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Min lütt Dörp : Vogelgezwitscher weckt Marienhofer

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Marienhof hat 36 Einwohner und gehört zur Stadt Krakow am See

von
erstellt am 27.Mai.2015 | 06:00 Uhr

Die einen wohnen schon fast immer dort. Andere kehren immer wieder zurück und wieder andere wollen einen neuen Lebensabschnitt in Marienhof beginnen. 36 Menschen wohnen laut Einwohnermeldeamt in dem kleinen Dorf, das zur Stadt Krakow am See gehört. Für Eckhard Weltzien (56) ist es „eines der besten Dörfer“, die er sich vorstellen könne, für Rosemarie Mergner (55) eher „einer der vergessenen Orte“, einer mit ganz viel Ruhe am Waldrand.

Rosemarie Mergner ist in Marienhof aufgewachsen. Damals, so erinnert sie sich, sei das Dorf viel lebendiger gewesen. Viele Kinder lebten dort. Es gab noch einen Konsum in einem Anbau des Schlosses und später nur noch den Konsumbus für die Versorgung. In die große weite Welt wollte sie, statt Waldrand-Idylle die bunten Lichter der Stadt haben. Sie kam bis Boxberg in der Lausitz, wurde Maschinist, später Meister in dortigen Kraftwerk. Nach elf Jahren kehrte sie mit ihrem Mann Bernd nach Marienhof zurück. Die Sehnsucht nach der großen weiten Welt aber war geblieben.

2003 – die beiden Töchter waren erwachsen – gingen Rosemarie und Bernd Mergner nach Paraguay. Einmal etwas ganz anderes machen, etwas aufbauen, selbstständig sein und sich selbst versorgen. Auf dem Lande lebten sie von der Landwirtschaft und hatten einen kleinen Gästebetrieb mit fünf Betten und so auch manchem deutschen Urlauber zu Gast. Für Rosemarie Mergner war es eine wunderbare Erfahrung. Im vergangenen Jahr kehrten sie und ihre Mann in ihr Elternhaus nach Marienhof zurück. Hier sei ihre Heimat. Ein bisschen Heimweh habe bei der Entscheidung wohl eine Rolle gespielt. Auf die Frage, was sie aus Paraguay mitgebracht habe, antwortet die 55-Jährige: „Eine andere Sicht auf die Welt und einen großen inneren Frieden.“ Rosemarie Mergner fand Arbeit in Bützow, ihr Mann in Österreich.


„Im Sommer ist es großartig hier“


Schon fast 40 Jahren lebt Zuzana Michaelis (61) in Deutschland, erst in Garden, seit 1999 in Marienhof. Beschäftigt war sie beim Verein „Lebensbaum“. Heute ist es der Verein „Landleben“. Sie kümmert sich um zehn Pferde, sieben Ponys gehören dem Verein. Sie lehrt kleinen Mädchen das Reiten. Dabei gehe es um die Grundregeln, nicht um Leistung, betont Zuzana Michaelis. Sie kümmert sich um die Pferde, auch um ein paar Ziegen. Das fülle ihren Tag aus. Leben könne sie davon freilich nicht. Sie arbeite im Herrenhaus, in dem seit einigen Jahren Feriengäste willkommen sind. „Im Sommer ist es großartig hier. Wir sitzen auf der Bank und gucken in die Landschaft. Es blüht und duftet“, erklärt die 61-Jährige und fügt hinzu: „Im Winter ist es anders.“


Ferienwohnungen im Herrenhaus


Das Herrenhaus haben Gabriele und Hartmut Grosse vor Jahren, als es im Schlösserkatalog der Treuhand zum Verkauf angeboten wurde, erworben. Mietfrei nutzte es der Verein „Lebensbaum“ mit verschiedenen Projekten. 2010 begann die Sanierung. Ferienwohnungen wurden eingerichtet. „Wir sind jetzt im dritten Jahr und es wird gut angenommen“, betont Gabriele Grosse, die mit ihrem Mann in Mühl Rosin wohnt, im Sommer aber viel Zeit in Marienhof verbringt. Zu DDR-Zeiten habe das Herrenhaus der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) gehört. Als es eigentlich schon entsorgt werden sollte, habe man mit der HO Gaststätten Leipzig einen Interessenten gefunden. Das Herrenhaus wurde zum Ferienlager. „Es wurden Feste gefeiert und es wurde geheiratet“, berichtet Gabriele Grosse, die in dem Haus arbeitete. Das Ehepaar – beide 73 – betreibt außerdem etwas Landwirtschaft. Neben allerlei Federvieh stehen auf einer Wiese im Dorf auch ein paar Galloways. Die urigen Fleischrinder sollen einmal eine kleine Herde bilden, erzählt Gabriele Grosse. Sie schätzt in Marienhof ein „nettes Zusammensein mit den Nachbarn“. Man gehe sich nicht auf den Geist, sei aber für einander da, wenn Hilfe benötigt wird.


Im Dorf kennt jeder jeden


Das bestätigen auch Eckhard Weltzien – seit 1964 lebt er in Marienhof und ist gerade dabei sein Haus zu renovieren – sowie Siegmar (64) und Edda (63) Krüger, die sich in Marienhof ein Haus bauen wollen. „Man kennt alle im Dorf“, erklärt Siegmar Krüger und schwärmt: „Hier hört man die Vögel zwitschern, kann entspannen.“ In den vergangenen 25 Jahren hätten er und seine Frau fast jeden Tag gearbeitet – Getränke und Imbiss in Groß Tessin. Man habe nicht einfach zuschließen wollen und sei deshalb sehr froh einen Nachfolger gefunden zu haben. „Es hat Spaß gemacht, aber jetzt wollen wir unsere Ruhe haben“, sagt Siegmar Krüger, der mit seiner Frau zur Miete in Marienhof wohnt, bis ihr Haus fertig ist. Auf die Frage nach dem Warum gehen die Eheleute ein paar Schritte bis an den Rand ihres Grundstückes. Der weite Blick in die Landschaft ist grandios. Man könne diverse Wildtiere, die Pferde und wunderschöne Sonnenuntergänge beobachten.

 

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