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Güstrower Anzeiger

21. November 2017 | 11:26 Uhr

Güstrow : Wassergrundstücke, die keiner will

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

In Kleingartenanlage Seeblick IV am Rande der Güstrower Südstadt sind bereits 13 Gärten überflutet.

von
erstellt am 02.Nov.2017 | 05:00 Uhr

Wassergrundstück gesucht? Siegfried Jahn, Chef der Gartenanlage Seeblick IV, kann helfen. Seit zirka 2011 steigt die Zahl der Kleingärten, die in seiner Anlage unter Wasser stehen und dadurch unbrauchbar sind, stetig. „Gerade hat wieder ein Gartenfreund das Handtuch geworfen und sich ein anderes Objekt gesucht“, sagt Jahn, der seit 2003 an der Spitze der Anlage steht. 71 500 Quadratmeter Gartenland gibt es im Seeblick IV, zirka 3400 Quadratmeter davon sind überflutet. „Stand 2015 noch in fünf Gärten Wasser, so sind es mittlerweile schon 13. Die Tendenz ist steigend“, beschreibt Jahn das ganze Ausmaß des Desasters.

Nun ist es nicht so, dass der Vorsitzende und seine Vorstandskollegen nichts unternommen hätten. Bereits früh hat man eine verstopfte oder defekte Drainage als Ursache ausgemacht. Doch alle Versuche, die Stadt als Eigentümer des Grund und Bodens zur Beseitigung des Missstandes zu bewegen, scheiterten. Sogar einen Anwalt hat der Vorstand eingeschaltet. „Dem erklärte der Bürgermeister, dass eine Erneuerung der Drainage aus wirtschaftlichen Gründen nicht infrage komme. Sein Vorschlag lautete, die betroffenen Gärten aus dem Generalpachtvertrag herauszulösen“, erzählt Jahn. Zur Erklärung: Die Stadt hat mit dem Kreisverband der Gartenfreunde Güstrow einen Generalpachtvertrag abgeschlossen. Der wiederum verpachtet an die Gartenvereine. „Aber wie soll das gehen? In den unter Wasser stehenden Gärten stehen massive Gartenhäuser, die praktisch wertlos sind. Und außerdem: Wie sieht eine Anlage aus, in der es ungenutzte und verwilderte Flächen gibt?“, fragt Jahn. Als sollte das Problem nicht schon groß genug sein, hat sich im Laufe der Zeit ein weiteres dazu gesellt. Jahn hat beobachtet, dass das Wasser vom Parkplatz an der Goldberger Straße nicht mehr ordnungsgemäß ablaufen kann, weil auch da Gullys und Drainage verstopft seien. Der Gartenchef verweist auf einen schmalen Streifen zwischen Parkplatz und Mauerbegrenzung, der von Unkraut zugewuchert und mit Müll angereichert ist. Die Folge: das Wasser sucht sich seinen Weg über den Hauptweg und verstärkt das Problem in der Senke. „Vor sieben, acht Jahren haben wir die beiden Hauptwege, die unsere Anlage begrenzen, für zirka 12 000 Euro instandgesetzt. Nun besteht dort wieder akuter Handlungsbedarf“, kritisiert Jürgen Garling, Wegebeauftragter im Vorstand von Seeblick IV.

Andrea Broekelschen, erst seit sieben Monaten Vorsitzende des Kreisverbandes, kennt die Probleme von Seeblick IV. „Von uns wird verlangt, dass unsere Gärten in Ordnung sind. Da erwarten wir vom Verpächter, dass er Geld in die Hand nimmt, um Missstände zu beseitigen“, sagt sie. Allerdings habe der ergiebige Regen in diesem Jahr auch in anderen Anlagen zu Überschwemmungen geführt. Ihr Vorschlag: „Im nächsten Monat setzen wir uns mit der Stadt wieder an einen Tisch, um über die schon lange diskutierte Pachterhöhung zu sprechen. Das erforderliche Gutachten dazu liegt jetzt vor. Ich plädiere dafür, zu den Gesprächen die Vereinsvorsitzenden mit einzuladen, die Probleme in ihren Anlagen haben“, sagt sie.

Siegfried Jahn sieht in dem Vorschlag eine letzte Chance. „Der Vorstand unseres Vereins, der ja ehrenamtlich arbeitet, hat schon darüber gesprochen, geschlossen zurück zu treten, sollte sich wieder nichts ändern“, stellt er klar.

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