Windenergie : Wardow träumt von Windrädern

Abenddämmerung oder Morgengrauen für Windräder zwischen Wardow und Kobrow.
Abenddämmerung oder Morgengrauen für Windräder zwischen Wardow und Kobrow.

Gemeinde positioniert sich pro Windkraft / Rund 300 Stellungnahmen auf dem Tisch des Planungsverbandes Region Rostock

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14. November 2014, 20:30 Uhr

Wenn über neue Windkraftanlage oder gar ganze Windparks diskutiert wird, dann geht es in der Regel in kontra zu solchen Vorhaben. Anders in Wardow. Hier würde man sich Windkraftanlagen sogar wünschen und verbindet diesen Wunsch mit der Hoffnung auf Gewerbesteuereinnahmen. Im zweiten Beteiligungsverfahren, in dem bis Anfang des Monats Stellungnahmen zu einer Änderung des Raumentwicklungsprogramms im Bereich des Planungsverbandes Region Rostock, das Kapitel Energie betreffend, abgegeben werden konnten, setzt sich die Gemeinde für die Ausweisung eines Windenergie-Eignungsgebietes zwischen Wardow und Kobrow ein.

Dieses mögliche Eignungsgebiet war nach der ersten Beteiligungsrunde genauso wie potenzielle Standorte bei Sabel, Rcknitz und Boddin herausgefallen. Während man sich zum Beispiel in Recknitz höllisch darüber freute, überlegte man in Wardow, wie man wieder auf die Liste der Eignungsgebiete kommen könnte. Bürgermeister Günter Schink sieht durchaus „eine Chance wieder reinzukommen“, informierte er in dieser Woche seine Gemeindevertreter. Diese stehen nicht geschlossen, aber mehrheitlich hinter ihrem Bürgermeister.


Gemeinde hofft auf Steuereinnahmen


„In der Endkonsequenz geht es darum, wo bekommt die Gemeinde in Zukunft ihr Geld her? Von einer schönen Natur können wir nicht leben“, erklärt Schink. Wardow sei eine große Gemeinde mit rund 1400 Einwohnern in 15 Dörfern, aber nur wenig Gewerbe und wenn, dann seien es Klein- und Kleinstunternehmen. „Wenn es hochkommt haben wir im Jahr 30 000 Euro Gewerbesteuer. Das ist nichts“, sagt Schink. Auf Zuweisungen könne die Gemeinde in Zukunft immer weniger bauen. Die Kasse sei leer, also müsse man sich etwas einfallen lassen.

Die Gemeinde verfüge nicht über Flächen auf möglichen Windkraft-Eignungsgebiet, man sei aber mit den Landeigentümern im Gespräch. „Sinn macht es für die Gemeinde selbstverständlich nur, wenn Gewerbesteuern dann vor Ort und nicht anderswo fließen“, stellt Schink fest. Darin sei man sich mit den Landeigentümern einig. Außerdem sei über mögliche Beteiligungen nachzudenken.

Die Gemeinde habe sich nach der Streichung aus der Liste der möglichen Eignungsgebiete mit den Versagungsgründen beschäftigt. Zum einen, so berichtet Schink, gehe es um die Flugsicherheit, zum anderen um den Schreiadler. Gespräche bei der Bundeswehr habe man bereits geführt. Auch mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreieses wolle man Kontakt aufnehmen.

Eine Entscheidung zur Festlegung neuer Eignungsgebiete für Windkraftanlagen ist frühestens im nächsten Jahr zu erwarten. Neben Groß Bäbelin, stehen auch Flächen bei Dehmen und Hoppenrade sowie in der Bützower Region nahe Klein Belitz, Wokrent, Groß Gischow und Reinstorf im Entwurf des Planungsverbandes Region Rostock. Rund 300 Stellungnahmen waren jetzt im zweiten Beteiligungsverfahren eingegangen. Proteste gegen Windkraftanlagen kommen u.a. aus Hoppenrade und der Region um Groß Bäbelin (SVZ berichtete).

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