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Neuer Zivilprozess : VS-Skandal: Ex-Manager soll Schadenersatz zahlen

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Gerichtsreport: Insolvenzverwalter fordert 250 000 Euro / Güteverhandlung gescheitert

Wenn das juristische Tauziehen um den Betrugsskandal bei der Volkssolidarität (SVZ berichtete) irgendwann einmal zu Ende sein sollte, werden die geprellten Anleger reicher sein. Nicht an Geld. Das scheint nach der Pleite zweier Immobilienfonds der Kreisverbände Mecklenburg Mitte und Bad Doberan/Rostock-Land unwiderruflich verloren. Aber an Erfahrung. Gestern zum Beispiel lernten sie die Besonderheiten eines Zivilverfahrens kennen.

Während sich der Betrugsprozess gegen den Ex-Manager der Volkssolidarität, Amandus K., seit Herbst mühsam dahin schleppt, könnte dieses neue Verfahren nun ein bisschen Schwung in die Sache bringen. Vor dem Rostocker Landgericht fordert der Insolvenzverwalter der Volkssolidarität Immobilien GmbH 250 000 Euro von K. zurück. Mit der Begründung, vereinfacht gesagt, Amandus K. habe als Geschäftsführer gleich mehrere Pflichten verletzt.

In diesem Verfahren erscheinen weder Insolvenzverwalter noch Amandus K. selbst vor Gericht, aber ihre jeweiligen Rechtsanwälte. Und auf den Zuschauerplätzen viele Rentner. „Er soll wissen, dass wir ihn nicht aus den Augen lassen“, hatte mal eine ältere Dame mit Blick auf den Ex-Manager das ungebrochene Interesse der eingeschworenen Opfer-Gemeinschaft begründet.


Keine gütliche Einigung erwünscht


Zum gestrigen Auftakt versuchte der Richter zunächst eine gütliche Einigung zu erzielen. „Kommt jetzt nicht in Betracht“, sagte K.‘s Rechtsanwalt Dietmar Rudloff. Der Insolvenzverwalter als Kläger hatte vorgeschlagen, in den kommenden sechs Jahren eine bestimmte Summe Geldes von K. einzuziehen. Da der offenbar kein Vermögen besitzt, solle gepfändet werden, was bei ihm an Hab und Gut zu pfänden ist und in die Insolvenzmasse einfließen. Das lehnt Rudloff ab.

Sein Mandant war von Mitte der 1990er-Jahre bis Ende Oktober 2005 nicht nur Geschäftsführer von zwei Immobilien-Fonds der Volkssolidarität, der die Rentner ihr Erspartes anvertrauten, sondern auch von verflochtenen Firmen – wie dem Spätsommer-Verlag, der mit Flyern und Broschüren Anleger warb. K. hat nun als Manager der Volkssolidarität-Sozial Immobilien GmbH einen sechsstelligen Kredit an den Verlag ausgereicht. Und das hätte er nach Meinung des Insolvenzverwalters nicht tun dürfen, weil der Kredit überhaupt nicht gesichert war. Zu diesem Zeitpunkt sei die Immobiliengesellschaft bereits pleite gewesen. K. hätte die Reißleine ziehen und Insolvenzantrag stellen müssen, meinen die Kläger. Stattdessen habe er weiter frisches Geld von Anlegern eingeworben. Ein Schneeballsystem, in dem laut Staatsanwalt allein zwischen 2004 und 2005 rund 1,1 Millionen Euro der zumeist älteren Anleger versickert sind.


Richter sieht Anhaltspunkte


Als K. aus der Volkssolidarität ausschied, führte Lothar V. die Geschäfte allein weiter. Dem heutigen Rentner blieb wegen einer Demenz der Strafprozess erspart. Gleichwohl fordert der Insolvenzverwalter in einem weiteren Zivil-Verfahren auch von ihm Schadensersatz. Sein Vertreter hat die Güteverhandlung offenbar nicht abgelehnt. „Wir verhandeln gegenwärtig über einen Vergleich“, bestätigte gestern der Kläger-Anwalt ohne Details zu nennen.

Der Richter im Verfahren gegen K. gab zu erkennen, dass er durchaus Anhaltspunkte für eine Verletzung der Geschäftsführerpflichten sieht. Sein Urteil will er am 11. Juli verkünden. Der Strafprozess am Rostocker Landgericht, in dem Amandus K. Betrug und Insolvenzverschleppung vorgeworfen wird, soll Montag fortgesetzt werden.


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