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Güstrower Anzeiger

19. November 2017 | 04:23 Uhr

Tipps vom Profi : Was tun bei Schulstress?

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Schulsozialpädagogin Katrin Doer gibt im Interview mit Klecks gute Tipps

Für Schüler ist ein gewöhnlicher Schultag oft eine sehr stressige Angelegenheit. Viele sind überfordert mit all den Aufgaben und dem ständigen Lernen für Klausuren oder Prüfungen. Nur lernen, lernen, lernen, das geht nicht. So kommt es, dass manche den angestauten Stress nicht mehr aushalten. Dabei muss Stress nicht nur von Überforderung kommen. Auch z.B. Streit in der Familie kann sich auf die Leistungen in der Schule auswirken. Man kann sich ja kaum konzentrieren, wenn das häusliche Umfeld keine Ruhe lässt.

Welche Ursachen Stress auch haben mag, man kann etwas dagegen tun, und auch schon um vorzubeugen. Dabei kann man sich professionellen Rat holen. Eine, die sich um das Wohl von Schülern kümmert, ist Katrin Doer. Die Baumgartenerin ist die Schulsozialpädagogin des John-Brinckmann Gymnasiums in Güstrow und kennt so einige Tipps, wie sich Schulstress vermeiden und bekämpfen lässt. Kleckserin Sophie Litty sprach mit ihr.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, sich diesem Beruf zu widmen?
Zum einen weiß ich, welchem hohen Stressfaktor Schülerinnen und Schüler häufig ausgesetzt sind. Mit meiner Tätigkeit als Sozialpädagogin kann ich dem entgegenwirken und zur Entspannung beitragen. Zum anderen finde ich die individuelle Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, aber auch deren Eltern, als ausgesprochen interessant, abwechslungsreich und bereichernd. Es geht ja darin nicht nur um Stressbewältigung.

Welches sind die häufigsten Probleme, mit denen sich Schüler und Eltern an Sie wenden?
Oh – die sind sehr vielfältig. Alle bereits genannten Belange spielen eine Rolle, aber auch zunehmend Selbstverletzungen, Ernährungsstörungen, Probleme, die sich aus Trennung der Eltern ergeben, Schulangst bzw. Schulmeidung, Beziehungs- sowie depressive Krisen.

Was empfehlen Sie Schülern bei einem hohen Stresslevel in der Schule?
Um es vorweg zu nehmen – Stress gehört zum Leben, und er kann uns beflügeln. Das Maß ist entscheidend. Ein Geheimrezept gegen zu viel negativen Stress gibt es nicht. Jede Situation ist speziell. Für den einen bedeutet Stress bereits, dass er schlicht täglich früh aufstehen und zur Schule muss. Für den anderen sind es die zahlreichen Testsituationen und Klausuren oder dass man unter seinen eigenen Erwartungen bzw. denen der Eltern bleibt. Stress entsteht weiterhin durch Mobbing oder lange Fahrzeiten, was die Freizeit einschränkt. Auch gibt es Schüler, die sich nicht über-, sondern unterfordert fühlen. Auch sie sind Stress ausgesetzt. Und nicht zuletzt entstehen oft Stresssituationen außerhalb der Schule, z.B. im familiären oder im Freundeskreis, die sich dann auf die Schule übertragen und dort zutage treten. Speziell in den 7. und 8. Klassen entstehen oft Konflikte und damit Stress aus der Pubertät heraus oder durch die neue Zusammensetzung der Klassen.

Wie können sie dann diesen Schülern helfen?
Wir, also der betroffene Schüler und ich, häufig auch in Kooperation mit den Eltern, gehen zunächst den Ursachen für die angespannte Situation auf den Grund, analysieren – je nach Problemlage – die persönliche, die Klassen-, Familien- bzw. Unterrichtssituation. Danach wird gemeinsam ein individueller „Fahrplan“ erstellt. Dieser kann die bessere Strukturierung des Tagesablaufs, die Absenkung von überhöhten Erwartungshaltungen, das Setzen von Fächer-Schwerpunkten, Gespräche mit Lehrern, die Arbeit mit Schülergruppen einer Klasse, die Zusammenarbeit mit Nachhilfe-Einrichtungen oder Therapeuten und vieles mehr beinhalten. Manchmal steht am Ende auch ein rechtzeitiger Schul- oder auch Schulartwechsel. Vieles ist möglich. Wichtig ist für Betroffene zu wissen: Die Zusammenarbeit mit mir ist freiwillig und streng vertraulich. Alles, was besprochen wird, bleibt in einem geschützten Raum.

Sehen Sie in Ihrer Arbeit mit den Schülern und Eltern auch Fortschritte?
Auf jeden Fall.

Gibt es denn gewisse Regeln, um negativen Schulstress zu vermeiden?
Ja. Ich zähle mal einige auf:
1. Nutze die Zeit im Unterricht so gut es geht, damit du am Nachmittag mehr Freizeit hast und nicht nacharbeiten musst.
2. Hab den „Mut zur Lücke“. Man kann (und muss) nicht alles wissen und darf auch mal schwächeln. Setz dir Prioritäten beim Lernen.
3. Pflege trotz vieler Aufgaben deine Hobbys, Interessen und Freundschaften.
4. Fühlst du dich dem Stress nicht mehr gewachsen, such dir Hilfe: bei deinen Eltern, dem Klassenlehrer, dem schulpsychologischen Dienst bzw. dem Schulsozialpädagogen. Manchmal bedarf es nur weniger Gespräche, und es findet sich eine Lösung oder zumindest Entspannung.
5. „Die Kunst des Ausruhens ist ein Teil der Kunst des Arbeitens“ (John Steinbeck).

 

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