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Güstrower Anzeiger

20. Oktober 2017 | 23:28 Uhr

Güstrow : Was geschah im Mai 1945?

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Güstrow will zum 75. Jahrestag der kampflosen Übergabe wissenschaftlich fundierte Studie erarbeiten.

von
erstellt am 28.Jan.2017 | 05:00 Uhr

Eine kleine Plastik eines Sowjetsoldaten in Befreierpose, ein Gemälde mit Offizier der Roten Armee im Mittelpunkt, eine Vitrine mit einigen wenigen Dokumenten und Bildchen Beteiligter – so präsentiert das Stadtmuseum den 2. Mai 1945, jenen Tag der kampflosen Übergabe Güstrows an die Rote Armee. Dieses Ende des fürchterlichsten aller Kriege blieb nur wenigen deutschen Städten vorbehalten. Dies am 75. Jahrestag in besonderer Weise zu würdigen und somit jenen Menschen ein Mahnmal zu setzen, die sich um den Erhalt der Stadt verdient gemacht hatten, sollte bereits jetzt in Angriff genommen werden. So dachten nahezu alle Stadtvertreter und haben vor einem halben Jahr die Verwaltung beauftragt, Ideen zu unterbreiten für ein würdiges Gedenken jener Ereignisse dann im Mai 2020 (SVZ berichtete).

Der Vorschlag der Verwaltung ist kein Denkmal – oder doch? Eine Publikation sollte erarbeitet werden, die soll Bestandteil der ständigen Ausstellung „Güstrow im 20. Jahrhundert“ sein. In einer historischen Studie sollen die Hintergründe der kampflosen Übergabe der Stadt untersucht und dargestellt werden. Dabei soll auch beleuchtet werden, ob und wie sich der ungehinderte Einmarsch der Siegertruppen auf das Verhältnis der Sowjetsoldaten zur Güstrower Zivilbevölkerung und umgekehrt in den Tagen, Wochen und Monaten nach Kriegsende ausgewirkt hat. Ziel ist die Erarbeitung einer Quellensammlung und wissenschaftlichen Analyse als Grundlage für eine Ausstellung, beispielsweise im Foyer des Rathauses, und einer Publikation, die neben dem Verbleib in der Ausstellung auch zum Verkauf angeboten wird.

Wer das in die Hand nehmen soll und wie, weiß die Verwaltung auch schon: Dr. Ingo Sens von der Universität Rostock. Der promovierte Historiker und Lehrbeauftragte am Historischen Institut besitzt aufgrund thematisch verwandter Studien wichtige Vorkenntnisse. In mehreren Einrichtungen in Güstrow, Rostock und Schwerin wäre Archivarbeit zu leisten, private Nachlässe wären zu sichten, Zeitzeugen als unwiederbringliche Quellen zu interviewen.

„In der Öffentlichkeit breiter diskutieren“


Bisher basierten alle Erkenntnisse rund um das Geschehen am 2. Mai 1945 im Wesentlichen auf der politisch und ideologisch vorbelasteten Geschichtsschreibung der DDR, begründet Bürgermeister Arne Schuldt (parteilos) das Vorhaben. Solch ein Projekt kostet freilich Geld. Rund 63    000 Euro sind dafür alles in allem zunächst berechnet. Ein Teil des finanziellen Aufwandes könnte durch den Verkauf der Publikation refinanziert werden. „Eine historisch belegbare, sachliche Bewertung der damaligen Situation ist notwendig auch für zukünftige Generationen. Das sollte uns das Wert sein“, sagt Gerhard Jacob (Freie Wähler). Grundsätzlich hielte Heiko Karmoll (CDU) ein solches Vorhaben gut und sogar „besser als ein Denkmal“. Uwe Heinze (SPD) widerspricht, allerdings nur in diesem Punkt: „Eine Ausstellung im Museum ist auch ein Denkmal.“ Ansonsten wäre es seine Intention, den oder die Erarbeiter der Studie „nicht im stillen Kämmerlein“ arbeiten zu lassen. Vielmehr sollte das ein „öffentlicher Vorgang“ sein, plädiert Heinze und beispielsweise vielleicht auch Schüler des Gymnasiums mit Projektarbeit einzubeziehen. Heinze: „Ich wünschte mir eine breite Diskussion, dass wir nicht nur etwas fertig vorgelegt bekommen.“

Noch muss die Stadtvertretung in Gänze über den Vorschlag befinden, doch aus dem Hauptausschuss wird schon durchgehend Zustimmung signalisiert. Auch über Ausgestaltung und Details des Projektes muss nach dem Grundsatzbeschluss, der für den 9. Februar erwartet wird, noch geredet werden.

 

 

 

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