Ganschow : Vorliebe für Kunst im öffentlichen Raum

Das Modell für den monolithischen Basalt, mit dem Lewandowski den Wettbewerb in Greifswald gewann.
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Das Modell für den monolithischen Basalt, mit dem Lewandowski den Wettbewerb in Greifswald gewann.

Besuch bei Peter Lewandowski, Bildhauer in Ganschow / Oeuvre vielschichtig und umfangreich / Nach sechs Lebensjahrzehnten Personalausstellung in Wollhalle !?

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28. Juli 2014, 06:00 Uhr

Etwas abseits vor dem Güstrower Bürgerhaus steht eine Skulptur aus dem Naturstein Travertin von Peter Lewandowski. Stellt sie eine Madonna dar, rätseln die einen, soll es eine Mutter mit Kind sein, vermuten die anderen. Der Bildhauer schweigt und trägt nicht zur Aufklärung bei. Schon der Name für ein Kunstwerk gibt dem Betrachter eine Interpretationsrichtung vor und engt das Rezeptionsfeld ein, fürchtet er. „Kunst eröffnet uns neue Räume, dem Künstler, aber auch dem Betrachter, wenn er sich darauf einlassen will“, sagt der 60-Jährige.

Diese Haltung durchzieht wie ein roter Faden das Schaffen des in Ganschow lebenden Künstlers. Symptomatisch dafür ist eine Begebenheit, die schon 25 Jahre zurück liegt. Im Anschluss an ein Symposium wurden die Teilnehmer vom Veranstalter aufgefordert, ihre Kunstwerke zu erklären. Ein Bildhauer nach dem anderen folgte der Bitte, nur Peter Lewandowski verweigerte sich. „Ich wollte, dass meine Arbeit zu den Betrachtern spricht und forderte sie auf, zu sagen, was sie sehen“, erinnert er sich. Nach Momenten der Sprachlosigkeit habe sich dann eine intensive Diskussion über Kunst entwickelt.


Metier: Hölzer, Steine, aber auch Collagen


Peter Lewandowski, in Rostock geboren, schloss sein Studium an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee mit dem Diplom als Bildhauer ab. Sein Metier sind Hölzer und Steine, aus denen er seine Skulpturen gewinnt. Neben zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland – u.a. Basel, Berlin, Luxemburg, Salzburg, Hamburg, Ahrenshoop – gilt sein besonderes Interesse der Kunst im öffentlichen Raum. Vor fünf Jahren gewann er einen Wettbewerb zur Gestaltung eines Kommunikationspunktes in einer Fußgängerzone in Greifswald. Mit seinem Beitrag, einem monolithischen Basalt, um den sich Granitblöcke als Sitzgelegenheiten gruppieren, setzte er sich gegen sieben Mitbewerber durch. Weitere Arbeiten Lewandowskis finden sich im polnischen Oronzko, im Stadtpark von Idschewan, Armenien, oder in einer Parkanlage in Hoyerswerda. Keine Gegenliebe bei Güstrows Stadtvertretern fand seine Idee, vor dem Bahnhof eine lebensgroße Skulptur des Reisenden aufzustellen. Mit der Arbeit als Kleinplastik war Lewandowski auf der 10. Kunstausstellung der DDR 1987/88 in Dresden vertreten. Auch da stieß die Darstellung eines Reisenden, der vielleicht das Land verlassen will, nicht gerade auf Begeisterung bei den Kulturfunktionären.

Neben der Bildhauerei sind es Collagen, die den Künstler herausfordern und seit dem Studium begleiten. „Collagen stellen ein eigenes Hoheitsgebiet mit eigenen Gesetzen dar. Es ist eine andere Sprache, mit der ich mit dem Betrachter kommunizieren kann“, sagt er. Diese Kunstgattung rückte wieder mehr in den Mittelpunkt, als er von 2010 bis 2013 in Caracas, Venezuela, lebte und arbeitete. Er begleitete seine Frau, die in dem südamerikanischen Land einen Lehrauftrag erfüllte, und sammelte viele neue Erfahrungen. Dazu gehörten Gespräche mit Künstlern und eine Ausstellung in Bueno Pues. „Aber das Land ist wie eine andere Welt. Es ist schwer, dort Wurzeln zu schlagen“, sagt er. Zurückgekehrt zu den eigenen Wurzeln, nach Mecklenburg, sind es Findlinge, die ihn faszinieren. Vom Landwirt eher als Ärgernis vom Feld gesammelt, entdeckt Peter Lewandowski darin Ideen für Kunstwerke. „Bei der Bearbeitung offenbart sich häufig die schöne Struktur, die dem Material innewohnt“, versichert er.

Das Oeuvre des Künstlers Peter Lewandowski ist vielschichtig und umfangreich. Gern würde er nach sechs Lebensjahrzehnten sein Werk in einer größeren Personalausstellung zeigen. Vielleicht in der Städtischen Galerie Wollhalle?

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