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Güstrow : Was uns 2014 so alles blühen kann

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Im Schwarzen liegt die Zukunft (begraben) / Eine mutige Kaffeesatzleserei, Monat für Monat

Wer seinen Kaffee türkisch trinkt, beweist Weitblick. Den erhält er aus dem Kaffeesatz, der nach dem Genuss des „braunen Wassers“ in der Tasse verbleibt. Hatten wir mit den meisten Prognosen für 2013 nicht so viel Glück – einige lagen aber gar nicht so weit weg, und es gab gab auch leider eine, die sich auf traurige Weise bestätigte (siehe SVZ vom 31. Dezember 2012) – so versuchen wir es noch einmal. Aus neu aufgegossenem Kaffeesatz lesen wir einige markante Ereignisse 2014 heraus.

Im Januar herrscht Verwirrung im Güstrower Rathaus. Ein neuer Bäcker hat sich in der Barlachstadt angesiedelt. Er kann nichts anderes anbieten als die alteingesessenen Güstrower Bäcker auch, er backt sogar kleinere Brötchen. Manch ein Gourmet nimmt gar das Wort Mogelpackung in den Mund. Doch dem Bürgermeister geht der Inhalt der neuen Tüten so sehr zu Munde, dass er einen Raum im Bürgerbüro als Verkaufsstelle frei macht. „Das ist freie Marktwirtschaft, die fördere ich! Und die klamme Stadt kann jede Einnahme gebrauchen“, macht er die wenigen zaghaft nachfragenden Stadtvertreter, ob das mit Blick auf die anderen Bäcker in der Stadt mit rechten Dingen zugeht, sprachlos. Die etablierten Hoteliers haben es besser als die Bäcker: Für neue Konkurrenz hat der Bürgermeister gerade nicht genügend Zimmer frei. Und auf das benachbarte „Stadt Güstrow“, das auch 2014 leer stehen bleibt, hat der Bürgermeister seine Hand nicht drauf.

Deshalb auch verpasst Güstrow im Februar die Chance seines Stadtlebens: Aus Mangel an Schnee in Sotschi bietet Putin der verschneiten Barlachstadt Ausweichspiele an. Der zugefrorene Inselsee wird für die Eiswettbewerbe präpariert, die Loipen im Heidberg olympiatauglich gemacht und am Rodelberg stampft das gerade übernommene Unternehmen Gorbatschow-Wodka-Winkelhausen eine Schanze aus dem Waldboden. Die Oase baut wieder eine Rutsche – für die Rodelwettbewerbe. Alles scheitert an der Bettenkapazität.

Patt-Situation im März in Bützow: Keiner der Bürgermeisterkandidaten kann sich im ersten Wahlgang durchsetzen. Jeder hat die gleiche Anzahl von Wählerstimmen – exakt 2014. Da ist guter Rat teuer.

Erneuter Tiefschlag am 1. April für den Flugplatz Laage. Vergeblich warten Vertreter der Gesellschafter auf eine Sondermaschine der Fluggesellschaft Rostock-Airways. Die hatte versprochen, jedes Jahr 400 000 Fluggäste auf dem Airport abzufertigen. Doch beim nochmaligen Blick auf das Fax stellt sich heraus: Es war ein Aprilscherz vom Flugleitzentrum Entenhausen.

Im Mai kommen Mathelehrer im John-Brinckman-Gymnasium ins Schwitzen. Sie werden verpflichtet, als Beisitzer und Oberlehrer in den Wahllokalen Dienst zu tun. Schließlich müssen Stimmen bei den Wahlen für Europaparlament, für den Kreistag, für die Stadt- und Gemeindevertretungen und ehrenamtlichen Bürgermeister ausgezählt werden. Doch es gibt Probleme mit der Auslegung der europäischen Prozentrechnung. Brüssel verlangt einen Pisa-Test.

Im Juni konstituiert sich die neue Güstrower Stadtvertretung mit acht Schweigeminuten. Die Volksvertreter müssen Abschied nehmen – acht Kollegen sind von ihnen gegangen, zum Glück nicht ganz. Denen haben die Güstrower Bürger einfach den Stuhl vor die Tür gesetzt – besser: die Nichtmehrgüstrower, die Schuld sind an der Reduzierung des Gremiums.

WM-Fieber am 13. Juli: Der Ungar Ernö Rubik, Erfinder des weltweit populären Zauberwürfels, wird 70 Jahre. Der ganze Landkreis Rostock beteiligt sich an einem weltweiten Dreh-Wettbewerb, moderiert von Geburtstagskind Günter Jauch (Jahrgang 1956). Public-Viewing-Leinwände für das Fußball-WM-Finale? Ghana – Griechenland will keiner sehen; zu wenige Ghanaer und Griechen in Güstrow.

Güstrows Bürgermeister lässt nicht locker: Im August legt er in der Stadtvertretung den siebenten Beschlussantrag für die Errichtung einer großen Solaranlage an der Speicherstraße vor. Und endlich gibt es keine Gegenstimme – es sind gerade parlamentarische Sommerferien.

So geht Politik ab September: Der neue Kreistag hat sich konstituiert, und keiner geht hin. Denn um lange Anfahrtwege zu sparen, finden die Sitzungen im sozialen Netz statt. Die Öffentlichkeit ist gelinkt, äh: geleikt.

Anfang Oktober geht gar nichts mehr auf dem Laager Flughafen: Der erste Schnee fällt. Das sogenannte Incoming, also die Schwerpunktsetzung auf ankommende Gäste aus dem Süden, erleidet endgültig seine Bruchlandung – denn überraschend schneit es auch in Orten, wo es Berge gibt.

Am 9. November gibt es lange Autoschlangen im Landkreis. Besuch aus dem Westen hat sich angekündigt, nachdem alle große Nachrichten-Agenturen melden, dass die D-Markt wieder eingeführt wird – aber nur in jenen Bundesländern, die vor genau 25 Jahren zur DDR gehörten; und am nächsten Tag soll die Mauer wieder hoch gehen! Später stellt sich heraus, es war ein Scherz des Satiremagazins „Titanic“. Alles dies.

Im Dezember kehrt Bundessozialministerin Manu Schwesig für einen Tag in ihre alte Heimat MV zurück und verkauft auf dem Güstrower Weihnachtsmarkt türkischen Kaffee: Jeder soll selber lesen, was ihm 2015 so alles blühen kann.

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