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Güstrower Anzeiger

11. Dezember 2017 | 23:56 Uhr

Sucht : Von der Sucht in ein neues Leben

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Das „Haus Zuflucht“ in Groß Upahl feierte gestern 25-jähriges Bestehen – 1140 Suchtkranke wurden hier bislang betreut.

„Fünf Prozent, die betrunken irgendwo stehen oder liegen, sehen wir, fünf Prozent der Alkoholabhängigen schaffen es, der Droge Nummer 1 zu entsagen und abstinent zu leben, aber 90 Prozent laufen mit Schlips und Kragen herum und befinden sich bei rund 2,4 Millionen Alkoholkranken in Deutschland in einem kritischen Bereich im Umgang mit Alkohol “, sagt Ulrich Klawitter, Landesvorsitzender des Blauen Kreuzes. Klawitter hielt gestern die Andacht zum 25-jährigen Bestehen vom „Haus Zuflucht“ in Groß Upahl. Träger der Nachsorgeeinrichtung für Suchtkranke ist die Evangelische Suchtkrankenhilfe Schwerin.


Acht Beschäftigte betreuen 30 Klienten


Zu der Feier begrüßte Leiterin Angela Langer ehemalige Klienten, Mitarbeiter aus anderen Einrichtungen im Diakonischen Werk Mecklenburg, aus Kliniken und aus dem Gesundheitsamt des Landkreises. Karin Wien, Leiterin des Frauenschutzhauses Güstrow, hielt einen Vortrag über ein seit 2015 laufendes regionales Kooperationsmodell, das die Versorgung von Gewalt betroffener Frauen, die ein Suchtproblem haben, verbessern soll. Das „Haus Zuflucht“ beteiligt sich an dem Netzwerk, weil es acht Plätze für suchtkranke Frauen anbietet.

Insgesamt gibt es in Groß Upahl für Suchtkranke 30 Plätze in einem alten Pfarrhaus und drei weiteren Gebäuden. Es geht meist um die legale Droge Alkohol, um Medikamente, illegale Drogen, Spielsucht und die ersten Medien abhängigen Klienten. „Ein Trend dabei ist die Mehrfachabhängigkeit“, sagt Angela Langer. In den 25 Jahren wurden 1140 Klienten betreut, darunter 185 Frauen und 955 Männer. Die größte Gruppe sind die 31- bis 40-Jährigen (33 Prozent). Einer von ihnen ist René Henning. Der Papendorfer war 33 Jahre als er nach Groß Upahl kam. „Durch die Therapie sowie Einzel- und Gruppengespräche und mit einem festen Willen habe ich seit 20 Jahren keinen Tropfen Alkohol getrunken“, erzählte er.

In der Einrichtung arbeiten acht Beschäftigte – Sozialpädagogen, Sozialarbeiter sowie Gesprächs-, Ergo- und Arbeitstherapeuten. Die Arbeits- und Ergotherapie läuft in gut ausgestatteten Werkstätten, darunter eine Holz-, Metall- und Kreativwerkstatt. Im vier Hektar großen Außenbereich gibt es einen Garten und Kleintierhaltung. Außerdem wird Sporttherapie angeboten. Angela Langer: „Es ist eine Freude, unseren zwei Volleyballteams zuzuschauen.“ Im „Haus Zuflucht“ gilt das Prinzip Hilfe zur Selbsthilfe. Darauf ist die Soziotherapie ausgerichtet. Klienten arbeiten z.B. in der 2003 sanierten Küche mit. Dazu kommen Projekte, in denen u.a. ein Weidendom und ein Modell der Kirche Karcheez zur 775-Jahr-Feier des Dorfes entstanden.

Als Ziele formuliert Langer eine zufriedene Abstinenz sowie einen strukturierten Tagesablauf, der nach sechs Monaten Therapie im Alltag weiter gelebt werden soll, damit nicht Langeweile und Einsamkeit die Oberhand gewinnen. Außerdem sollen die Klienten Stärken und Schwächen erkennen sowie ihre Konzentration, Ausdauer und Belastbarkeit steigern. Angela Langer: „Unsere Zuflucht ist für viele eine Lebenskreuzung, ein Scheideweg, das Leben auf den Kopf zu stellen und Neues anzufangen, ohne Suchtmittel. Als engagierte Mitarbeiter werden wir deshalb weiter gegen den Trend, einmal Sucht, immer Sucht, arbeiten.

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