Krakower Pflegeeinrichtung vor dem Aus : Vorwürfe im Pflege-Skandal

Ein Angehöriger einer Pflegebedürftigen wirft dem Landkreis Rostock „haarsträubende Vorgehensweise“ vor. Der Kreissprecher widerspricht allerdings vehement.

svz.de von
03. Juni 2016, 21:00 Uhr

Schwere Vorwürfe im Pflege-Skandal gegen den Landkreis Rostock: Der Lüssower Welf Kowalski, dessen Schwiegermutter in der Krakower Pflegeeinrichtung des Pflege- und Betreuungsdienstes „Elisa“ untergebracht ist, die wegen schwerer Mängel geschlossen werden soll (SVZ berichtete), wirft dem Landkreis eine „haarsträubende Vorgehensweise und Lügen“ vor. „Der Landkreis hält uns als Angehörige hin und informiert uns nicht über geplante Maßnahmen“, sagt er. Zudem sei seine Schwiegermutter bei der Durchsuchung der Pflegeeinrichtung gegen ihren Willen untersucht worden. „Der Landkreis ist nicht bereit, mit uns über dieses Thema zu sprechen. Alle lassen sich verleugnen“, so Welf Kowalski.

Er könne zwar die Gesamtsituation nicht beurteilen, aber seine Schwiegermutter fühle sich in der Einrichtung wohl und werde gut betreut, sagt der Lüssower. „Wir sind regelmäßig vor Ort und wissen, dass es ihr gut geht.“ Gleichzeitig müssten er und seien Frau „viel Schmutz über sich ergehen lassen“ und würden als „Rabenkinder“ beschimpft, weil sie ihre Mutter in diese Einrichtung gegeben hätten. Welf Kowalski lässt seine Schwiegermutter in diesem Fall von einem Anwalt vertreten.

Michael Fengler, Sprecher des Landkreises Rostock, weist diese Vorwürfe auf SVZ-Nachfrage entschieden zurück. „Herr Kowalski hat sich über die Durchführung der Maßnahmen bei uns beschwert und ihm wurde auch geantwortet“, sagt er. Der Landkreis sei für alle da, die pflegebedürftige Angehörige in den betroffenen Einrichtungen hätten. „Unsere Heimaufsicht hat eine Beratungspflicht. Und auch der Pflegestützpunkt in Güstrow steht bereit“, so Fengler. Es habe bereits mehrere Fälle gegeben, bei denen Angehörige vom Landkreis beraten worden wären, einen neuen Platz in einer anderen Pflegeeinrichtung zu finden. „Wir helfen auch Herrn Kowalski in dieser Angelegenheit“, unterstreicht Fengler.

Die Heimaufsicht des Landkreises hatte nach Hinweisen im April drei Pflegeeinrichtungen in Güstrow und Krakow am See des Pflegedienstes „Elisa“ kontrolliert und den weiteren Betrieb untersagt. In einer Einrichtung in Krakow am See habe die Heimaufsicht z.B. festgestellt, dass sie die gesetzlichen Qualitätsanforderungen an den Betrieb einer solchen Einrichtung nicht erfülle. Fengler damals: „Die Unterbringung der Bewohner ist würdelos.“ So bestünden gravierende hygienische, pflegefachliche und bauliche Mängel. Ein Aufzug fehle, sanitäre Einrichtungen wären nicht barrierefrei, Bewohner zum Teil in Durchgangszimmern untergebracht. Zwei Personen waren aufgrund ihres schlechten Zustands bereits während der Kontrollen in ein Krankenhaus eingewiesen worden.

Die Krakower Einrichtung musste per Gerichtsbeschluss gestern geschlossen werden. Verantwortlich dafür ist die Betreiberin. Bis Redaktionsschluss war nicht klar, ob sie dem Beschluss tatsächlich nachgekommen ist. „Der Landkreis wird das kontrollieren“, kündigt Fengler an.

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