Wattmannshagen: Bürgerinitiative will klagen

Will weiter gegen die Hähnchen-Fabrik in Wattmannshagen kämpfen: Carola Schwarz (l.), Sprecherin der Bürgerinitiative.  Christian Menzel
Will weiter gegen die Hähnchen-Fabrik in Wattmannshagen kämpfen: Carola Schwarz (l.), Sprecherin der Bürgerinitiative. Christian Menzel

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20. September 2012, 09:29 Uhr

Wattmannshagen | In Wattmannshagen wird es ernst. Das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu) Rostock hat den Bau der von der Roland und Matthias Streeb GbR geplanten Hähnchenmastanlage mit 200 000 Plätzen - damit ist sie eine der größten im Land - in dem Ortsteil der Gemeinde Lalendorf genehmigt (SVZ berichtete). Gegenwärtig laufen die Vermessungsarbeiten auf dem Gelände.

Vor diesem Hintergrund hatte die Bürgerinitiative gegen das Vorhaben zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Etwa 40 Einwohner kamen in das Feuerwehrhaus, um über weitere Schritte zu beraten. "Wir wollen Mut machen, Optimismus verbreiten und signalisieren: wir kämpfen weiter", sagte Carola Schwarz, Sprecherin der Bürgerinitiative. Unterstützung erhielt sie vom Bund, der das Verfahren an der Seite der Bürgerinitiative begleitet. Geschäftsführerin Corinna Cwielag zeigte sich zutiefst enttäuscht, dass das Stalu nur einen geringen Teil der auf 15 Seiten vorgebrachten Einwendungen berücksichtigt habe. Der Bund habe deshalb im Namen der Bürgerinitiative Widerspruch gegen die Genehmigung eingelegt. Cwielag dämpfte jedoch zu hohe Erfolgserwartungen. In der Regel, sagte sie, würden die bei der Genehmigungsbehörde einzureichenden Widersprüche abgelehnt.

Unterstützung erhielt Cwielag von Jörg Mollnhauer. Er hatte sich eingehend mit der Genehmigung befasst und kam zu dem Schluss: "Ich habe darin sehr viele Ungenauigkeiten entdeckt. Es werden Behauptungen aufgestellt, die nicht haltbar sind." So sei der Wert der Landschaft bewusst "heruntergerechnet" worden. Die Auswirkungen auf das Naherholungsgebiet "Kahler Bruch" seien verharmlost worden. "Tatsächlich ist der Kahle Bruch’ wertlos, wenn er von der Abluft getroffen wird", so Mollnhauer.

Immer deutlicher zeichnete sich in der Diskussion ab, dass eine Verhinderung der Anlage lediglich über den Klageweg zu erreichen sei. Carola Schwarz erkundigte sich bei den Bürgern, ob sie bereit wären, den Gang vor das Gericht zu unterstützen. "So lange die Hoffnung besteht, sollten wir kämpfen. Wir sind dabei", versicherte Sonja Mickelat. Die 65-Jährige war mit ihrem Mann 2007 aus Baden-Württemberg "der guten Luft wegen" nach Mecklenburg gezogen. In Wattmannshagen hatte sich das Paar ein Haus gekauft. Das, hörte sie nun von Maklereinschätzungen, würde durch die Anlage einen Wertverlust von bis zu 70 Prozent erleiden.

Die Grünen-Landtagsabgeordnete Jutta Gerkan riet der Bürgerinitiative: "Machen Sie politischen Druck. Untersetzen Sie ihre Eingaben an den Petitionsausschuss mit immer neuen Fakten, bleiben Sie am Ball." Gerkan berichtete von den Absichten ihrer Fraktion, Anträge gegen die industrielle Tierhaltung in den Landtag einzubringen. Am 24. Oktober stehe das Thema industrielle Mastanlagen auf der Tagesordnung des Landtags.

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