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Güstrower Anzeiger

18. Dezember 2017 | 07:58 Uhr

Stadtgeschichte : Von Hausnummer 82 zu Markt 30

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Reagiert: Ulana Winter schreibt aus Kanada über die Geschichte ihrer Familie Hirsch in Güstrow

Eine E-Mail aus Kanada traf in unserer Redaktion ein, geschrieben von Ulana Winter, in deren Familienbesitz einst das Haus Markt 30 war. Frau Winter meint, dass es wohl einige Fehler in unserer Berichterstattung über das durch Feuer am 14. August beschädigte Gebäude gegeben habe.

Ihr Urgroßvater, Ludwig Friedrich Hirsch, habe das Haus um 1860 gekauft und hier ein Feinkost-Lebensmittelgeschäft geführt. Dass ein Friedrich Lorentz hier gewohnt hätte, wäre ihr nicht bekannt. Da auch die Hausnummer zu Lorentz’ Geburt 1870 mit der Nr. 82 angegeben wurde, meint sie, dass es sich hier wohl um eine Verwechslung handele.

Für Klarheit sollte Ulrich Schirows nochmalige Recherche im Stadtarchiv sorgen. Der profunde Hobby-Historiker hat für uns folgendes herausgefunden:

Das heutige Haus Markt 30 ist im ältesten Adressbuch der Stadt aus dem Jahr 1874 tatsächlich mit der Nummer 82 aufgeführt. Der Hintergrund ist, dass damals noch alle Hausnummern in der Güstrower Innenstadt durchnummeriert waren. Straßennamen gab es noch nicht, also auch nicht die Adresse „Markt xx“. Im Adressbuch von 1877 wurde ebendieses Haus dann als Markt Nummer 30 aufgeführt, was bis heute die gültige Bezeichnung ist.

1874 war als Bewohner und Eigentümer ein Kaufmann Friedrich Lorentz benannt. Dies ist der Vater von Friedrich Lorentz, dem späteren Kaschubenforscher, der 1870 in diesem Haus geboren wurde. Kinder wurden in den Adressbüchern nicht geführt.


Nach Lorentz’ sen. Tod kauft Hirsch das Haus


Im Adressbuch von 1877 dann erscheint erstmals der Eigentümer Hirsch, also offenbar der Urgroßvater von Ulana Winter. Die Adressbücher von 1875 und von 1876 sind nicht mehr auffindbar. In der Zwischenzeit muss also Ludwig Friedrich Hirsch jenes Haus gekauft haben. Das wäre auch sehr gut denkbar, wenn man berücksichtigt, dass Friedrich Lorentz sen. sich 1875 das Leben nahm. Die Witwe Luise Lorentz, geb Brunswig, jedenfalls wohnte laut Adressbuch von 1877 schon nicht mehr im Markt 30, sondern in der Grepelstraße 8. Offensichtlich also hat sie das Haus am Markt nach dem Tode ihres Mannes verkauft und ist 1875/76/77 ausgezogen. In der Grepelstraße wohnte die Witwe mindestens bis 1881. 1883 ist sie im Güstrower Adressbuch nicht mehr zu finden, hier verliert sich ihre Spur in Güstrow. Offenbar ist sie inzwischen wohl schon nach Wismar gezogen, wo der junge Friedrich Lorentz das Abitur machte.

Für Frau Winter scheint nun Klarheit in die Sache zu kommen, wie sie uns gestern antwortete. „Das Haus war wohl schon ausreichend ausgestattet, so dass es meinem Urgroßvater leichter fiel, das Geschäft zu leiten.“ Nach Urgroßvater Hirschs Tod jedenfalls blieb das Haus in Händen der Familie, bis Paul Hirsch, Ulana Winters Großvater, 1966 in diesem Haus starb. Danach sei es von der Stadt „als HO oder ähnliches“ geleitet und die Zimmer darüber vermietet worden. „Um 1990 hat meine Mutter, Ursula Winter geb. Hirsch, das Haus zurück bekommen, da ihr Vater es ihr in seinem Testament vermacht hatte. Bald danach haben wir es verkauft.“ Ursula Winter, inzwischen 92, lebe noch bei ihr in Kanada, schreibt Ulana Winter, einen Teil der Familiengeschichte der Hirschs den Güstrowern in Erinnerung rufend.

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