20 Fragen : Von Kartoffelkäfern und Reiselust

Dr. Ingbert Gans engagiert sich im Güstrower Kunst- und Altertumsverein.
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Dr. Ingbert Gans engagiert sich im Güstrower Kunst- und Altertumsverein.

20 Fragen an Dr. Ingbert Gans: der langjährige Direktor des Lung in Güstrow und Organisator der Güstrower Kunstnacht lebt in Mühl Rosin

Dr. Ingbert Gans war von 2000 bis 2008 der 2. Vorsitzende des Kunst- und Altertumsvereins Güstrow und Organisator der Güstrower Kunstnacht. Der 1940 in Bad Blankenburg Geborene, floh Ende 1953 mit seiner Familie in die Bundesrepublik, machte in Gießen Abitur und studierte Physik. Anschließend arbeitete er 20 Jahre am Institut für Wasser-, Boden und Lufthygiene des Bundesgesundheitsamtes in Berlin im Strahlen- und Umweltschutz. Ab 1992 war er Direktor des Landesamtes für Umwelt und Natur (seit 1999 Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie MV (Lung)) in Güstrow. 2004 ging Gans in den Ruhestand. Seit 1982 ist er mit der Niederländerin Dina Lankhuyzen verheiratet, mit der er seit 1995 in Mühl Rosin lebt.

Wo ist Ihr Lieblingsplatz?
Im Sommer bei gutem Wetter auf unserer Terrasse, sonst im Wohn- oder in meinem Arbeitszimmer.
Was würden Sie als Bürgermeister in Ihrem Wohnort sofort ändern?
Nichts. Bürgermeister Dr. Blau und sein langjähriger Vorgänger Dr. Buchholz haben zusammen mit den Gemeindevertretern dafür gesorgt, dass das Leben in Mühl Rosin angenehm ist.
Wo kann man Sie am ehesten treffen?
Zu Hause.

Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Anfang der 1950er-Jahre suchten wir Kinder auf den Thüringer Kartoffelfeldern freiwillig Kartoffelkäfer und lieferten sie im Rathaus von Bad Blankenburg gegen Bezahlung ab.
Wofür haben Sie es ausgegeben?
Zunächst habe ich eisern gespart. Im Sommer 1953 hatte ich dann wohl so viel zusammen, dass ich mir ein Paddelboot kaufen wollte. Aber meine Eltern weihten mich in ihre Pläne ein, die DDR zu verlassen. Das war’s dann.
Was würden Sie gerne können?
Ich möchte endlich aktiv niederländisch sprechen. Wenn wir auf Familienbesuch in den Niederlanden sind, verstehe ich das Meiste. Aber mit dem Sprechen hapert es.
Was stört Sie an anderen?
Protzen, angeben und sich aufspielen – alles die Eigenschaften, die angeblich typisch für Wessis sind.
Worüber haben Sie zuletzt herzlich gelacht?
Über einen Witz eines Berliner Freundes, den er bei einem Besuch in Kühlungsborn erzählte. Leider vergesse ich Witze schnell.
Was haben Sie zuletzt Unvernünftiges getan?
Wir sind eine Woche zu früh bei Freunden zu einer Geburtstagsfeier erschienen.
Wer ist Ihr persönlicher Held und warum?
Ich halte es da heute mit Bert Brechts Galileo Galilei: „Unglücklich das Land, das Helden nötig hat.“ Als Jugendlicher empfand ich die Verschwörer des 20. Juli 1944 als Helden, da sie es zumindest versucht hatten – wenn auch viel zu spät – dem Morden ein Ende zu setzen.
Welches Buch lesen Sie gerade?
Von Lothar Baier „Die große Ketzerei – Verfolgung und Ausrottung der Katharer durch Kirche und Wissenschaft“ als Nachbereitung einer Studienreise nach Südwestfrankreich mit einer tollen Güstrower Reisegruppe unter Leitung von Dr. Pocher.
Welche Fernsehsendung verpassen Sie nie?
„Tagesthemen“, aber man sollte ja nie „nie“ sagen.
Wo trifft man Sie eher: bei einer Karnevalsfeier oder bei einem Fußballspiel?

Weder – noch.
Wen würden Sie gerne mal treffen?
Meine vor langer Zeit verstorbene Deutschlehrerin, um mich zu bedanken, dass sie mir und vielen meiner Klassenkameraden Literatur und insbesondere moderne deutsche Lyrik nahe gebracht hat.
Wenn Sie kochen: Was kommt dann bei Ihnen auf den Tisch, griechische, italienische, chinesische oder deutsche Gerichte?
Keine chinesischen, aber sonst alle genannten Gerichte, die meine Frau und ich zusammen kochen!
Mit welchem Lied verbinden Sie Ihre schönste Erinnerung?
Nana Mouskouris „Weiße Rosen aus Athen“ begleiteten Freunde und mich 1961 auf einer sechswöchigen Trampfahrt durch das touristisch noch nicht erschlossene Griechenland – eine Traumreise!
An welches Geschenk erinnern Sie sich noch gerne und von wem haben Sie es bekommen?
Meine Frau überraschte mich zuletzt mit dem Buch „Verschwundene Reiche“ des englischen Geschichtsprofessors Norman Davies.
Welchen Traum möchten Sie sich noch erfüllen?
Keinen einzigartigen Traum, aber viele kleine – Reisen, z.B. ins Baltikum, wo einer meiner Cousins in einem Soldatengrab aus dem 2. Weltkrieg liegt, nach Irland, nach Italien und vor allem nach Griechenland, wohin meine Frau und ich seit vielen Jahre immer wieder hinfahren.
Wie gestalten Sie ihre Freizeit als Rentner?
Als ich aufhörte zu arbeiten – meine Frau hatte einige Monate vorher aufgehört –, nahmen wir uns vor, niemals zu den Rentnern zu gehören, die keine Zeit haben. Neben den Pflichten, bleibt Zeit für Zeitung und Bücher Lesen, Musikhören, Spazierengehen, die Vorbereitung und Nacharbeit von Reisen, für Arbeit für den Kunst- und Altertumsverein Güstrow und andere Vereine. Da wir eine kleine Wohnung in Berlin haben, nutzen wir dort oft das kulturelle Angebot. Ich bin an der Freien Uni Gasthörer. Ambitionen für eine weitere akademische Karriere habe ich nicht, sondern genieße es, meine Kenntnisse in Philosophie, Geschichte, Literatur und anderen Gebieten zu erweitern.
Wem sollten wir diese Fragen ebenfalls stellen und warum?
Hans-Jürgen Quade in Mühl Rosin. Als früherer Geschäftsführer der Strabag in MV hat er an vielen Stellen zum Aufbau des Landes beigetragen. In Güstrow erfreuen sich noch heute viele Leute an den von der Strabag gebauten Häusern und Wohnungen am Magdalenluster Weg.











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