Vogelbeobachtung : Vogelparadies am letzten Teich

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Drei Jahre Vogelbeobachtung am letzten verbliebenen Teich der Zuckerfabrik Güstrow / Vortrag Donnerstag in Kreisvolkshochschule

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01. November 2014, 06:00 Uhr

Die Zuckerfabrik gibt es in Güstrow nicht mehr. Dort, wo sich einst die Absetzteiche an beiden Seiten der Glasewitzer Chaussee befanden, stehen heute Fotovoltaikanlagen. Nur ein Teich ist geblieben. Dafür sorgte die Fachgruppe Ornithologie der Nabu-Ortsgruppe Güstrow. Der Kampf um den Teich hat sich gelohnt, schätzt Joachim Loose heute ein. Eine sehr bunte Vogelwelt hat hier am Rande der Barlachstadt weiter einen Platz für Brut, Nahrungssuche und Rast.

Über dieses Biotop aus Menschenhand berichtet Joachim Loose am Donnerstag, 6. November, ab 19 Uhr in der Kreisvolkshochschule. Schon seit 1971, so der Vorsitzende der Nabu-Ortsgruppe, beobachten die Vogelfreunde den Bereich mit den verschiedenen Teichen der Zuckerfabrik und stuften ihn als besonders wertvoll für die Vogelwelt ein. Als an der Stelle der Teiche Sonnenkollektoren aufgestellt werden sollte, mahnte die Nabu-Ortsgruppe den besonderen Wert des Areals an und erreichte schließlich, dass in der Bauplanung eine etwa fünf Hektar große Fläche ausgespart wurde. Ein Teich blieb erhalten. Der Nabu-Ortsgruppe wurde ein dreijähriges Monitoring auferlegt. Drei Jahre lang beobachteten Joachim Loose und Wolfgang Köhler die Vogelwelt am verbliebenen nur etwa 20 bis 30 Zentimeter tiefen Teich. Ein- bis zweimal in der Woche nutzten sie zwei Kanzeln für die Beobachtung der Vögel. Gezählt wurden 112 Vogelarten. 60 davon will Joachim Loose am Donnerstag mit vielen Bildern in seinem Vortrag vorstellen.

Er nennt beispielsweise 20 Schnepfenvögel – sie stochern auf der Suche nach Nahrung mit ihren langen Schnäbeln im Schlamm herum –, darunter Grünschenkel und Bekassinen. Hinzu kämen alle denkbaren Enten von der Löffel- über die Pfeif- bis zur Krickente, aber auch so seltene Vögel wie den Teichwasserläufer, das Odinshühnchen, Kampfläufer, Flussregenpfeifer und Seeschwalben. Im Oktober kämen die nordischen Gänse (Saat- und Bleßgänse), die den Teich als Schlafplatz nutzen. Auch Kraniche, so berichtet der Güstrower, würden sich hier zur Nacht niederlassen.

Die Solarmodule hätten keinen Einfluss auf die Vogelpopulation am und auf dem Teich. Störenfriede seien eher Seeadler und weitere Greifvögel. „Bei solchen Störungen fehlen jetzt leider Ausweichteiche, wie es sie früher gab“, erklärt Joachim Loose. Die Vögel müssten nun lange kreisen, bis sich die Störenfriede wieder verzogen haben. Befürchtungen, dass der letzte verbliebene Teich, der nun nicht mehr mit den Wässern aus der Zuckerfabrik gespeist wird, zu wenig Nährstoffe aufweisen könnte, hätten sich nicht bestätigt. Für die Regulierung des Wasserstandes sei eine Pumpe eingebaut, die bei Bedarf Grundwasser an die Oberfläche bringt, erklärt Joachim Loose. Wann das notwendig ist, entscheiden die passionierten Hobbyornithologen.

Übrigens überlegt man in der Ornithologie-Fachgruppe, ob man im nächsten Jahr eine Vogelbeobachtung am Teich anbietet. Vom Betreiber der Solaranlage habe man ein Okay für solche Veranstaltungen.

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