wieder ein falsches Konsumverhalten. „Ich kann nicht mehr ausgeben als ich habe“, bringt es Simone Obermann auf den Punkt. Die Stabilisierung des Haushaltes der Schuldner ist denn auch der Schwerpunkt ihrer Arbeit. „Wir gehen alle Ausgaben durch, gucken ob auch alle Sozialleistungen ausgeschöpft sind. Wir minimieren und strukturieren die Kosten. Das ist oft sehr zeitaufwendig“, erzählt sie. Das Arbeitszeitvolumen der Schuldnerberater ist über die Jahre enorm gewachsen. „Schon ein Erstgespräch kann bis zu drei Stunden dauern“, sagt die 47-Jährige. Aber jede Person habe auch ihre eigene Vergangenheit, die aufgearbeitet werden müsse. „Unsere Klienten erwarten, dass wir Qualität abliefern“, unterstreicht Simone Obermann.

Vor allem junge Erwachsene geraten immer öfter in die Handy-Falle, muss die Schuldnerberaterin feststellen. „Die Handyschulden stechen hervor“, sagt sie. Allein 14 ihrer aktuellen Klienten hätten mit ihren überteuerten Handys Schulden in einer Gesamthöhe von 18 400 Euro angehäuft. „Es muss immer das neueste Modell sein“, so Simone Obermann. Auch das sei auf fehlende finanzielle Allgemeinbildung zurückzuführen.

Während ihrer 22-jährigen Tätigkeit als Schuldnerberaterin in Güstrow ist Simone Obermann eines ganz deutlich geworden: „Ohne unsere Arbeit kommt die Gesellschaft nicht mehr aus. Schuldnerberatung ist vor allem auch für Leute wichtig, die sich keinen Anwalt leisten können.“ Insofern versteht sie sich auch als „Rechtsanwältin der kleinen Leute“.

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