Immobilienskandal der Volkssolidarität : Volkssolidarität-Opfern rennt die Zeit davon

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Im VS-Immobilienskandal droht nun auch Grundschuldinhabern die Verjährung. Sie haben lediglich drei Jahre Zeit, um ihre Ansprüche gegenüber den Grundstückseigentümern geltend zu machen, sonst verfallen diese.

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11. November 2012, 10:23 Uhr

Rostock/Güstrow | Im Volkssolidaritäts-Immobilienskandal droht nun auch Grundschuldinhabern die Verjährung. Sie haben lediglich drei Jahre Zeit, um ihre Ansprüche gegenüber den Grundstückseigentümern geltend zu machen, sonst verfallen diese. "Die Sachlage ist sehr kompliziert", sagt Rechtsanwalt Sven Wilken von der Kanzlei Andresen. Er berät den Interessenverband der Geschädigten im Immobilienskandal der Volkssolidarität (VS). Derzeit laufen zwar mehrere Klage- und Schlichtungsverfahren, die haben aber Schadensersatzklagen gegen die VS-Kreisverbände Bad Doberan/Rostock Land und Mecklenburg Mitte sowie den VS-Landes- und Bundesverband zum Inhalt (wir berichteten). Der Vorwurf: Sie als Verkäufer und Werber sollen die Anleger bewusst falsch beraten haben.

Diese Verfahren sind völlig unabhängig von den Rückerstattungsansprüchen zu betrachten, die die Anleger in Bezug auf ihre Einlagen in die VS-Sozial-Immobilienfonds GmbH & Co. KG sowie die VS-Sozial-Immobiliengesellschaft mbH haben. Beide Gesellschaften gingen 2009 pleite, mussten Insolvenz anmelden. Allerdings sind 1,8 Millionen Euro der Einlagen von 440 Fonds-Anlegern durch Grundschulden abgesichert. Das Problem: "Wenn die Rückzahlungsforderung gegenüber den Fonds nicht mehr da ist, dann entfällt auch der Anspruch auf die Grundschuld", sagt Dr. Alexander Mahlke, ebenfalls von der Kanzlei Andresen. Um die Ansprüche zu wahren, muss die Forderung beim Insolvenzverwalter der Gesellschaften angemeldet und in die Gläubiger-Tabelle eingetragen werden. Das muss in den meisten Fällen bis Ende des Jahres geschehen, damit nicht die Verjährungsregelung greift.

"Das ist ein ganz fürchterliches Schwert, das über uns schwebt", sagt Gottfried Hörnig, Vorsitzender der Interessengemeinschaft. Wenn die Betroffenen jetzt nicht handelten, sei es zu spät. Etwa die Hälfte von ihnen habe schon auf ihre Ansprüche verzichtet, nachdem die VS-Anwälte ein Schreiben verschickt hatten, demzufolge die Grundschuld-Eintragungen angeblich unwirksam seien. "Das wird von uns anders eingestuft", sagt Mahlke. Dennoch zeige ein Blick auf die vielen Streichungen in den Grundbüchern, dass das Schreiben gewirkt habe. "Die Zeichen stehen nicht auf Einigung, die Volkssolidarität wird nichts freiwillig zahlen", sagt Mahlke.

Er sieht gute Chancen für die Betroffenen, sich über die Grundschuld ihr Geld zurückzuholen. Die vier Grundstücke, die als Sicherung dienen, beherbergten wichtige Einrichtungen, die sie für Investoren interessant machten. Konkret handelt es sich um einen Kindergarten in Güstrow-Dettmannstorf, das Haus der Generationen Güstrow und ein Wohnheim in Laage sowie um den Hoppenhof in Teterow. Den Betrieb der Einrichtungen sieht Mahlke selbst nach einer Zwangsversteigerung der Grundstücke nicht gefährdet. Denn sie seien in jedem Fall zu wichtig für die Kommunen. "Was wir bislang als Sicherung in den Grundbüchern gesehen haben, sollte durch einen Verkauf zu erzielen sein", sagt Mahlke. Zumal keine Banken als Gläubiger eingetragen seien.

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