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Storchentradition : Vor 93 Jahren: Der erste Storch landet

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Nest in der Schweriner Straße, früher oft abgebrannt, doch stets bei Rotstrümpfen begehrt

Kein rundes, aber doch ein kleines historisches Datum jährt sich am Sonntag: Vor 93 Jahren, am 27. April 1921, nistete in der Schweriner Straße in Güstrow erstmals ein Storch. Der setzte sich damals auf den Schornstein der einst hier ansässigen Fischräucherei Hennings, baute sich sein Nest zurecht und brütete.

Dies hat unser Leser Georg Weber jetzt herausgefunden. Der 95-Jährige, heute im Betreuten Wohnen in der Schnoienstraße zu Hause, ist in der Nachbarschaft des Storchennestes groß geworden. „Damals war das die Nummer 12. Jetzt habe ich beim Stöbern in meinem persönlichen Notizbuch und beim Nachtragen verschiedener Daten diesen Vermerk entdeckt“, erzählt Georg Weber der SVZ-Lokalredaktion. Die Eintragung müsse er gemacht haben, nachdem ihm einer seiner Altvorderen davon berichtete, denn er selbst hätte ja noch nicht schreiben können, als die ersten Rot-strümpfe sich auf dem Gelände sesshaft eingerichtet hatten. Georg Weber erzählte auch, dass das Nest öfter durch das Räuchern abbrannte und erneuert werden musste.

Auch deshalb erfolgte eine Umsetzung auf einen extra installierten Mast, auf dem heute noch die Adebare jedes Frühjahr klappern. Im Zuge des Neubaus der heutigen Autowerkstatt Plaschek und Plaschek 1990 musste Hans-Dieter Plaschek die alte Werkstattscheune abreißen. Auf diesem Grundstück, in der damaligen Nummer 11, stand Plascheks Geburtshaus. Dessen Großvater Ernst Ott hatte in den 1920er-Jahren das Familienunternehmen gegründet. Nach der politischen Wende in der DDR war die Zeit reif und die Gelegenheit da zum Neubau. „Doch die Baugenehmigung habe ich erst bekommen, nachdem der Mast gesetzt wurde“, erinnert sich der heute 71-Jährige an einige Querelen der Neuzeit. 4 Kubikmeter Beton habe er als Fundament benötigt, und ein 40-Tonner-Kran habe rangemusst, um den großen Mast zu setzen. Auch etwa 15 Meter weiter von der Straße weg musste das neue Domizil für die Störche errichtet werden. „Der Storch hat sich davon nicht stören lassen, der setzte sich gleich wieder auf den neuen Horst“, erinnert sich Hans-Dieter Plaschek.

Fast auf den Tag genau zwei Monate früher als vor 93 Jahren traf in diesem Jahr der erste der „Plaschek-Störche“ ein – so früh wie nie zuvor beobachtet. Damit scheint sich eine Tendenz fortzusetzen, die Storchenväter seit einigen Jahren beobachten. „Ich freue mich immer, wenn die Störche da sind und brüten, so wie in diesen Tagen. Aber wir sind auch froh, wenn sie wieder losgezogen sind“, verhehlt Hans-Dieter Plaschek nicht seine Freude über das Wunder der Störche, will aber auch deren naturbedingten „Hinterlassenschaften“ nicht außer Acht lassen.

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