Erinnerungen : „Vorüber, vergessen aber nie“

Michael Hansen während seiner Lesung in der Uwe-Johnson-Bibliothek.
Michael Hansen während seiner Lesung in der Uwe-Johnson-Bibliothek.

Michael Hansen stellte in der Uwe-Johson-Bibliothek seine Erinnerungen „Mann, wo ist die Zeit geblieben“ vor

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03. März 2015, 06:00 Uhr

Er stand viele Male vor der Kamera oder auf der Bühne. Aber als Michael Hansen jetzt in der Uwe-Johnson-Bibliothek sein im Verlag Neues Leben erschienenes Buch „Mann, wo ist die Zeit geblieben“ vorstellte, war er doch etwas aufgeregt, bekennt er. Schließlich trug er seine Erinnerungen in seiner Geburtsstadt Güstrow vor, wo ihn einige Besucher der Lesung noch als Klaus Schibilsky kennen.

Der warmherzige Applaus zur Begrüßung dürfte auch die letzte Nervosität des Künstlers beseitigt haben. Bevor er sich an den Lesetisch setzte, griff Michael Hansen zur Gitarre und eröffnete den Abend mit seinem Lied „Mann, wo ist die Zeit geblieben“. Nach diesem Titel seiner 2002 erschienenen Doppel-CD hatte er auch seine 2013 geschriebenen Erinnerungen benannt.

Mit Erinnerungen an die Nachkriegszeit, als Lebensmittel schwarz gehandelt und das Überleben schwer war, begann Michael Hansen seine Lesung. „Bei allen Entbehrungen hatte ich eine unbeschwerte und glückliche Kindheit und Jugendzeit“, berichtete der Güstrower. Dazu zählte er auch die Zeit an der John-Brinckman-Schule, an der er 1959 das Abitur ablegte. Natürlich gehörte zu seinem Güstrow-Besuch auch eine Visite seines Gymnasiums. „Es ist ja alles beim Alten geblieben, hat sich nichts verändert“, stellte er unter beifälligem Schmunzeln der Besucher fest. Nach der Schule studierte Klaus Schibilsky an der Universität Rostock, legte das Staatsexamen als Diplomingenieur für Schiffsmaschinenbau ab und gründete schon als Student die Unterhaltungs- und Jazzband „Studiosi-Quintett“. Eine seiner auf der Lesung vorgetragenen Episoden war den Schwierigkeiten mit der Awa – „Anstalt zur Wahrung der Aufführungsrechte“, vergleichbar mit der heutigen Gema – gewidmet. Aber die Anstalt erfasste die gespielten Titel nicht nur, um Komponisten und Texter zu entlohnen. Die Awa achtete auch auf die Einhaltung der Anweisung, dass 60 Prozent der interpretierten Titel aus dem Osten und nur 40 Prozent aus dem Westen, also vom Klassenfeind, kommen durften. „Wir haben uns damals viel einfallen lassen und nach den Konzerten mit klopfendem Herzen viele Osttitel, die wir gar nicht gespielt hatten, auf die Liste geschmuggelt“, erinnerte sich der Künstler. Bereits in seiner Studienzeit hatte der Güstrower erfolgreich beim Rundfunk vorgesungen und 1966 seinen ersten Titel „Spiel nicht mit dem Glück“ aufgenommen.

Klaus Schibilsky baute aber keine Schiffe, sondern startet unter seinem Künstlernamen Michael Hansen eine überaus erfolgreiche Karriere als Schlagersänger, Komponist und Produzent. Heute lebt der 74-Jährige im brandenburgischen Wandlitz, tritt bei Veranstaltungen und Lesungen auf und komponiert. Außerdem engagiert er sich seit 15 Jahren als Präsident der Gesellschaft Elbelandfestspiele Wittenberge und als musikalischer Leiter des 2004 von ihm mitbegründeten Kinder-Musical-Theaters Berlin in zwei für ihn wichtigen Projekten.

Die Frage „Mann, wo ist die Zeit geblieben?“ konnte Michael Hansen auf seiner Lesung nicht beantworten. „Vergangen, vorüber – vergessen aber nie“, singt er in seinem Lied.
 

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