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Rettungsdienst der DRK Güstrow : Warnstreik: kriegsähnliche Rhetorik

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Erneut Proteste von Rettungsdienstmitarbeitern des DRK-Kreisverbandes Güstrow / Fronten im Tarifkonflikt verhärtet

von
erstellt am 27.Jan.2015 | 21:15 Uhr

Harte Worte im seit mehr als einem halben Jahr schwelenden Tarifkonflikt beim Rettungsdienst des DRK-Kreisverbandes Güstrow: Die Dienstleistungsgewerkschaft verdi wirft dem DRK-Vorstand eine „fast diktatorische Vorgehensweise“ vor. Der DRK-Kreisverband hält voll dagegen: verdi würde „über Leichen gehen“, heißt es aus dem Güstrower Stammhaus. Zum dritten Mal seit vergangenem Sommer versammelte sich gestern rund die Hälfte der 90 Rettungsdienst-Mitarbeiter vor dem Kreishaus zum Warnstreik. Die Hälfte, die auch bei verdi organisiert ist. „Wir fordern gerechten Lohn“ oder „Tarifvertrag jetzt!“ war auf ihren Protestplakaten zu lesen. Der Streik soll bis heute 18 Uhr andauern. Doch eine Einigung ist nicht in Sicht.


„Erzwingungsstreik“ angedroht


„Wir schließen es aus, mit verdi zu verhandeln“, sagt DRK-Sprecherin Manuela Hamann im Namen des Vorstandes. Verdi agiere unfair, wolle nur seine eigenen Interessen und nicht die der Rettungsdienstmitarbeiter durchsetzen. „Seit Beginn der Proteste haben keinerlei Tarifverhandlungen stattgefunden. Wir sind nicht weitergekommen“, kritisiert im gleichen Atemzug Anette Golle, Gewerkschaftssekretärin bei verdi. Ihre Forderung ist seit Sommer 2014 unverändert: „Tarifverhandlungen für die Rettungsdienstmitarbeiter in Anlehnung an die Tarifverträge im öffentlichen Dienst.“ Doch der Arbeitgeber verweigere sich. Jetzt gehe es darum, den DRK-Kreisverband „an den den Verhandlungstisch zu streiken“. „Das DRK ist ein Wohlfahrtsverband, der im Interesse der Menschen handeln sollte. Es kann nicht sein, dass man in einer Demokratie nicht miteinander spricht“, sagt die im Arbeitskampf erfahrene Anette Golle. Und sie fährt vorsichtshalber schon einmal schwere Geschütze auf: „Das ist ein Machtkampf und wir werden weiterkämpfen. Als letztes Mittel können wir vom Warnstreik zum Erzwingungsstreik übergehen.“


DRK will nicht mit verdi verhandeln


Doch neben der kriegsähnlichen Rhetorik auf beiden Seiten klingt auch immer mal Kompromissbereitschaft durch. „Wir sind gesprächsbereit. Nur wenn man miteinander redet, kann man Kompromisse finden.“ Das will Anette Golle nicht allein als Arbeitskampf-Floskel verstanden wissen. „Es geht nicht um die Durchsetzung des Tarifvertrages des öffentlichen Dienstes in allen Punkten, sondern um einen Haustarifvertrag für den DRK-Kreisverband in Anlehnung an den Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes. Das ist Verhandlungssache“, sagt sie. Manuela Hamann vom DRK, die zwar weiter nicht mit verdi verhandeln will, kündigt gegenüber unserer Zeitung die Einschaltung eines Mediators an, „um die Kommunikation zu verbessern“. „Unser Ziel ist es, alle Mitarbeiter des Kreisverbandes fair zu behandeln. Deshalb wollen wir auch eine Regelung für alle Mitarbeiter, nicht nur für den Rettungsdienst. Wir sind dabei, eigene Arbeitsvertragbedingungen zu erarbeiten“, sagt sie. Das benötige jedoch einige Zeit.

Unterdessen wächst die Frustration bei den streikenden Rettungsdienstmitarbeitern: „Wir wollen endlich eine Perspektive für unsere Kollegen“, sagte Notfallsanitäter Frank Bauriedel gestern vor dem Kreishaus in Güstrow.  

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