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Güstrower Anzeiger

22. November 2017 | 16:07 Uhr

SVZ-Serie : Vom Aussterben weit entfernt

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

SVZ-Serie „Min lütt Dörp“: Nienhagen ist ein kleiner Ortsteil der riesigen Gemeinde Lalendorf / Gesunde Altersstruktur

von
erstellt am 06.Jan.2015 | 23:30 Uhr

Die Dorfschule – um 1900 gebaut – hat schon vieles gesehen und erlebt. Hier gingen nicht nur Kinder zur Schule, hier lebten Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg, besuchten Mädchen und Jungen den Kindergarten und wurden Lebensmittel sowie die Dinge für den täglichen Bedarf verkauft. 1995 suchten Katrin (49) und Michael (50) Moratz ein neues Zuhause, verliebten sich auf den ersten Blick in das alte Schulgebäude und wohnen nun darin. Nienhagen sei eine gute Wahl gewesen, sagen sie heute.

Mit Liebe zum Detail und der Unterstützung handwerklich sehr begabter Verwandter sanierte die Familie mit zwei Kindern, die heute aus dem Haus sind, das alte Schulhaus. Nur für das Dach und die Fenster habe man Fachfirmen beansprucht, erzählt Katrin Moratz, die selbst in einem Ingenieurbüro für Baustatik arbeitet. Der ehemalige Klassenraum harrt noch einer Nutzung. „Unsere Ausbaureserve“, sagt Michael Moratz.


Nähe zur Autobahn – Segen und Fluch


„Wir schätzen die Ruhe, haben einen schönen alten Obstbaumbestand im Garten erhalten und können hier Meisen, Kleiber und andere Vögel beobachten“, erklärt der gebürtige Brandenburger, der für einen Energieversorger arbeitet. Die nahe Autobahn sei verkehrstechnisch betrachtet ein unschlagbarer Vorteil, störe aber natürlich dann und wann je nach Windrichtung die Idylle. „Der Verkehr hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen“, beobachtet Michael Moratz. Er und seine Frau schätzen eine angenehme Nachbarschaft. Vor nicht langer Zeit sei eine junge Familie eingezogen. „Nienhagen hat eine gesunde Altersstruktur“, schätzt Katrin Moratz ein. Die Kinder, das weiß man aus eigener Erfahrung, seien aber zu weiterführenden Schulen ewig mit dem Schulbus unterwegs. Eigentlich sei es für Kinder nicht zumutbar, denkt die Mutter. Im Dorf sei alles in Ordnung, im Umfeld bleiben Wünsche offen. So ärgern sich Katrin und Michael Moratz über Müll im Wald. Von der Autobahn würde wohl so mancher Firmenwagen links oder rechts ranfahren und Bauschutt abladen. Auch beklagt Michael Moratz die Intensivierung in der Landwirtschaft. Bei hoher Phosphatbelastung sei beispielsweise der Ziest inzwischen fürs Baden eher ungeeignet.


Keine Menschenseele tagsüber zu sehen


„Nicht so viel Stress wie in der Stadt“ mag Christian Wille (36), der mit Frau und Tochter im Haus seiner Schwiegereltern in Nienhagen wohnt. Für die kleine Franka (2) würde er sich einen größeren Spielplatz wünschen. Auch sollte der Teich ganz eingezäunt werden, meint der Vater und denkt dabei an die Sicherheit für seine Tochter.

Gleich in der Nähe des Teiches wohnt Clara Katzig (92). Sie war 1949 nach Nienhagen gekommen, lebte bis 1993 im alten Schulhaus. Nach einer Unterbrechung kehrte sie vor etwa zehn Jahren zurück und wohnt nun im Haus der Enkeltochter. „Ich bin mit meinem Leben hier zufrieden, aber manchmal überfällt mich die Einsamkeit“, sagt die 92-Jährige. Oft schaue sie aus dem Fenster und sehe keine Menschenseele. „Die Leute fahren morgens zur Arbeit und kommen abends zurück“, erklärt sie die Situation. Früher sei das anders gewesen. Mehr Leben, schöne Feste und beispielsweise eine rege Ortsgruppe des DRK habe es in Nienhagen gegeben, erzählt Clara Katzig.

Froh ist 92-Jährige, dass es im Dorf noch eine kleine Gruppe

 

von vier Frauen gibt, die sich regelmäßig treffen. Einmal in der Woche spielt man Karten und plaudert miteinander – eine höchst willkommene Abwechslung.

 

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