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Altstadtsanierung Güstrow : Wandmalerei aus dem Spätbarock

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Großartige Entdeckung im Haus Domstraße 14 in Güstrow. Die Sanierung des Hauses beginnt nun endlich nach jahrzehntelangem Leerstand.

von
erstellt am 03.Aug.2017 | 05:00 Uhr

„Es ist viel kaputt, aber alles reparabel“, sagt Matthias Schulz und könnte die ganze Litanei von Bauschäden aufzählen, die insbesondere auftreten, wenn jahrelang Wasser in ein leerstehendes Gebäude eindringen kann. Einige Bereiche werde man nicht halten können, sie müsse man Abschnitt für Abschnitt ersetzen. Am Ende sollen die Domstraße 14 und die Kerstingstraße 4 wieder schmuck aussehen und eine Gewerbeeinheit sowie sechs Wohnungen beherbergen. Nach umfangreichen bauhistorischen Untersuchungen haben die Sanierungsarbeiten jetzt begonnen.

Ziel: Dachsanierung dieses Jahr abschließen


„Es wird höchste Zeit, sonst wäre die Bausubstanz verloren“, schätzt Matthias Schulz ein. Saniert wird neben der Domstraße 14 auch die Kerstingstraße 4, zuvor ebenfalls in Stadteigentum. Beide Häuser waren stets eng verknüpft und erscheinen als ein Baukörper. Sie stammen aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und damit aus der barocken Entwicklungsphase der Stadt. Drei Umbauphase folgten im 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts.

Gestalterischer Höhepunkt ist der Saal mit spätbarocker Ausmalung im Obergeschoss. Saal und Treppenhaus dokumentieren den repräsentativen Charakter des Hauses. Es besteht die Aussicht, dass unter Putz und Tapeten große Teile der Wandmalerei erhalten sind, betont der Bauherr. Freigelegte Stellen lassen das Thema „vanitas“ /„memento mori“ (die Vergänglichkeit alles Irdischen) erkennen. Zunächst sei die Wandmalerei zu sichern, berichtet Matthias Schulz. Auch Türfassungen und alte Türen sollen erhalten bleiben. Schulz verweist darüber hinaus auf alte Fußbodenbeläge und ein Fenster vermutlich noch aus der Zeit der Erbauung. Eine alte Herdglocke wird verschwinden müssen. Man wolle aber so viel wie möglich erhalten. „Die Kunst besteht darin, den denkmalpflegerischen Aspekten und gleichzeitig den heutigen Bauvorschriften – zum Beispiel Brandschutz und Wärmedämmung – gerecht zu werden. „Und ich will auch nachhaltig sanieren“, betont Schulz. Die umfangreichen Voruntersuchungen hätten den Zeitplan und die Wandmalerei den Finanzplan schon mal durcheinander gebracht. Ziel sei es dennoch bis zum Winter mit der Dachsanierung durch zu sein. Ende dieser Woche sollen die Gerüste gestellt werden, kündigt der Bauherr an. Zimmerer-, Dachdecker- und Rohbauarbeiten seien vergeben, weitere Gewerke in der Ausschreibung. Läuft von jetzt ab alles einigermaßen nach Plan, sollte die Sanierung der 585 Quadratmeter Wohn- und Nutzfläche im nächsten Jahr abzuschließen sein.

„Es sei eine große Herausforderung“, sagt der Güstrower, der seit 20 Jahren in der Baubranche mit dem Schwerpunkt der Altbausanierung tätig ist. Warum immer nur für andere bauen, nicht auch mal für sich selbst, hatte er sich irgendwann gefragt und gemeinsam mit einem Partner 2015 das Haus an der Ecke Domstraße/Kerstingstraße von der Stadt gekauft. Lange hatte ein Bretterzaun Vorübergehende vor dem bröckelnden Haus schützen müssen. Schließlich war es der Stadt nach langen Verhandlungen doch gelungen es von den Erben der jüdischen Familie Marcus, die 1939 zwangsweise veräußern musste, zu erwerben und einen Interessenten zu finden.

 

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