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Landtagswahl 2016 in Güstrow : Wahlanalyse als Handlungsauftrag

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Blick auf den Wahlbezirks-Stadtplan offenbart der Güstrower Lokalpolitik Problemfelder.

von
erstellt am 12.Sep.2016 | 21:00 Uhr

Morgen wird die endgültige Bestätigung der Ergebnisse der Landtagswahl durch die Landeswahlleiterin erwartet. Das Wundenlecken bei den Wahlverlierern sollte langsam beendet sein, die Analyse der Ergebnisse für die Protagonisten beginnen. Zwar waren am 4. September Landtagswahlen, doch zur Wahl standen lokal bekannte Politiker, jedenfalls zumeist. Die Stadt Güstrow bietet sich an für eine lokale Analyse, schließlich kommen drei Landtagsmitglieder aus der Barlachstadt: Philipp da Cunha (SPD) mit dem Direktmandat, Karen Larisch (Die Linke) über die Parteiliste, wie auch Torsten Renz (CDU), wenngleich der im benachbarten Wahlkreis antrat. Diese überdurchschnittlich hohe Zahl Abgeordneter ist durch die Wahlbeteiligung übrigens nicht gerechtfertigt: Mit 56,4 Prozent blieb Güstrow deutlich unter dem Landesdurchschnitt (61,6).

Immerhin: Als ein Hort der Rechtsextremen, wie oft durch Politik und überregionale Medien kolportiert, lässt sich Güstrow aus den Wahlergebnissen keineswegs herauslesen. 2,8 Prozent wählten hier NPD, landesweit 3,0. Nur in fünf der 16 Wahlbezirke bringt die NPD nennenswerte Zahlen auf, über die imaginäre Fünfprozenthürde kommen die Braunen lediglich in der Südstadt (Inselseeschule 6,6).

Das Direktmandat klar gewonnen hat Philipp da Cunha, und dabei sogar mit mehr Prozentpunkten (34,5) als seine Partei im Landesmaßstab (30,6). Dass da Cunha mit seiner Person punktete, sieht man daran, dass es Zweitstimmen für die Sozialdemokraten in Güstrow mehr gab (36,7).

Noch stärker als Person wirkte CDU-Kandidat Heiko Karmoll. Der Schornsteinfeger heimste 24,9 Prozent ein, während seine Partei in Güstrow auf lediglich 18,3 kam. Vier Wahlbezirke konnte Karmoll sogar für sich entscheiden. Auffällig dabei: Drei dieser Wahllokale hatten die höchste Wahlbeteiligung. Zwei davon sind die Ortsteile Suckow und Klueß, die bei Wahlen eine Sonderstellung einnehmen.

Wie wenig aber die Person zählen kann, wie stark dagegen Strömungen wirken können, demonstrierte die AfD: Für ihren in Güstrow gänzlich unbekannten Bewerber, Johannes Salomon, zog die AfD 21,3 Prozent der Erststimmen. Dass das rund ein Prozentpunkt mehr ist als die AfD-Zweitstimme, liegt klar an der Ausrichtung der NPD, die bewusst auf Direktkandidaten verzichtete und ihre Anhängerschaft so der AfD zuspielte.

Unter den verschiedenen Erklärungen für den Wahlausgang sticht bekanntlich eine heraus: die Wahrnehmung der AfD als Protestpartei. Dies unterstellt, kann die Güstrower Lokalpolitik genau in die Stadtteile schauen, Unzufriedenheit herauslesen und Handlungsmuster ableiten. In der Hälfte der Wahlbezirke konnte sich AfD-Mann Salomon aus Kühlungsborn entsprechend dem Landestrend vor Karmoll platzieren. Vor da Cunha übrigens lag Salomon nirgendwo, wobei es auf dem Distelberg mit nur zehn Stimmen Differenz ganz eng war. Handlungspotenzial für die lokale Politik lässt sich deutlich in der Nord- und in der Weststadt herauslesen. In der Feldstraße und in der Wossidloschule, in der Neuen Straße und auf dem Distelberg, in der Fritz-Reuter-Schule und in der Langen Stege ließ der AfD-Mann den CDU-Kandidaten hinter sich, teilweise deutlich. Auch die Südstadt muss in großen Teilen zum Unzufriedenheitspotenzial gerechnet werden, ganz anders als ihre Randgebiete Bauhof und Magdalenenlust oder die zentrumsnahen Wahlbezirke.

Ein besonders zu beachtender Schwerpunkt sollte das Gebiet rund um die Inselseeschule werden: Hier blieb die Wahlbeteiligung mit gerade mal 30,1 Prozent extrem unter dem Durchschnitt. Auch dies ist getrost als Indikator für Politikunzufriedenheit zu verstehen.

 
Eine Karte mit der Übersicht der Güstrower Wahllokale und ihren Ergebnissen finden Sie in der heutigen Printausgabe der SVZ in Güstrow.

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